Fitness, Radikalisierung

Fitness und Radikalisierung: Julia Ebner warnt vor Rekrutierung im Training

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 05:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Extremismusforscherin beschreibt Rekrutierung im Sportumfeld und fordert digitale Vermittlungsalgorithmen gegen polarisierende Echokammern.

Julia Ebner: Wie Fitnessmilieus für rechtsextreme Anwerbung genutzt werden
Ein leerer, schattiger Boxraum mit einem einzelnen Boxsack in einem minimalistischen, kargen Trainingsumfeld. Illustration mit AI erstellt.

Die Verknüpfung von körperlicher Ertüchtigung und politischer Radikalisierung rückt verstärkt in den Fokus der Extremismusforschung. In Untersuchungen zur Dynamik moderner Männerbilder analysiert die Extremismusforscherin Julia Ebner vom Violent Extremism Lab der Universität Oxford die Mechanismen, über die junge Männer in Fitness- und Kampfsportmilieus ideologisch beeinflusst werden.

In ihrem Buch über die Gefahren extremer Männlichkeit, das beim Suhrkamp-Verlag erscheint, warnt die Wissenschaftlerin vor einer gezielten Einflussnahme radikaler Akteure in diesen Bereichen.

Rekrutierungsstrategien im Trainingsumfeld und historische Parallelen

Rechtsextreme Gruppierungen suchen nach Erkenntnissen der Forschung gezielt den Zugang zu jungen Männern über Kampfsportnetzwerke und klassische Fitnessstudios.

Wie Ebner in einem Interview darlegte, dient das Umfeld des Kraft- und Kontaktsports extremistischen Akteuren als Plattform für die Nachwuchsgewinnung. Das gemeinsame Absolvieren intensiver und fordernder Trainingseinheiten spiele dabei eine zentrale Rolle, da es bei den Beteiligten ein ausgeprägtes Gefühl von Loyalität und Brüderlichkeit stifte.

Die Forscherin verwies in diesem Zusammenhang auf historische Kontinuitäten. Bestimmte Ausprägungen der Fitness- und Kampfsportkultur innerhalb radikaler Bewegungen weisen laut Ebner deutliche Parallelen zu den sportlichen und kämpferischen Übungen auf, die in den Dreißigerjahren von der Hitlerjugend praktiziert wurden.

Die physische Abhärtung werde instrumentalisiert, um Gruppenidentitäten zu festigen und ideologische Botschaften mit einem Ideal soldatischer Wehrhaftigkeit zu verbinden.

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Ursachen für die Entstehung extremer Männlichkeitsbilder

Nach Einschätzung Ebners liegt das Kernproblem nicht in Männlichkeit an sich, sondern in einer spezifischen Extremform. Diese sei einseitig auf Fleischkonsum, Muskelaufbau und Geld fixiert. Für die Zunahme solcher Ausprägungen macht die Wissenschaftlerin ein Zusammenspiel verschiedener gesellschaftlicher, technologischer und biologischer Faktoren verantwortlich.

Dazu zählen ein höherer Testosteronwert ebenso wie knappe materielle Ressourcen in wirtschaftlich angespannten Phasen. Zudem verstärken Interaktionen auf Social-Media-Plattformen und Dating-Apps sowie Reaktionen auf die MeToo-Bewegung diese Dynamiken.

Ebner, die selbst im Kickboxen aktiv ist, kritisierte zugleich die Haltung linksliberaler Kreise: Deren pauschale Ablehnung von Muskeln und körperlicher Stärke sei ein Fehlansatz gewesen. Dieser Diskurs habe bei zahlreichen Männern den Eindruck verstärkt, gesellschaftlich dämonisiert zu werden, was die Anfälligkeit für radikale Gegenentwürfe begünstigt habe.

Vorschläge zur Regulierung digitaler Plattformen

Um der Verbreitung radikalisierender Inhalte entgegenzuwirken, sieht die Forscherin insbesondere Betreiber sozialer Netzwerke in der Pflicht. Da digitale Medien als Verstärker für extreme Rollenbilder fungieren, forderte Ebner die Einführung sogenannter Bridging-Algorithmen.

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Diese Systeme sollen darauf ausgelegt sein, polarisierende Echokammern aufzubrechen und Nutzern gezielt vermittelnde Inhalte sowie unterschiedliche Perspektiven zugänglich zu machen, um Radikalisierungsprozessen im Internet strukturell vorzubeugen.

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