Fettleber, Ketogene

Fettleber: Ketogene Diät senkt Leberfett um 67 Prozent

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 11:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de

JLU-Forscher entschlüsseln einen IL-13-Signalweg, während eine Studie die ketogene Ernährung bei Leberfett besonders wirksam einordnet.

Fettleber: Neue Studien zeigen Wege zu weniger Leberfett
Mikroskopische Aufnahme von Lebergewebe zur Veranschaulichung zellbiologischer Forschungsprozesse. Illustration mit AI erstellt.

Die Fettlebererkrankung hat sich zu einer globalen Herausforderung für die Gesundheitssysteme entwickelt. Schätzungen zufolge ist weltweit etwa jeder dritte Erwachsene betroffen, wobei allein in Deutschland Millionen von Patienten diagnostiziert wurden.

Aktuelle Forschungsergebnisse, insbesondere von der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen, sowie internationale klinische Studien geben nun tiefere Einblicke in molekulare Signalwege und effektive Interventionsmöglichkeiten.

Die Rolle von Interleukin-13 im Leberstoffwechsel

Ein Forschungsteam der JLU Gießen unter der Leitung von Prof. Elke Roeb identifizierte im September 2026 einen entscheidenden Mechanismus für den Fettabbau in der Leber. Eine in der Fachzeitschrift „Cellular and Molecular Gastroenterology and Hepatology“ veröffentlichte Studie belegt, dass der Botenstoff Interleukin-13 (IL-13) die Leber beim Abbau von eingelagertem Fett unterstützt.

Die Wissenschaftler beobachteten, dass bei Menschen mit Adipositas die IL-13-Konzentration nach einer erfolgreichen Gewichtsabnahme anstieg. Im Gegensatz dazu wiesen Mäuse, denen IL-13 fehlte, eine deutlich höhere Ansammlung von Leberfett auf.

Der identifizierte Signalweg IL-13R?1/JNK/FOSL2 fördert die Fettverbrennung direkt im Organ. Interessanterweise stellten die Forscher fest, dass das Protein FOSL2 bei Patienten mit Fettleber bereits erhöht ist, was auf einen körpereigenen, aber oft unzureichenden Kompensationsversuch hindeutet.

Klinischer Vergleich von Ernährungsformen

Parallel zu den molekularbiologischen Erkenntnissen untersuchte die Washington University in einer klinischen Studie mit 42 Teilnehmern die Wirksamkeit verschiedener Diäten bei Patienten mit Adipositas, Prädiabetes und Fettleber. Die im Fachjournal „Cell Metabolism“ im September 2026 publizierten Daten zeigen signifikante Unterschiede in der Reduktion des Leberfetts.

Während eine ketogene Ernährung den Fettgehalt der Leber um 67 % (von durchschnittlich 19,4 % auf 6,2 %) senkte, erreichten die mediterrane sowie eine fettarme Ernährung jeweils eine Reduktion von 45 %.

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Der allgemeine Gewichtsverlust war dabei in allen Gruppen mit Werten zwischen 10,1 % und 10,4 % nahezu identisch. Dies deutet darauf hin, dass die Zusammensetzung der Makronährstoffe einen spezifischen Einfluss auf die hepatische Lipidakkumulation hat, der über die reine Kalorienrestriktion hinausgeht.

Genetische Regulation und Entzündungsprozesse

Ein weiterer Ansatzpunkt in der Erforschung der metabolisch assoziierten steatotischen Lebererkrankung (MASLD) ist die Mitophagie, also der Abbau geschädigter Mitochondrien in den Leberzellen.

Wissenschaftler berichteten in „Molecular Genetics and Genomics“ über die Rolle des Proteins ZNF143. Dieses unterdrücke die Mitophagie über die sogenannte SMURF1/TRPV1-Achse und fördere so die Entstehung einer MASLD.

Ein gezielter Knockdown von ZNF143 konnte in Untersuchungen die Fettansammlung und Leberschäden reduzieren. Angesichts einer weltweiten MASLD-Prävalenz von etwa 38 % gewinnt dieser Mechanismus an klinischer Bedeutung.

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Zudem zeigen Untersuchungen aus Leipzig, dass Adipositas zu einer Vermehrung entzündungsaktiver Monozyten führt, ähnlich wie bei rheumatoider Arthritis. Nach einer Magenverkleinerung und einem durchschnittlichen Gewichtsverlust von 45 kg normalisierten sich diese Zellwerte bei den Probanden. Zukünftige Studien sollen nun prüfen, ob Wirkstoffe wie Colchicin oder IL-1-Blockaden bei 200 Testpersonen ähnliche Effekte erzielen können.

Pharmakologische und supplementäre Optionen

Seit September 2026 ist in Deutschland Semaglutid als orale Therapie gegen Adipositas verfügbar. In der Zulassungsstudie OASIS-4 konnte damit eine Gewichtsabnahme von rund 17 % erzielt werden, was indirekt die Lebergesundheit unterstützen dürfte.

Ergänzend dazu untersuchen Übersichtsarbeiten im „Journal of Herbal Medicine“ das Potenzial von Cannabinoiden wie CBD, THCV und CBG. Diese könnten über die Darm-Leber-Achse hepatoprotektiv wirken und nützliche Darmbakterien wie Akkermansia fördern.

Auch klassische Mikronährstoffe bleiben im Fokus der Wissenschaft. Vitamin E (12 bis 14 mg/Tag) und Vitamin C (95 bis 110 mg/Tag) können den Entzündungsmarker CRP um 24 % senken.

Für den Wirkstoff Berberin belegt eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2023 zudem positive Effekte auf den Stoffwechsel: Bei Patienten mit PCO-Syndrom sank das LDL-Cholesterin um 17,8 mg/dL und das Nüchterninsulin um 2,36 Einheiten, was die systemische Entzündungslast reduziert und somit die Leber entlastet.

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