Fibromyalgie, Bewegung

Fibromyalgie: Bewegung mindestens zweimal pro Woche als wichtiger Baustein

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 22:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aficrovall macht auf lange Diagnosewege aufmerksam; Fachleute empfehlen Bewegung als Teil eines umfassenden Behandlungskonzepts.
Ein ruhiger, sonnendurchfluteter Yogaraum mit Holzboden und minimalistischer Einrichtung als Ort für therapeutische Bewegung. Illustration mit AI erstellt.

Am 7. November findet im Polideportivo Delicias von 9:30 bis 19:00 Uhr die Veranstaltung „Valladolid Respira“ statt, die Yoga und Live-Musik zusammenbringt. Das Thema körperliche Bewegung besitzt vor allem für Menschen mit chronischen Schmerzerkrankungen wie Fibromyalgie einen hohen Stellenwert.

Regionale Organisationen wie die Betroffenenvereinigung Aficrovall nutzen diesen Kontext, um auf die Herausforderungen der Erkrankung und den Nutzen sanfter Bewegungsmethoden aufmerksam zu machen.

Lange Diagnosewege und hohe Belastung für Betroffene

Nach Angaben von Aficrovall leben in der Region Castilla y León rund 13.300 offiziell anerkannte Personen mit Fibromyalgie; die tatsächliche Prävalenz in der Allgemeinbevölkerung wird auf 2 bis 4 Prozent geschätzt. Frauen sind mit einem Anteil von 92 Prozent deutlich häufiger betroffen als Männer mit 8 Prozent, wobei die Altersgruppe der 30- bis 60-Jährigen die meisten Fälle stellt.

Bei der Präsidentin der Vereinigung, Manoli Luque, dauerte es acht Jahre bis zur Diagnose. Mittlerweile liegt die durchschnittliche Diagnosezeit laut Aficrovall bei rund zwei Jahren. Die Organisation selbst verzeichnete ein deutliches Wachstum von 60 auf fast 300 Mitglieder.

Ein konkretes Beispiel für den Verlauf liefert die 67-jährige Nuria González aus San Bernardo in Valladolid. Nach dem Auftreten erster Symptome im Jahr 2003 erhielt sie 2005 nach zwei Jahren anhand von 18 Schmerzpunkten die Diagnose. Ursprünglich lediglich mit Paracetamol behandelt, nutzt sie seit Juli 2005 Angebote der Vereinigung wie psychologische Unterstützung, Physiotherapie und Yoga.

Auch die Vereinigung AFIBUR berichtet über ähnliche Herausforderungen. In Burgos sind schätzungsweise 3.000 Personen mit Fibromyalgie diagnostiziert. AFIBUR betreut etwa 400 Mitglieder und fordert die Einrichtung eines Referenzzentrums in Burgos.

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Während die Diagnose früher sieben bis zehn Jahre dauerte, liegt die Dauer nach Angaben von AFIBUR derzeit bei ein bis drei Jahren. Die Abklärung erfolgt durch Fachbereiche der Rheumatologie oder Inneren Medizin per Ausschlussdiagnose, während funktionelle Hirn-MRT keine Anwendung finden.

Zu den typischen Beschwerden gehören generalisierte Schmerzen, Erschöpfung, Reizdarmsyndrom, Missempfindungen, Konzentrationsprobleme, nicht erholsamer Schlaf, Apnoen, Angst und Tinnitus. Auffällig sei zudem, dass rund 90 Prozent der Betroffenen als sehr aktiv oder perfektionistisch gelten.

Multimodale Behandlung und die Rolle aktiver Bewegung

Fibromyalgie gilt als chronische Schmerzerkrankung ohne spezifische Labortests. Als Kriterien gelten unter anderem Schmerzen an mindestens 11 von 18 Tenderpunkten sowie ein über mehr als drei Monate anhaltender, beidseitiger Schmerz in mehreren Körperregionen. Nur etwa ein Drittel der Betroffenen erhält zeitnah eine entsprechende Diagnose.

In der therapeutischen Praxis wird ein multidisziplinärer Ansatz aus Rheumatologie, Physiotherapie und Psychologie empfohlen. Neben medikamentösen Optionen wie Antidepressiva oder Neuromodulatoren gilt Bewegung als wesentlicher Baustein.

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Fachleute empfehlen körperliche Aktivität mindestens zweimal pro Woche, darunter Gehen, Schwimmen oder Aerobic, kombiniert mit Atemübungen und sanfter Kräftigung. Prominente Betroffene wie Schauspielerin Carol Castro, die 2025 ihre Diagnose öffentlich machte, oder Sängerin Lady Gaga, die 2017 gesundheitsbedingt Auftritte absagen musste, tragen zur Sichtbarkeit des Krankheitsbildes bei.

Leitlinien setzen auf nicht-medikamentöse Verfahren

Die Bedeutung nicht-medikamentöser Ansätze spiegelt sich auch in offiziellen Richtlinien wider. Die Deutsche Schmerzgesellschaft erteilt in der vierten Version ihrer überarbeiteten S3-Leitlinie LONTS einer Langzeittherapie mit Opioiden bei Fibromyalgie eine klare Absage. Opioide seien bei diesem Krankheitsbild nicht belegt und dürften generell nicht isoliert, sondern allenfalls eingebettet in multimodale Konzepte genutzt werden.

Dass Maßnahmen wie Yoga auch ökonomisch und klinisch wirksam sein können, unterstreicht eine systematische Übersichtsarbeit des George Institute im Fachjournal PLOS Medicine unter Beteiligung der Forscher Stephanie Mathieson, Manuela Ferreira und David Hunter.

Die Analyse von 20 Studien aus den Jahren 2005 bis 2026 mit 14.884 Personen mit Schmerzen im unteren Rücken zeigte, dass Interventionen wie Yoga, Akupunktur und kognitive Verhaltenstherapie wirksamer als die Standardversorgung waren und unter der Kosteneffektivitätsschwelle von 20.000 Pfund pro qualitätskorrigiertem Lebensjahr lagen.

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