EZB, Euro-Souveränität

EZB treibt digitale Euro-Souveränität voran

05.05.2026 - 19:39:53 | boerse-global.de

Die EZB startet im September das Pontes-Projekt für tokenisiertes Zentralbankgeld, um privaten Stablecoins entgegenzuwirken.

EZB treibt digitale Euro-Souveränität voran - Foto: über boerse-global.de
EZB treibt digitale Euro-Souveränität voran - Foto: über boerse-global.de

Die Europäische Zentralbank verschärft ihren Kurs gegen die Dominanz internationaler Zahlungsdienste und setzt auf eine tokenisierte Währung. EZB-Direktor Piero Cipollone warnte am Montag eindringlich vor den Risiken privater Stablecoins für die Währungsstabilität. „Die Abhängigkeit von privaten Digitalwährungen gefährdet die geldpolitische Handlungsfähigkeit der Eurozone“, so Cipollone in einer Grundsatzrede. Besonders die Nutzung von Stablecoins als Abwicklungsinstrumente könnte die Kontrolle über Liquidität und Zinsen untergraben.

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Pontes-Projekt startet im September

Die Antwort der Notenbank heißt „Pontes“. Ab September 2026 will das Eurosystem mit diesem Projekt DLT-basierte Transaktionen mit Zentralbankgeld ermöglichen. Der Schlüssel: Tokenisiertes Zentralbankgeld soll als sicherer Anker für den wachsenden Markt digitaler Vermögenswerte dienen. Bereits im März hatte die EZB den Weg geebnet und Wertpapiere auf Blockchain-Basis als Kreditsicherheit akzeptiert.

Die Botschaft ist klar: Statt auf private Stablecoins zu setzen, soll die offizielle Währung das Rückgrat der digitalen Wirtschaft bleiben. Ein Schritt, der angesichts der Expansion globaler Tech-Konzerne in den Finanzsektor als notwendige Schutzmaßnahme gilt.

Wero kämpft um Marktanteile

Der europäische Zahlungsdienst Wero wächst, bleibt aber ein Zwerg im Schatten der Platzhirsche. 53 Millionen Nutzer zählt der Dienst in Deutschland, Frankreich und Belgien – davon rund acht Millionen in der Bundesrepublik. Doch die aktive Nutzung ist mau: Gerade einmal vier Prozent der deutschen Verbraucher greifen regelmäßig zu Wero. 56 Prozent bevorzugen dagegen internationale Dienste wie PayPal.

Dabei haben die europäischen Banken einen Trumpf: niedrigere Gebühren für Händler. Während internationale Anbieter oft 2,49 Prozent des Transaktionswerts verlangen, liegt der Satz bei Wero über die Sparkassen bei rund 0,77 Prozent plus einer Pauschale von sieben Cent. Seit Ende 2025 ist Wero bei Lidl, Rossmann und Decathlon im Online-Handel nutzbar. Die geplante Ausweitung auf den stationären Handel wird zum entscheidenden Test.

Die Sparkassen-Finanzgruppe treibt die Integration parallel voran: Ihr mobiles Bezahlen erreichte am Montag die Marke von 20 Millionen aktiven Nutzern. Im Sommer folgt „S-Neo“, ein neues Wertpapierangebot mit Zugang zu 20.000 Anlageprodukten, sowie eine KI-gestützte Suchfunktion, die bereits über eine Million Mal genutzt wurde.

EU-Digitalausweis startet Pilotphase

Der digitale Ausweis der EU kommt: Im Mai 2026 beginnt der Pilotstart der EUDI Wallet in Deutschland und Österreich. Das digitale Portemonnaie soll herkömmliche Identifikationsverfahren wie Video-Ident ablösen und künftig Personalausweise sowie Führerscheine digital speichern.

Ab November 2027 müssen Banken, Telekommunikationsanbieter und Energieversorger die Wallet für Kundenidentifikationen akzeptieren. Für die Bankenbranche, die unter den strengsten Auflagen steht, könnte dies die Kosten pro Identitätsprüfung auf unter einen Euro drücken. Ein massiver Effizienzgewinn gegenüber heutigen Verfahren.

Regulatorische Stolpersteine

Doch der Weg zur digitalen Souveränität ist steinig. Ende April scheiterten die Trilog-Verhandlungen zum „Digital Omnibus on AI“. Streitpunkt: die Konformitätsbewertung für künstliche Intelligenz in regulierten Produkten. Sollten die für Mitte Mai erwarteten Gespräche ergebnislos bleiben, treten die KI-Pflichten für Hochrisiko-Anwendungen am 2. August 2026 in Kraft. Viele Unternehmen stehen dann unter enormem Zeitdruck.

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Cyberbedrohung wächst rasant

Parallel zur digitalen Finanzinfrastruktur rüstet der Staat auf. Am Montag startete die Bundesregierung das Programm „CyberGovSecure“ unter Federführung des Digitalministeriums und des BSI. Ziel: die Umsetzung der EU-NIS-2-Richtlinie und die Stärkung der Cyberresilienz aller Bundesbehörden.

BSI-Präsidentin Claudia Plattner sieht Cyberangriffe als geopolitische Realität. Die Zahlen geben ihr recht: Allein im ersten Quartal 2026 registrierte Microsoft 8,3 Milliarden Phishing-Mails86 Prozent davon KI-generiert. Die aktuelle Studie „State of Assumed Security 2026“ offenbart zudem ein gefährliches Missverhältnis: Während 93 Prozent der IT-Sicherheitsverantwortlichen ihre Maßnahmen für ausreichend halten, testen nur 30 Prozent die Wirksamkeit ihrer Systeme nach dem Einspielen von Patches.

Ausblick: Entscheidende Monate

Der September 2026 wird zum Schicksalsmonat für die digitale Agenda Europas. Dann startet nicht nur das Pontes-Projekt, sondern das BSI übernimmt auch die Marktüberwachung für den Cyber Resilience Act. Die Weichen für die nächste Phase der digitalen Transformation sind gestellt – vom tokenisierten Euro über den digitalen Ausweis bis zur regulierten KI.

Der deutsche Startup-Market zeigt sich indes zuversichtlich: Laut KfW Research sammelten junge Unternehmen im ersten Quartal 2026 1,7 Milliarden Euro ein, wobei KI-Firmen mit 58 Prozent den Löwenanteil stellten. Die Integration von Identität, Zahlung und regulierter KI wird zur Bewährungsprobe für Europas digitale Souveränität.

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