Figure 03 läuft 200 Stunden: 249.560 Pakete im Dauerstresstest
27.05.2026 - 21:30:25 | boerse-global.deDie Robotik-Forschung erlebt Ende Mai 2026 einen Innovationsschub – mit erstaunlichen Entwicklungen von winzigen Chirurgie-Robotern bis zu Dauerläufern fürs Lager.
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Argus: Der 20-beinige Alleskönner
Forscher der Duke University haben am 27. Mai einen Roboter vorgestellt, der die Bewegungsgesetze der Robotik neu schreibt. Argus besitzt 20 Beine und ist einem Seeigel nachempfunden. Sein Geheimnis: ein modularer Dodekaeder mit ausfahrbaren Beinen an jeder Ecke.
Das Ergebnis ist eine sogenannte dynamische Isotropie – die Fähigkeit, sich in jede Richtung gleich leicht zu bewegen. Argus erreicht einen Wort von 0,91 von maximal 1,0. Herkömmliche Roboter kommen selten über 0,6. Die in Science Robotics veröffentlichte Studie zeigt: Das Team simulierte über 1500 Konfigurationen, bevor es sich für das 20-Bein-Modell entschied.
Der Roboter meistert Wälder, Sand und nasse Oberflächen. Er klettert sogar senkrechte Wände – und das mit einer Nutzlast von rund 4,5 Kilogramm. Finanziert wurde das Projekt vom US Army Research Office und der Forschungsbehörde DARPA.
Winzling für den Körper: Der 4,4-Millimeter-Chirurg
Einen Tag zuvor präsentierte die Nanyang Technological University in Singapur einen magnetischen Chirurgie-Roboter von der Größe eines Samenkorns. Das Gerät ist gerade einmal 4,4 Millimeter groß, kann aber fünf verschiedene Aufgaben erfüllen: Gewebe schneiden, Medikamente freisetzen, Gegenstände greifen, Hitze erzeugen und Gewebeproben speichern.
Der Roboter besteht aus Polymeren mit eingebetteten magnetischen Mikropartikeln. Er wechselt zwischen den Funktionen in weniger als einer Sekunde. In Labortests an Hühnerleber und Gelatine-Modellen blieben 99 Prozent der Zellen intakt. Die in Advanced Materials veröffentlichte Forschung betont die sechs Freiheitsgrade des Roboters – inklusive einer neuen Rollfunktion, die ihm die Navigation in komplexen Umgebungen wie dem menschlichen Magen ermöglicht.
Schutzpanzer nach Armadillo-Vorbild
Forscher der North Carolina State University stellten ebenfalls am 27. Mai ein Schutzmodul vor, das sich an den Schuppen eines Gürteltiers orientiert. Das MIPM (Morpho-Interlocking Protective Module) besteht aus 3D-gedrucktem Harz und rollt sich bei Aufprall zu einer Schutzkugel zusammen. Die segmentierten Schuppen halten Kräften von etwa zehn Newton stand – ein flexibler, aber robuster Panzer für weiche Robotersysteme.
Luna: Der erschwingliche Humanoid
Doch nicht nur die Forschung liefert Neuigkeiten. Der chinesische Hersteller LimX Dynamics brachte am 26. Mai den Humanoiden Luna auf den Markt. Mit 160 Zentimetern Körpergröße und 27 Freiheitsgraden kostet er umgerechnet rund 38.000 Euro. Das Besondere: ein mehrschichtiges Sicherheitssystem und ein KI-Aufgaben-Editor, der Videodaten in Bewegungsbefehle umwandelt.
Die Batterielaufzeit stieg im Vergleich zu früheren Modellen um 150 Prozent, die Gelenktemperaturen sanken um 30 Prozent. Ein Fortschritt, der den Einsatz in der Industrie realistischer macht.
200 Stunden nonstop: Figure 03 im Dauerstress
Noch einen Schritt weiter geht Figure AI. Dessen Roboter Figure 03 absolvierte einen Test, der am 22. Mai endete: 200 Stunden ununterbrochener Betrieb. Fünf Roboter sortierten im Schichtbetrieb 249.560 Pakete – angetrieben vom KI-System Helix-02. Das Tempo: 1248 Kartons pro Stunde, etwa 2,88 Sekunden pro Karton.
Das Unternehmen kündigte an, die jährliche Produktionskapazität innerhalb von vier Jahren auf 100.000 Einheiten steigern zu wollen.
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LeRobot: Humanoiden zum Schnäppchenpreis
Doch solche kommerziellen Systeme kosten zwischen 28.000 und 140.000 Euro – für viele Forschungseinrichtungen unerschwinglich. Hier setzt Hugging Face an. Am 26. Mai veröffentlichte das Unternehmen das LeRobot Humanoid-Projekt. Es enthält Baupläne für 3D-druckbare Zweibein-Beine, die sich mit handelsüblichen Komponenten für rund 2.300 Euro nachbauen lassen.
Ziel ist eine kostengünstige, reproduzierbare Plattform für die Forschung – ohne die hohen Einstiegshürden proprietärer Hardware.
Expedition Mars: Roboter für Lavaröhren
Die Robotik blickt auch ins All. Ein Team der New Mexico Tech schlug am 26. Mai ein System zur Erkundung von Mars-Lavaröhren vor. Diese Tunnel erstrecken sich über mehr als 1200 Kilometer und erreichen Breiten von über 250 Metern.
Das Konzept: Ein kugelförmiger „Roly-Poly"-Drone betritt die Röhren durch sogenannte Oberlichter, während Mikro-Drohnen – inspiriert von Löwenzahnsamen – die Tunnel kartieren. Die Mikro-Drohnen nutzen piezoelektrische Materialien zur Stromversorgung in dunklen Umgebungen und weiße Farbe zur Kühlung. Getestet wird derzeit in irdischen Vulkanhöhlen.
Bee-Nav: Navigation mit Bienengehirn
Ein weiteres Naturvorbild liefert die TU Delft. Am 25. Mai veröffentlichten Forscher das Navigationssystem Bee-Nav im Fachjournal Nature. Inspiriert von der visuellen Verarbeitung von Bienen, benötigt das System nur 42 Kilobyte neuronalen Speicher.
In Tests navigierten kleine Drohnen zwischen 200 und 600 Metern im Freien und kehrten zu ihrem Ausgangspunkt zurück. Die Erfolgsquote: 80 Prozent bei ruhigem Wetter, 50 bis 70 Prozent bei Wind. Solche leichten Systeme könnten in Gewächshäusern, Lagern und Katastrophengebieten zum Einsatz kommen.
Stoffmuskeln und Quallen-Roboter
Auch tragbare Robotik macht Fortschritte. Das Korea Institute of Machinery and Materials (KIMM) zeigte am 26. Mai einen Stoffmuskel aus Formgedächtnis-Legierungsfasern. Die nur 25 Mikrometer dünnen Fasern werden direkt in Kleidung eingewebt. Eine Prototyp-Jacke unter zwei Kilogramm reduzierte die Muskelanstrengung um 40 Prozent. Eine Schulterhilfe mit 840 Gramm verbesserte die Bewegungsfreiheit um 57 Prozent. Die Akkulaufzeit beträgt etwa vier Stunden – die Kommerzialisierung soll in ein bis zwei Jahren folgen.
Ebenfalls am 26. Mai vorgestellt: der J-MSR, ein von Quallen inspirierter Soft-Roboter. Er schwimmt mit magnetischer Aktivierung und erreicht 14,85 Körperlängen pro Sekunde – ohne eigene Stromversorgung. Getestet in Schweinemägen, könnte er künftig Medikamente gezielt abliefern oder Magenuntersuchungen durchführen.
Ausblick: Vom Labor in die Praxis
Die Entwicklungen Ende Mai 2026 zeigen eine reifende Industrie. Der Fokus verschiebt sich von reiner Mobilität zu spezialisierter Effizienz. Bio-inspirierte Designs lösen Probleme bei Traktion und Beweglichkeit. Im Industriesektor deuten Dauerlauftests wie der von Figure 03 auf eine Zukunft autonomer Lagerhallen hin.
Die Demokratisierung der Hardware durch Projekte wie LeRobot könnte die Software-Innovation beschleunigen – indem sie die finanziellen Hürden senkt. In den nächsten zwei Jahren dürften tragbare Assistenztextilien und miniaturisierte Chirurgie-Werkzeuge den Sprung vom Labor in den Alltag schaffen.
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