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Fermentierte Lebensmittel: Studie belegt Effekt auf 19 Entzündungsmarker

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 18:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Übersichtsarbeit beschreibt mögliche Wirkungen fermentierter Kost auf Immunsystem und Stoffwechsel, fordert für Kausalität aber weitere Langzeitdaten.

Fermentierte Lebensmittel: Neue Hinweise auf Effekte für die Gesundheit
Verschiedene Gläser mit fermentiertem Gemüse wie Sauerkraut und Kimchi auf einem rustikalen Holztisch bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Fermentierte Produkte wie Sauerkraut, Kimchi oder Joghurt stehen seit Langem im Ruf, die Verdauung zu unterstützen. Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Nature Reviews Microbiology vom 27. Juni 2026 verdeutlicht nun, dass die potenziellen Effekte weit über den Magen-Darm-Trakt hinausreichen könnten.

Die Auswertung hebt hervor, dass fermentierte Nahrungsmittel Probiotika, Präbiotika und Postbiotika auf natürliche Weise kombinieren. Mögliche gesundheitliche Vorteile erstrecken sich demnach auf das Immunsystem, den Stoffwechsel sowie die Mund-Darm-Achse. Um konkrete kausale Zusammenhänge eindeutig zu belegen, mahnen die Autoren jedoch weitere Langzeitstudien an.

Synergie aus Mikroorganismen und Ballaststoffen

Im Vergleich zu industriellen Nahrungsergänzungsmitteln zeichnen sich traditionell hergestellte Produkte durch eine hohe mikrobielle und funktionelle Vielfalt aus. Während der weltweite Markt für Kapsel-Probiotika im Jahr 2023 ein Volumen von über 65 Milliarden US-Dollar überstieg, bieten entsprechende Präparate in der Regel nur ein bis fünf Bakterienstämme und enthalten keine Ballaststoffe.

Fermentierte Lebensmittel hingegen liefern dutzende lebende Stämme sowie bioaktive Verbindungen, darunter B-Vitamine, Vitamin K2 und Peptide. Auch wirtschaftlich unterscheiden sich die Optionen deutlich: Während fermentierte Milchprodukte wie Kefir etwa 1,50 bis 3 Euro kosten, belaufen sich Ausgaben für mikrobiotische Kapsel-Supplemente oft auf rund 40 Euro im Monat.

Gleichzeitig bringen viele pflanzliche Fermente wie Tempeh, Miso, Sauerkraut, Kimchi und anderes fermentiertes Gemüse erhebliche Mengen an Ballaststoffen mit. Diese dienen den vorhandenen Darmbakterien wiederum als Nahrungsgrundlage. Die Kombination dieser Bestandteile ist für die physiologischen Wirkungen von zentraler Bedeutung.

Erkenntnisse aus klinischen Untersuchungen

Bereits eine Untersuchung der Stanford University vom 13. Juli 2021 durch Justin Sonnenburg, Christopher Gardner und Erica Sonnenburg hatte den Einfluss auf das Immunsystem demonstriert.

In der Studie mit 36 gesunden Erwachsenen führte ein zehnwöchiger Konsum fermentierter Lebensmittel wie Joghurt, Kefir, fermentiertem Käse, Kimchi und Kombucha zu einer nachweisbar höheren Diversität des Mikrobioms.

Zudem sanken 19 Entzündungsmarker im Blut, darunter der Entzündungsbotenstoff Interleukin-6. Eine parallel untersuchte Vergleichsgruppe, die rein ballaststoffreich aß, wies diese Veränderungen in dem Zeitraum nicht auf.

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Die Übersichtsarbeit in Nature Reviews Microbiology zeigt: Fermentierte Lebensmittel verbinden Probiotika, Präbiotika und Postbiotika auf natürliche Weise — und könnten weit über die Verdauung hinaus wirken. In der Stanford-Studie mit 36 Erwachsenen sanken nach zehn Wochen fermentierter Kost 19 Entzündungsmarker im Blut. Unser kostenloser Guide ordnet ein, welche Fermente wirklich etwas bewegen und wie Sie sie in Ihren Alltag bringen. Jetzt kostenlosen Ernährungs-Guide anfordern

Dass der regelmäßige Verzehr bestimmter Fermente auch im Bevölkerungsdurchschnitt Spuren hinterlässt, zeigte zudem eine britische Untersuchung an über 1.000 erwachsenen Zwillingen, die in BMC Microbiology erschien.

Der Konsum von Joghurt war mit höheren Konzentrationen der Bakterien Streptococcus thermophilus und Bifidobacterium animalis subsp. lactis im Darm sowie einem geringeren Anteil an viszeralem Fett assoziiert.

Die Autoren betonten allerdings, dass es sich hierbei um eine Assoziation und keinen Kausalbeweis handelt. Die über die Nahrung aufgenommenen Bakterien verbleiben meist nur vorübergehend im Verdauungstrakt. Zudem ernährten sich die Joghurtkonsumenten in der Erhebung insgesamt gesundheitsbewusster.

Einordnung für die Ernährungspraxis

Die Bedeutung eines intakten Mikrobioms für die Gesundheit wird durch die Immunologie gestützt. Eine Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Frontiers in Immunology aus dem Jahr 2025 verweist darauf, dass etwa 70 Prozent der Immunzellen in direktem Kontakt mit dem Darm stehen.

Das Darmmikrobiom und seine Stoffwechselprodukte sind an der Entstehung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sowie kolorektaler Karzinome beteiligt.

Darüber hinaus diskutiert die Forschung funktionelle Verbindungen wie die Darm-Haut-Achse, über die Stoffwechselprodukte auch dermatologische Erkrankungen wie Akne, Rosacea oder Neurodermitis beeinflussen können.

Ernährungsberaterin Yasmin Flohr warnt in diesem Zusammenhang vor unrealistischen Versprechungen sogenannter Darm-Reset-Kuren oder kommerzieller Mikrobiom-Tests, deren Nutzen wissenschaftlich nicht belegt sei. Eine Darmflora lasse sich nicht innerhalb weniger Tage grundlegend erneuern.

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Kapsel-Probiotika kosten oft rund 40 Euro im Monat — und liefern in der Regel nur ein bis fünf Bakterienstämme ohne Ballaststoffe. Fermentierte Lebensmittel wie Kefir, Sauerkraut oder Kimchi bringen dagegen dutzende lebende Stämme, B-Vitamine, Vitamin K2 und Ballaststoffe mit — für 1,50 bis 3 Euro. Unser kostenloser Guide vergleicht beide Wege und zeigt, wie Sie mit fermentierter Kost und pflanzlicher Vielfalt langfristig Ihr Mikrobiom stärken. Vergleich jetzt kostenlos herunterladen

Stattdessen empfiehlt die Expertin eine langfristige Umstellung: den wöchentlichen Verzehr von rund 30 verschiedenen pflanzlichen Lebensmitteln, ergänzt durch fermentierte Kost wie Sauerkraut, Kimchi, Joghurt oder Kefir.

Kapsel-Probiotika seien in erster Linie begleitend zu Antibiotikatherapien oder bei diagnostizierten Darmerkrankungen sinnvoll, während ein gesunder Lebensstil durch Bewegung, ausreichend Schlaf und Stressreduktion das Mikrobiom nachhaltig stabilisiere.

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