Fasten und Gewicht: 16 Erwachsene verloren in zehn Wochen 5,6 Kilogramm
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 17:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Debatte um zeitlich begrenzte Nahrungspausen gewinnt die wissenschaftliche Betrachtung verschiedener Ernährungsmodelle zunehmend an Gewicht. Fastenmediziner Andreas Michalsen erörterte in einem Interview, welche Fastenmethode aus medizinischer Sicht am besten geeignet sei, und stellte in diesem Kontext eine von ihm als besonders aufregend bezeichnete Entwicklung der modernen Fastenmedizin heraus.
Neben methodischen Fragen stehen in der aktuellen Fachdiskussion vor allem die physiologischen Reaktionen des Körpers sowie die praktische Umsetzbarkeit verschiedener Fastenintervalle im Mittelpunkt.
Verbreitete Modelle und physiologische Reaktionen
Zu den in der Praxis häufig genutzten Ansätzen zählt das Intervallfasten im Rhythmus 16:8, bei dem auf eine 16-stündige Fastenphase ein Essensfenster von acht Stunden folgt. Ein weiteres Modell ist das 5:2-Prinzip, bei dem fünf Tage normal gegessen wird, während an zwei nicht aufeinanderfolgenden Tagen die Kalorienzufuhr stark eingeschränkt wird.
Für Einsteiger werden stufenweise Konzepte diskutiert, die bei Intervallen von 12 oder 14 Stunden beginnen und bei guter Verträglichkeit schrittweise auf 16 Stunden ausgeweitet werden können.
Wie der Körper auf längere Essenspausen reagiert, war bereits Gegenstand mehrerer Untersuchungen. In einer Studie von Natalucci et al. aus dem Jahr 2005 wurde die Ausschüttung des Hormons Ghrelin während eines 24-Stunden-Fastens bei sechs gesunden Probanden im Abstand von 20 Minuten gemessen. Dabei stieg und fiel das Hormon etwa achtmal, jeweils synchron zu den gewohnten Mahlzeiten.
Ein weiteres Phänomen betrifft das Verdauungssystem: Deloose et al. beschrieben 2012 einen spezifischen Darm-Bewegungszyklus, der zwischen Mahlzeiten etwa alle 90 bis 120 Minuten auftritt und dessen aktivste Phase etwa 5 bis 10 Minuten andauert.
Langfristige Effekte einer modifizierten Kalorienreduktion analysierten Klempel et al. in einer Untersuchung aus dem Jahr 2010. Bei 16 Erwachsenen, die über zehn Wochen an Fastentagen 501 kcal pro Tag (etwa 26 Prozent des Grundbedarfs) und an normalen Tagen 1.801 kcal pro Tag (etwa 95 Prozent) zu sich nahmen, sanken die subjektiven Hungerbewertungen bis zur zweiten Woche ab und verblieben auf diesem Niveau. Der durchschnittliche Gewichtsverlust betrug über den gesamten Zeitraum 5,6 Kilogramm.
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Autophagie, Muskelaufbau und Immunsystem
Häufig diskutierte Mechanismen wie die Autophagie sind beim Menschen bislang nur eingeschränkt quantifizierbar. In welchem Umfang ein 16-stündiges Fastenfenster zelluläre Reinigungsprozesse tatsächlich verstärkt, lässt sich nicht verlässlich beziffern, da ein Großteil der Daten auf Zell- und Tierversuchen basiert.
Auch bezüglich des Immunsystems gelten Einschränkungen: Zwar wird geschätzt, dass rund 70 Prozent der Immunzellen im Darm angesiedelt sind, und das 16:8-Modell kann Stoffwechsel sowie Verdauung unterstützen, ein belegter Schutz vor Erkältungsviren existiert dadurch jedoch nicht. Fasten ersetzt weder Impfungen noch Hygiene- und Präventionsmaßnahmen wie Händewaschen, Sport oder ausreichend Schlaf.
Hinsichtlich des Muskelaufbaus deuten Beobachtungen darauf hin, dass Intervallfasten die Fettverbrennung und die Insulinsensitivität verbessern sowie Wachstumshormone steigern könnte. Ein kausaler Zusammenhang mit einer Zunahme von Muskelmasse ist wissenschaftlich jedoch noch weiter zu erforschen. Ohne ein angepasstes Krafttraining und eine ausreichende Proteinzufuhr bewirkt das Fasten allein keine signifikanten Zuwächse an Muskelgewebe.
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Risiken und Kontraindikationen
Das Fasten ist nicht für alle Personen uneingeschränkt geeignet. Schwangere, Stillende, Untergewichtige sowie Menschen mit einer Vorgeschichte von Essstörungen sollten darauf verzichten. Bei bestehenden Vorerkrankungen wie Diabetes oder der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten, insbesondere wenn diese an Mahlzeiten gebunden sind, wird eine vorherige ärztliche Abstimmung empfohlen.
Fasten stellt zudem keinen Ersatz für eine Diabetesbehandlung dar. Treten während der Fastenzeit Symptome wie Schwäche, Zittern oder anhaltender Hunger auf, sollte die Nahrungspause verkürzt oder beendet werden.

