Fleisch, Typ-2-Diabetes

Fleisch und Typ-2-Diabetes: 63 Prozent höheres Risiko bei höchster Neu5Gc-Zufuhr

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 18:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Kohortenanalyse verknüpft hohe Neu5Gc-Aufnahme aus Fleisch mit mehr Diabetesfällen; nach Berücksichtigung des Fleischkonsums war der Zusammenhang nicht signifikant.
Rohes rotes Fleisch auf einem hölzernen Schneidebrett in einer hellen Küche. Illustration mit AI erstellt.

Vorläufige Ergebnisse einer großangelegten Kohortenstudie liefern neue Hinweise auf den biologischen Zusammenhang zwischen dem Konsum von rotem Fleisch und der Entstehung von Typ-2-Diabetes. Im Zentrum der Untersuchung steht das Zuckermolekül N-Glycolylneuraminsäure, kurz Neu5Gc.

Daten aus der französischen NutriNet-Santé-Kohorte, die auf der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes in Mailand vorgestellt wurden, zeigen eine deutliche Korrelation zwischen einer hohen Aufnahme dieses Stoffes und einer erhöhten Erkrankungswahrscheinlichkeit.

Deutlich erhöhtes Erkrankungsrisiko bei hohem Fleischkonsum

Die Auswertung der Daten von 89.953 teilnehmenden Erwachsenen ergab, dass Personen in der Gruppe mit der höchsten Zufuhr von fleischbasiertem Neu5Gc ein um 63 Prozent höheres Risiko für Typ-2-Diabetes aufwiesen als jene in der Gruppe mit der niedrigsten Aufnahme.

Auch in der zweithöchsten Aufnahmegruppe, dem vierten Quintil, lag das Risiko um 41 Prozent über dem der Vergleichsgruppe. Über sämtliche untersuchten Quellen hinweg belief sich der beobachtete Zusammenhang auf ein Plus von 37 Prozent.

Die dokumentierten Verzehrmengen unterschieden sich zwischen den Gruppen erheblich. In der Gruppe mit der höchsten Aufnahme konsumierten Männer durchschnittlich 97 Gramm rotes Fleisch pro Tag beziehungsweise 136 Gramm inklusive verarbeitetem Fleisch.

Frauen in dieser Gruppe nahmen im Schnitt 73 Gramm rotes Fleisch täglich zu sich, mit verarbeiteten Produkten 96 Gramm. In der niedrigsten Gruppe lagen die Werte bei Männern hingegen bei 5 Gramm unverarbeitetem und 21 Gramm Gesamtfleisch pro Tag, während Frauen auf 0 Gramm rotes Fleisch sowie 9 Gramm inklusive verarbeiteter Produkte kamen.

Auffällig war zudem ein Unterschied bei den Nahrungsmittelquellen: Während fleischbasiertes Neu5Gc mit dem Risikoanstieg einherging, war Neu5Gc aus Milchprodukten nicht mit einem höheren Diabetesrisiko verbunden.

Methodik und statistische Einordnung

Die Studienkohorte wies zu Beginn ein Durchschnittsalter von 42 Jahren auf, wobei 79 Prozent der Teilnehmenden Frauen waren. Vorerkrankungen wie Typ-2-Diabetes oder Krebs lagen bei Studienantritt bei keinem der Probanden vor.

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Die Ernährungsgewohnheiten wurden über jeweils drei 24-Stunden-Protokolle detailliert erfasst. Während des medianen Beobachtungszeitraums von 7,2 Jahren traten insgesamt 966 neue Fälle von Typ-2-Diabetes auf.

Das Studienteam adjustierte die statistischen Modelle für diverse Einflussfaktoren, darunter Alter, Geschlecht, körperliche Aktivität, die allgemeine Ernährungsqualität, Rauchgewohnheiten und Vorerkrankungen. Eine ergänzende Analyse zeigte, dass das Vorliegen von Adipositas etwa 13 Prozent des beobachteten Zusammenhangs erklärt.

Gleichzeitig wiesen die Forscher auf eine wesentliche methodische Einschränkung hin: Sobald das Modell zusätzlich für den Gesamtkonsum von rotem Fleisch adjustiert wurde, verlor der Zusammenhang zwischen Neu5Gc und dem Diabetesrisiko seine statistische Signifikanz.

Chronische Entzündungen als möglicher Mechanismus

Der Hauptautor der Studie, Dr. Leopold Fezeu von der Université Sorbonne Paris Nord, diskutiert chronische Entzündungsprozesse als spezifischen biologischen Mechanismus, der dem Phänomen zugrunde liegen könnte.

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Da der menschliche Körper Neu5Gc nicht selbst herstellt, kann die Aufnahme über tierische Gewebe zu Abwehrreaktionen führen. Fezeu betonte jedoch, dass der gefundene Zusammenhang keinen Beweis dafür darstelle, dass Neu5Gc Typ-2-Diabetes direkt auslöse. Hierfür seien weitere wissenschaftliche Untersuchungen zwingend erforderlich.

Zudem ordnet das Studienteam der EASD die Untersuchung als rein beobachtend und vorläufig ein. Ein formelles Peer-Review-Verfahren haben die vorgestellten Ergebnisse bislang nicht durchlaufen. Dennoch liefern die Daten der NutriNet-Santé-Kohorte wichtige Ansatzpunkte für die künftige Ernährungsforschung und die biochemische Bewertung von Fleischbestandteilen.

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