Fettzellen-Gedächtnis: ETH-Studie erklärt Jo-Jo-Effekt neu
22.06.2026 - 04:03:16 | boerse-global.de
Wissenschaftler der ETH Zürich haben ein sogenanntes epigenetisches Gedächtnis an Übergewicht nachgewiesen. Ihre Studie, veröffentlicht im Fachmagazin Nature, zeigt: Selbst nach erfolgreicher Diät bleiben spezifische Markierungen in den Fettzellen erhalten. Diese Markierungen begünstigen eine erneute Gewichtszunahme – und das über Jahre, denn Fettzellen können bis zu zehn Jahre überleben.
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Die Pharmaindustrie arbeitet bereits daran, diese epigenetischen Veränderungen gezielt zu beeinflussen. Ein Durchbruch wäre der Schlüssel zur Überwindung des berüchtigten Jo-Jo-Effekts.
Schnell abnehmen – kein Problem?
Bislang galt die Regel: Wer schnell abnimmt, nimmt auch schnell wieder zu. Eine Studie des norwegischen Vestfold Hospital Trust stellt diese Annahme nun infrage.
Die Forscher um Dr. Line Kristin Johnson analysierten 284 Probanden. Das Ergebnis: Eine schnelle Diät (unter 1.000 kcal täglich über acht Wochen) führte nach einem Jahr zu 14,4 Prozent Gewichtsverlust. Eine moderate Kalorienrestriktion brachte es nur auf 10,5 Prozent. Ein verstärkter Jo-Jo-Effekt durch die schnellere Abnahme? In dieser Studie nicht nachweisbar.
Muskelmasse: Die neue Baustelle der Abnehm-Medikamente
GLP-1-Rezeptor-Agonisten wie Semaglutid sind extrem effektiv. Doch sie haben eine unangenehme Nebenwirkung: Sie bauen nicht nur Fett, sondern auch Muskeln ab. Die Pharmaindustrie sucht daher nach Begleitmedikamenten.
Eli Lilly setzt auf Bimagrubab, einen Wirkstoff aus einer Übernahme von 2023. In Kombination mit Semaglutid soll der Wirkstoff den Fettabbau fördern und gleichzeitig die Muskelmasse erhalten. Studien mit über 500 Teilnehmern deuteten auf einen Fettverlust von über 90 Prozent hin.
AstraZeneca verfolgt mit SPX-001 ein ähnliches Ziel. Und Cambrian Biotech entwickelt ATX-304, eine Substanz, die den Ruheumsatz steigern soll. Erste Ergebnisse einer mittelgroßen Studie werden für Ende 2027 erwartet.
Weniger Bewegung unter GLP-1-Therapie
Die Medikamente wirken – aber sie verändern auch das Verhalten. Eine Untersuchung der Endocrine Society mit 753 Erwachsenen unter GLP-1-Therapie zeigt einen Rückgang der körperlichen Aktivität.
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Die tägliche Schrittzahl sank von durchschnittlich 5.047 auf 4.487. Die Zeit für moderate bis intensive Bewegung reduzierte sich von 28 auf 22 Minuten pro Tag. Besonders betroffen: Männer und Patienten mit bestehenden Gelenkschmerzen.
Langzeiteffekte: Schutz vor Diabetes
Die gute Nachricht: Wer sein viszerales Fett reduziert, profitiert langfristig. Eine zehnjährige Gemeinschaftsstudie der Universitäten Leipzig und Ben-Gurion belegt: Bereits eine Verringerung des inneren Bauchfetts um zehn Prozent senkt das Risiko für Typ-2-Diabetes um 28 Prozent. Und dieser Schutzeffekt bleibt den Forschern zufolge auch bei moderater späterer Gewichtszunahme teilweise erhalten.
Wirkstoff-Vergleich: Wer liegt vorn?
Eine Meta-Analyse der University of Georgia mit Daten von rund 14.000 Teilnehmern zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Wirkstoffklassen:
- Tirzepatid (dualer GLP-1/GIP-Agonist): über 20 Prozent Gewichtsverlust
- Semaglutid: rund 15 Prozent
- Liraglutid: rund 8 Prozent
Kostenstreit und mechanische Alternativen
Trotz der klinischen Erfolge bleibt die Kostenübernahme umstritten. Das Landgericht Nürnberg-Fürth entschied: Private Krankenversicherungen müssen die Kosten für Tirzepatid nicht übernehmen, wenn die Behandlung ausschließlich der Gewichtsreduktion ohne medizinische Begleitindikation dient.
Neben Medikamenten werden auch mechanische Verfahren erforscht. Das RESET-Verfahren, ein minimalinvasiver Einsatz im Dünndarm, zeigte bei rund 1.300 Patienten einen Gewichtsverlust von etwa 19 Prozent.
Und die Forschung geht weiter: Wissenschaftler der Universitäten Zürich und Pisa weisen in Cell Reports darauf hin, dass Epigenetik-Medikamente wie BET-Protein-Inhibitoren künftig dazu beitragen könnten, die Blutgefäße adipöser Patienten vor Entzündungen und Folgeerkrankungen wie Herzinfarkten zu schützen.
