Fibromyalgie: TENS und Physiotherapie senken Schmerzen um 72%
18.06.2026 - 08:33:38 | boerse-global.de
Die Kombination von transkutaner elektrischer Nervenstimulation (TENS) und Physiotherapie lindert Fibromyalgie-Schmerzen deutlich besser als Physiotherapie allein. Das belegt eine aktuelle Studie mit 384 Patienten aus 28 Zentren.
91 Prozent der Probanden waren Frauen. Sie nutzten TENS mit einer Frequenz von 2 bis 125 Hz täglich für zwei Stunden. Nach 60 Tagen zeigte die Kombination eine signifikant stärkere Reduktion bewegungsinduzierter Schmerzen.
Erste Erfolge schon nach 30 Tagen
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Bereits nach einem Monat ließen sich positive Effekte messen. Rund 41 Prozent der Teilnehmer erreichten eine Schmerzreduktion von mindestens 30 Prozent. Insgesamt berichteten 72 Prozent der Patienten über eine klinische Verbesserung – in der Kontrollgruppe waren es nur 51 Prozent.
Schwere Nebenwirkungen traten nicht auf. Bei etwa 30 Prozent der Anwender zeigten sich jedoch leichte Hautreizungen.
Langzeiteffekte bleiben stabil
Die Nachhaltigkeit der Behandlung wurde über sechs Monate dokumentiert. Die positiven Effekte blieben über den gesamten Zeitraum stabil. Nach sechs Monaten bewerteten 81 Prozent der Patienten TENS als hilfreiche Maßnahme zur Schmerzbewältigung.
Parallel dazu untersuchte eine retrospektive Studie Millimeterwellen-basierte Wearables (MMW) bei 185 Patienten über 18 Monate. Der Schmerzlevel sank auf einer Skala von 0 bis 100 von anfänglich 56,7 auf 35,4 nach 72 Wochen. Die Schlafqualität verbesserte sich innerhalb der ersten drei Monate um 21 Prozent. Allerdings handelte es sich um eine einarmige Studie mit Langzeitnutzern – die Aussagekraft bleibt eingeschränkt.
Klinische Praxis hinkt hinterher
Trotz belegter Wirksamkeit nicht-medikamentöser Verfahren dominiert in der Realität die Pharmakotherapie. Eine Analyse der Medizinischen Universität Graz wertete Daten von über 3.000 Patienten aus den Jahren 2021 bis 2023 aus. Ergebnis: 90 Prozent der Akutpatienten und 86 Prozent der chronischen Schmerzpatienten erhalten Analgetika.
Physiotherapie kommt nur bei rund 40 Prozent der Betroffenen zum Einsatz. Andere nicht-medikamentöse Verfahren werden bei weniger als 10 Prozent der Patienten angewendet. Das ist problematisch: Chronische Schmerzpatienten sind oft älter und pflegebedürftiger, leiden häufiger an Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislauf-Problemen – das erhöht das Risiko für medikamentöse Wechselwirkungen.
Alternativen mit unterschiedlicher Evidenz
Neben elektrischer Stimulation werden auch psychologische und physikalische Methoden diskutiert. Eine Metaanalyse aus 2024/2025 mit Daten von 2.277 Personen bestätigt die Wirksamkeit der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobson. Sie verbessert die Schlafqualität und senkt den Cortisolspiegel.
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Kritischer sehen Fachleute die Pain Reprocessing Therapy (PRT). Eine Untersuchung aus 2022 zeigte bei 150 Patienten hohe Erfolgsquoten. Doch Experten der NTNU in Norwegen bemängeln die mangelnde Evidenz: Es fehlen unabhängige Replikationen, die Kontrollbedingung der Studie sei unzureichend gewählt.
Neue rechtliche Lage für Österreich
Für Patienten in Österreich hat sich Anfang 2025 etwas geändert. Seit dem 1. Januar kann eine Trainingstherapie mit ärztlicher Überweisung auch ohne vorherigen Krankenhausaufenthalt in Anspruch genommen werden. Eine Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen im niedergelassenen Bereich ist jedoch weiterhin nicht vorgesehen. Das erschwert die breite Anwendung evidenzbasierter Verfahren zusätzlich.
