Fettleber-Studie: Ketogene Kost senkt Leberfett bei 42 Menschen um 67 Prozent
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 01:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fettlebererkrankungen gelten als eines der am schnellsten wachsenden Gesundheitsprobleme weltweit, da sie eng mit Adipositas, Typ-2-Diabetes und Stoffwechselstörungen verknüpft sind. Mehrere Forschungsgruppen haben zuletzt unterschiedliche Ansätze verfolgt, um Entzündungsprozesse in der Leber zu bremsen – von molekularen Wirkstoffkandidaten über pflanzliche Naturstoffe bis hin zu Ernährungsinterventionen.
Neuer Wirkstoffkandidat aus Texas
Forschende der Texas A&M University berichteten laut einem Bericht vom 29. September 2026, dass der experimentelle MAP4K4-Hemmer GPPD in präklinischen Modellen gleichzeitig Leberfett, Entzündung, Leberschäden und Fibrose verringerte. Der Wirkstoff blockiert die Aktivität des Enzyms MAP4K4, ohne dessen Proteinmenge zu senken.
Bislang zeigte sich in den präklinischen Tests keine signifikante Toxizität; Pharmakokinetik- und Dosisstudien laufen derzeit, Tests am Menschen stehen noch aus. Die Ergebnisse wurden unter der DOI 10.1016/j.jhepr.2026.101886 veröffentlicht.
Traditionelle chinesische Medizin und pflanzliche Wirkstoffe
Parallel dazu untersuchten Forschende die Juanyu-Xiaozhi-Formel (JYXZF), eine traditionelle chinesische Rezeptur. Laut einem Bericht vom 28. September 2026 verringerte die Formel in einem diätinduzierten MASH-Rattenmodell sowie in Zellmodellen Leberfett, Entzündung und Fibrose.
Als Hauptwirkstoffe wurden Flavonoide identifiziert, als möglicher Wirkmechanismus beschrieben die Forschenden die AP-1/PPAR?/SCD1-Lipogenese-Achse. Die Ergebnisse, veröffentlicht im Journal of Clinical and Translational Hepatology, sind rein präklinisch, eine klinische Wirksamkeit ist bislang nicht belegt.
Ebenfalls aus dem Bereich pflanzlicher Naturstoffe stammt eine Untersuchung zu niedermolekularen Oligopolyphenolen aus der Fruchtschale der Feizixiao-Litschi (LPPO). Laut einem Bericht vom 28. September 2026 reduzierten diese Substanzen in Hochfettdiät-Mäusen und in FFA-induzierten HepG2-Zellmodellen Leberlipide, verbesserten oxidativen Stress und erhöhten die fäkale Lipidausscheidung.
Quercetin wurde als einer der Hauptaktivmetaboliten identifiziert. Die Mäuse erhielten über acht Wochen eine Hochfettdiät bei drei Tieren pro Gruppe und Dosierungen von 100 oder 200 mg/kg pro Tag. Die Autoren verwiesen selbst auf die Notwendigkeit weiterer Pharmakokinetik- und klinischer Studien zu Sicherheit und Wirksamkeit.
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Ernährungsinterventionen im klinischen Test
Neben molekularen und pflanzlichen Ansätzen rückt auch die Ernährung in den Fokus. In einer klinischen Studie mit 42 Menschen mit Adipositas, Prädiabetes und Fettleber sank laut einem Bericht vom 29. September 2026 das Leberfett bei vergleichbarem Gewichtsverlust von rund 10 Prozent im Mittel um 67 Prozent unter ketogener Kost, gegenüber jeweils 45 Prozent unter mediterraner beziehungsweise fettarmer Kost.
In der ketogenen Gruppe stammten 4 Prozent der Kalorien aus Kohlenhydraten und 73 Prozent aus Fett. Am Studienende erfüllten rund 50 Prozent der ketogenen Gruppe die Prädiabetes-Kriterien nicht mehr, verglichen mit 29 Prozent in der mediterranen und 7 Prozent in der fettarmen Gruppe.
Die Langzeitwirkung bleibt jedoch ungeklärt, zumal alle Mahlzeiten und eine wöchentliche Ernährungsbegleitung gestellt wurden – eine Bedingung, die im Alltag kaum reproduzierbar ist.
Mikroplastik als möglicher Einflussfaktor
Ein deutsch-österreichisches Forschungsteam der Universität Bonn untersuchte laut einem Bericht vom 29. September 2026 zudem, wie sich Mikroplastikpartikel in etwa Bakteriengröße auf die Leber auswirken. Bei Mäusen sammelten sich die Partikel in Kupfferzellen, störten deren Funktion und gingen nach zwölf Wochen mit vermehrter Fetteinlagerung in der Leber einher.
Interessanterweise verursachten Partikel mit zehnmal kleinerem Durchmesser deutlich weniger Blockade der Makrophagen; das Nanoplastik sammelte sich stattdessen im braunen Fettgewebe und aktivierte dort die Wärmeproduktion. Die Ergebnisse, veröffentlicht unter der DOI 10.1038/s42255-026-01615-8, beziehen sich bislang ausschließlich auf Mausmodelle.
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Einordnung
Die verschiedenen Forschungsstränge zeigen ein gemeinsames Muster: Entzündungshemmung gilt zunehmend als zentraler Hebel im Kampf gegen Fettlebererkrankungen, sei es über gezielte Enzymhemmung, pflanzliche Wirkstoffe oder veränderte Ernährungsmuster.
Allerdings befinden sich nahezu alle genannten Ansätze noch im präklinischen Stadium oder in frühen klinischen Phasen. Ob sich die in Tiermodellen beobachteten Effekte beim Menschen bestätigen lassen, müssen erst weitere Studien zu Sicherheit, Dosierung und Langzeitwirkung zeigen.
