Fitness im Alter: Studie mit 13.423 Menschen zeigt 61 Prozent weniger Sterberisiko
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 04:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deKonzepte rund um Langlebigkeit und das sogenannte biologische Alter gewinnen in der Medizin und der öffentlichen Debatte zunehmend an Bedeutung. Während Investoren und Einflusspersonen wie Mark Zuckerberg oder Bryan Johnson kostspielige Longevity-Projekte vorantreiben, betont die Geriatrie eine nüchterne Perspektive.
Auf dem Silbersalz-Festival in Halle thematisierte etwa Ursula Müller-Werdan von der Berliner Charité die Frage nach einem Wundermittel für ein langes Leben.
Als historischer Höchstwert für die menschliche Lebensspanne gilt die Französin Jeanne Calment, die ein verifiziertes Alter von 122 Jahren und 164 Tagen erreichte (1875–1997). In der Praxis richtet sich der wissenschaftliche Fokus vor allem darauf, die gesunde Lebensspanne – die sogenannte Healthspan – zu maximieren.
Körperliche Fitness und Sturzprävention im Fokus
Eine am 10. August 2026 in der Fachzeitschrift JAMA Network Open veröffentlichte Untersuchung unterstreicht den hohen Stellenwert funktioneller Fähigkeiten im Alter. Die Untersuchung begleitete 13.423 selbstständig lebende Erwachsene ab 65 Jahren, die in den Jahren 2015 und 2016 getestet worden waren.
Über einen Nachbeobachtungszeitraum von sieben Jahren traten 1.631 Todesfälle auf. Teilnehmer mit den höchsten Werten in einem kombinierten Score aus Kardio-, Kraft- sowie Balance- und Agilitätstests wiesen ein um 61 Prozent geringeres Sterberisiko auf als jene mit den niedrigsten Werten.
Den stärksten Zusammenhang mit der Langlebigkeit zeigten Balance und Agilität, gefolgt von der Kraft der unteren Extremitäten sowie der Kardiofitness, während Flexibilität nicht mit der Lebensspanne verbunden war. Harvard Health weist darauf hin, dass Stürze bei Erwachsenen ab 65 Jahren die führende Ursache für Verletzungen und verletzungsbedingte Todesfälle darstellen.
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Allerdings handelte es sich bei der Untersuchung um eine einmalige Testung ohne Kausalitätsnachweis, zudem waren die Teilnehmenden womöglich gesünder als der Durchschnitt. Auch der Sportwissenschaftler Billy Sperlich von der Universität Würzburg betont die Rolle von Bewegung und Krafttraining für ein langes, selbstständiges Leben.
Einfluss von Ernährungsmustern auf chronische Risiken
Neben Bewegung liefert die Ernährungsforschung fortlaufend Daten zu chronischen Krankheiten. Eine Analyse des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg im British Journal of Cancer zeigt, dass Menschen, die mehrere Empfehlungen für einen gesunden Lebensstil befolgen, ein geringeres Risiko für 13 von 27 untersuchten Krebsarten aufweisen.
Hinsichtlich spezifischer Ernährungsformen ergab eine Simulationsstudie der dänischen Aarhus-Universität unter Erstautor Michael Fridén anhand von Daten von 64.000 Schweden, dass eine strenge Einhaltung der traditionellen nordischen Diät mit einem um 2,7 Prozentpunkte geringeren Sterberisiko über 24 Jahre einhergeht. Die stärksten Effekte zeigten sich bei Frauen und über 65-Jährigen mit Bluthochdruck und Diabetes.
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Demgegenüber zeigte eine Untersuchung des Universitätsklinikums Freiburg die Grenzen kurzfristiger Ernährungsinterventionen auf: Bei 48 gesunden Erwachsenen, die über vier Wochen entweder vegan oder fleischreich aßen, zeigten sich zwar Veränderungen in bestimmten Signalwegen und Immunzellen. Nach statistischer Korrektur ließen sich jedoch keine signifikanten Effekte auf Alterungsuhren oder ein verringertes biologisches Alter belegen.
Biologisches Alter und die Grenzen medizinischer Versprechungen
Das biologische Alter spiegelt den tatsächlichen Zustand des Organismus wider, der durch Faktoren wie chronischen Stress, Rauchen, viszerale Adipositas, Schlafmangel und Bewegungsmangel negativ beeinflusst wird. Geriaterin Francesca Lubian vom Krankenhaus Bozen verweist darauf, dass seneszente Zellen chronische Entzündungsprozesse fördern.
Als wirksamste Gegenmaßnahmen nennt sie Ausdauer- und Krafttraining, Rauchverzicht und mediterrane Kost. Verfahren wie die epigenetische Reprogrammierung werden erforscht, sind jedoch als Verjüngungsmethode im Alltag nicht verfügbar und bergen Risiken wie Tumorbildungen.
Im ÄrzteTag-Podcast diskutierten Bernd Kleine-Gunk und Stefan Kluge vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf die Versorgungsstrukturen. Beide bemängelten, dass das Vergütungssystem Reparaturmedizin statt Prävention begünstige. Kluge warnte zugleich vor ungesicherten Trends in sozialen Medien, etwa Kältekammern oder Vitamin-Infusionen.
Für das Gehirn wiederum hob Peter Vajkoczy von der Charité hervor, dass Lebensstil und Gefäßgesundheit direkt beeinflussen, wie stark das Organ im Alter geschädigt wird. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts lag die Häufigkeit diagnostizierter Demenzerkrankungen im Jahr 2022 bei Frauen ab 40 Jahren bei 3,3 Prozent und bei Männern bei 2,4 Prozent.
