Fischkonsum: Jodgehalt in Ersatzprodukten oft zu hoch
Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 01:22 Uhr | Redaktion boerse-global.deAktuelle Berichte zum Lebensmittelmarkt beleuchten ein zweigeteiltes Bild für Verbraucher: Während das Bewusstsein für nachhaltigen Fischkauf durch Siegel und neue EU-Vorgaben gestärkt wird, offenbaren behördliche Ermittlungen und Kontrolldefizite erhebliche Risiken in der globalen Lieferkette von Fleisch- und Fischprodukten.
Marktentwicklung und Konsumverhalten in Deutschland
Nach Daten des Fisch-Informationszentrums (FIZ) verzeichnete der Fischkonsum in Deutschland im Jahr 2025 einen deutlichen Anstieg. Der Pro-Kopf-Verbrauch stieg auf 13,9 Kilogramm (Fanggewicht), was einem Zuwachs von 1,6 Kilogramm gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dies stellt den zweithöchsten Wert der vergangenen fünf Jahre dar.
Insgesamt erwarben Verbraucher im Jahr 2025 rund 425.000 Tonnen Fisch und Meeresfrüchte für ein Gesamtvolumen von 5,1 Milliarden Euro. Im Vergleich dazu lag der Absatz im Jahr 2024 bei 415.000 Tonnen für 5 Milliarden Euro.
Trotz inflationsbedingter Preissteigerungen blieb die Teuerungsrate bei Fischprodukten hinter der allgemeinen Lebensmittelpreisentwicklung zurück. Laut FIZ stiegen die Fischpreise zwischen 2021 und 2025 um 27,6 Prozent, während Lebensmittel insgesamt eine Verteuerung von 31,8 Prozent erfuhren.
Stefan Meyer vom Fisch-Informationszentrum wies darauf hin, dass Lachs mit einem Marktanteil von 19,2 Prozent die beliebteste Art bleibt, gefolgt von Alaska-Seelachs (18,5 Prozent) und Thunfisch (13,9 Prozent). Der Großteil des Einkaufs entfällt mit 89 Prozent auf den Lebensmitteleinzelhandel, wobei Discounter einen Marktanteil von 49 Prozent halten.
Kriterien für den bewussten Einkauf und neue EU-Richtlinien
Für die Auswahl im Supermarkt dienen etablierte Siegel als Orientierungshilfe. Das MSC-Siegel kennzeichnet Wildfisch aus nachhaltiger Fischerei, während das ASC-Siegel für Produkte aus verantwortungsvoller Aquakultur steht. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt zur Deckung des Nährstoffbedarfs den Verzehr von ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Produktangaben werden zum 27. September 2026 durch eine neue EU-Richtlinie gegen Greenwashing verschärft. Demnach sind pauschale Umweltaussagen wie „umweltfreundlich“ künftig nur noch zulässig, wenn diese durch konkrete Belege untermauert werden können.
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Herausforderungen bei Fischalternativen und Kontrolllücken
Als Alternative zu tierischen Produkten gewinnen pflanzliche Fischersatzprodukte an Bedeutung, die meist auf Hülsenfrüchten oder Algen basieren. Eine Untersuchung der Verbraucherzentralen von 19 algenhaltigen Produkten zeigte jedoch eine problematische Spanne beim Jodgehalt: Während einige Proben kaum Jod enthielten, wies eine 140-Gramm-Thunfisch-Alternative über 300 Mikrogramm auf.
Die DGE empfiehlt eine tägliche Zufuhr von 150 Mikrogramm Jod und warnt vor Mengen über 500 Mikrogramm. Zudem stellte eine Preisstudie von ProVeg für das Jahr 2025 fest, dass vegane Fischstäbchen bei allen untersuchten Händlern teurer als das Originalprodukt waren.
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Ein Bericht von Foodwatch kritisiert zudem die sinkende Kontrolldichte bei Lebensmitteln. In Schleswig-Holstein wurden im Jahr 2025 nur 65,7 Prozent der vorgeschriebenen Kontrollen durchgeführt, nachdem die Quote im Vorjahr noch bei 80,5 Prozent gelegen hatte.
Bundesweit liegt der Wert bei rund 71 Prozent. Die schleswig-holsteinische Verbraucherschutzministerin Cornelia Schmachtenberg gab zu bedenken, dass diese Quote auf Angaben von 13 der 15 Behörden beruhe und anlassbezogene Kontrollen darin nicht enthalten seien.
Kriminelle Machenschaften in der Fleisch- und Fischindustrie
Jenseits des regulären Marktes deckten Behörden zuletzt weitreichende Betrugsfälle auf. Europol koordinierte eine Razzia gegen den illegalen Handel mit Pferdefleisch in Belgien, Irland, Frankreich und den Niederlanden. Dabei wurden 24 Objekte durchsucht und mehr als 1.000 Pferde beschlagnahmt.
Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Dendermonde wurden ausgediente Rennpferde mit gefälschten Dokumenten zu Schlachtvieh umdeklariert. Das Fleisch wurde teilweise zu Tiefkühl-Snacks verarbeitet und über den Großhandel vertrieben.
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) warnt in diesem Zusammenhang vor Gesundheitsrisiken durch Rückstände von Antibiotika oder dem Medikament Phenylbutazon.
Auch im Fischsektor wurden schwere Verstöße bekannt. In Norwegen erhob die Behörde Økokrim Anklage gegen zwei Führungskräfte einer Verkaufsfirma. Das Unternehmen soll zwischen 2018 und 2023 über 500 Tonnen Zuchtlachs, der nicht für den menschlichen Verzehr geeignet war, verkauft haben.
Davon gelangten zwischen 2020 und 2023 allein mehr als 300 Tonnen nach Deutschland. Aktuelle Rückrufe wie bei Bio-Crevetten von Coop aufgrund nachgewiesener Salmonellen unterstreichen zudem die fortwährenden biologischen Risiken in der Lebensmittelkette.
