Copilot-Zwang: Microsoft installiert KI automatisch auf Millionen PCs
22.06.2026 - 04:05:51 | boerse-global.de
Microsoft forciert die Verbreitung seines KI-Assistenten Copilot und installiert die Anwendung nun automatisch auf Millionen von Windows-Geräten. Der Konzern nutzt dafür die bestehende Update-Infrastruktur von Microsoft 365 – und sorgt damit für neue Diskussionen um Datenschutz und Sicherheit.
Der Rollout startete Mitte Juni 2026 und soll bis Mitte Juli abgeschlossen sein. Betroffen sind Windows-Rechner mit Microsoft 365 Business und anderen berechtigten Desktop-Anwendungen. Die Installation ist standardmäßig aktiviert – Administratoren müssen aktiv widersprechen, wenn sie Copilot nicht haben wollen.
EU-Nutzer bleiben verschont
Anzeige: Wer die automatische Copilot-Installation auf seinen Windows-Geräten verhindern will, findet in diesem kostenlosen Leitfaden die wichtigsten Schutzmaßnahmen – von Deaktivierung per Gruppenrichtlinie bis zu Purview-Ausschlussregeln. Jetzt kostenlosen Sicherheits-Leitfaden anfordern
Eine bemerkenswerte Ausnahme: Unternehmen und Nutzer im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) sind von der automatischen Installation ausgenommen. Der Schritt folgt auf die monatelange regulatorische Auseinandersetzung mit der EU-Kommission, die Microsoft bereits zur Entbündelung von Teams gezwungen hatte. Offenbar will der Konzern weiteren Ärger mit den Wettbewerbshütern vermeiden.
Datenschützer schlagen Alarm
Die tiefe Integration von KI-Agenten ins Betriebssystem stößt bei Datenschützern auf scharfe Kritik. Signal-Präsidentin Meredith Whittaker warnte am 20. Juni 2026 vor den Risiken: KI-Agenten benötigten Zugriff auf sensible Daten wie Nachrichten, Browserverlauf und Kreditkarteninformationen – und das bei fehlender Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Whittaker bezeichnete die Systeme als potenzielle „Hintertüren für die Datenaggregation“ und betonte die strukturelle Unvereinbarkeit von KI-Agenten mit aktuellen Datenschutzstandards.
Microsoft reagiert mit Schutzmechanismen
Als Antwort auf die Sicherheitsbedenken erweitert Microsoft seine Purview-Datenschutzsuite. Ein neues Feature, das im Juni und Juli 2026 ausgerollt wird, erlaubt es Unternehmen, Copilot und andere verbundene Dienste von der Analyse bestimmter Dateien auszuschließen. Administratoren können Dateien mit spezifischen Vertraulichkeitskennzeichnungen versehen – diese bleiben dann für die KI unsichtbar. Das betrifft Dokumente in Word, Excel, PowerPoint und Outlook.
Technische Pannen nach Juni-Update
Die KI-Offensive überschattet jedoch eine Reihe technischer Probleme. Das Sicherheitsupdate vom 9. Juni 2026 (KB5094126) – eigentlich ein wichtiger Patch gegen über 200 Sicherheitslücken – sorgt auf vielen Enterprise-Geräten für massive Störungen. Nutzer von HP EliteBook, HP ProBook und Dell Precision berichten von BitLocker-bedingten Boot-Schleifen und Systemabstürzen.
Weitere gemeldete Fehler:
- Papierkorb-Probleme: Gelöschte Dateien zeigen interne System-IDs statt Dateinamen an. Microsoft verspricht einen Fix für den 14. Juli 2026.
- Netzwerk- und Software-Ausfälle: LAN-Verbindungen brechen zusammen, Spezialsoftware aus der Dental- und Finanzbranche zeigt Kompatibilitätsprobleme.
- Cloud-Synchronisation: Domain-verbundene PCs haben mit leeren Ergebnissen und Synchronisationsfehlern in OneDrive zu kämpfen.
Neue KI-Strategie: Mehr Modelle, neue Preise
Anzeige: Bereits von technischen Störungen nach dem Juni-Update betroffen? Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie BitLocker-Boot-Schleifen beheben und gleichzeitig Copilot-Datenschutzrisiken minimieren – inklusive Rollback-Anleitung. Update-Rollback und Datenschutz-Leitfaden jetzt sichern
Microsoft stellt seine KI-Strategie breiter auf. Um die Kosten für Inferenzberechnungen um 60 bis 80 Prozent zu senken, integriert der Konzern ein feinabgestimmtes DeepSeek-Modell in die Copilot-Cowork-Plattform. Bereits Ende 2025 hatte Microsoft Anthropics Claude-Modelle eingebunden. Auch Metas Llama 3 und Mistral Large werden weiterhin evaluiert.
Ein nutzungsabhängiges Preismodell für Copilot Cowork soll im Juni 2026 starten – eine Abkehr von der bisherigen Flatrate. Der Zeitpunkt ist heikel: Eine Wertpapier-Sammelklage von Aktionären belastet das Unternehmen. Am 28. Januar 2026 war der Aktienkurs um zehn Prozent eingebrochen, nachdem Microsoft nur 15 Millionen Microsoft-365-Copilot-Premium-Kunden gemeldet hatte. Die Kläger werfen dem Konzern vor, Investoren über das Wachstum von Azure und die tatsächliche Leistungsfähigkeit seiner KI-Tools getäuscht zu haben. Die Frist für den Hauptkläger läuft am 11. August 2026 ab.
Trotz aller Widrigkeiten treibt Microsoft die Vision eines „agentischen“ Betriebssystems voran. Dabei zeigt sich ein interessantes Detail: Obwohl Windows 11 längst als Standard gelten soll, läuft auf rund 30 Prozent der Hardware bestimmter Hersteller noch Windows 10 – Monate nach dem offiziellen Support-Ende am 14. Oktober 2025.
