Fable 5 und Mythos 5: US-Exportsperre gegen Anthropic bleibt aktiv
21.06.2026 - 06:16:28 | boerse-global.de
Der frühere US-Präsident Donald Trump sieht die KI-Firma Anthropic nicht länger als Sicherheitsrisiko. Doch die strengen Exportauflagen der US-Regierung bleiben in Kraft.
Nach hochrangigen Gesprächen mit der Führung von Anthropic rudert Trump zurück. Gegenüber Axios erklärte er am Wochenende, seine Einschätzung zur Gefährlichkeit des Unternehmens habe sich geändert. Der Schwenk folgt auf ein Treffen mit Anthropic-CEO Dario Amodei am Rande des G7-Gipfels am 17. Juni 2026. Trump lobte den verantwortungsvollen Umgang des Unternehmens mit den jüngsten regulatorischen Maßnahmen.
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Doch die Entwarnung hat einen Haken: Die Exportkontrollen des US-Handelsministeriums vom 12. Juni 2026 sind weiterhin aktiv. Sie betreffen die Modelle Fable 5 und Mythos 5 – und haben zu einer weltweiten Abschaltung dieser Systeme geführt.
Hintergrund der Sicherheitsbedenken
Was genau die Regierung zum Eingreifen bewog? Auslöser war offenbar ein Hinweis von Amazon. Der Tech-Gigant ist sowohl Investor bei Anthropic als auch Konkurrent im KI-Geschäft. Amazon machte auf eine Sicherheitslücke aufmerksam, die letztlich die staatlich verordnete Abschaltung nach sich zog.
Technische Mitarbeiter von Anthropic trafen sich bereits in der vergangenen Woche mit Regierungsvertretern, um die Streitigkeiten über die neuen KI-Modelle beizulegen. Eine Aufhebung der Verfügung steht jedoch noch aus.
Finanzielle Folgen für Anthropic
Die Krise trifft das Unternehmen in einer heiklen Phase. Anthropic hatte vertraulich einen Börsengang (IPO) für Oktober 2026 angemeldet. Marktanalysten schätzten den Wert des Unternehmens auf rund 965 Milliarden Euro. Doch die anhaltende Modellsperre und Streitigkeiten mit dem Pentagon über militärische KI-Anwendungen gefährden diese Bewertung nun massiv.
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Für betroffene Abonnenten richtete Anthropic ein Rückerstattungsfenster ein. Nutzer, die zwischen dem 9. und 14. Juni zahlten, konnten bis zum 20. Juni 2026 ihr Geld zurückfordern.
Internationale Reaktionen: Ruf nach „KI-Souveränität“
Der Fall hat weltweit Wellen geschlagen. Regierungsvertreter aus Indien, Frankreich, Kanada und Japan sehen in dem Vorfall ein Lehrstück für die Notwendigkeit größerer „KI-Souveränität". Die Störung verstärkt die globalen Forderungen nach unabhängigen KI-Regulierungen, um die Abhängigkeit von ausländischer Technologie zu verringern.
Die Trump-Administration schließt zwar nicht aus, künftig den Defense Production Act anzuwenden – ein scharfes Schwert, das der Regierung weitreichende Eingriffe in die Privatwirtschaft erlaubt. Derzeit aber, so hieß es aus Regierungskreisen, bestehe keine Notwendigkeit, diese Vollmachten zu aktivieren.
