Extremes Fasten: 500 Kilokalorien am Tag verdreifachen das Gallensteinrisiko
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 06:57 Uhr | Redaktion boerse-global.deExtreme Fastenmethoden und strikte Nahrungsverzichte stehen zunehmend in der Kritik von Fachleuten. Während Verzichtskonzepte oft als schnelle Lösung für die Gewichtsreduktion beworben werden, warnen Experten vor erheblichen gesundheitlichen Risiken. Der anfängliche Gewichtsverlust geht primär auf Wasser und Muskelmasse zurück, während das Risiko für Nährstoffmängel und ein anschließender Jojo-Effekt deutlich steigen.
Physiologische Folgen des radikalen Nahrungsverzichts
Beim vollständigen oder extremen Fasten – wie etwa dem sogenannten Bigu – verbraucht der menschliche Körper zunächst die Glykogenreserven und gebundenes Wasser, bevor er Muskelmasse abbaut. Das verlorene Gewicht besteht daher vor allem aus Wasser und Muskelgewebe, nicht aus Fettreserven.
Lang anhaltender Verzicht führt unweigerlich zu Mangelernährung. Dr. Mauricio Londoño betonte in diesem Zusammenhang, dass prolongiertes Fasten keinen Krebs heilen könne und der Verzicht auf Zucker Tumorzellen nicht zerstöre; der sogenannte Warburg-Effekt impliziere dies nicht.
Zudem verändern längerfristige restriktive Diäten Hormone wie Leptin und Ghrelin, was den Appetit spürbar steigert und eine erneute Gewichtszunahme nach der Rückkehr zu normalen Ernährungsmustern begünstigt.
Auch Untersuchungen zur Gewichtsreduktion zeigen die Grenzen restriktiver Ansätze. In einer Studie mit 200 Menschen mit Adipositas verringerte eine Gruppe ihr Gewicht über 12 Wochen, eine andere über 36 Wochen. Nach 144 Wochen hatten beide Gruppen die gleiche Menge an Gewicht wieder zugenommen.
Zudem ergab eine Untersuchung, dass eine extreme Zufuhr von lediglich 500 Kilokalorien pro Tag das Risiko für symptomatische Gallensteine im Vergleich zu moderateren Reduktionsdiäten mit 1.200 bis 1.500 Kilokalorien verdreifachte.
Zwar gilt die Annahme, dass 25 Prozent des Gewichtsverlusts reine Muskelmasse seien, aufgrund methodischer Messprobleme als fragwürdig, dennoch empfehlen Fachleute eine professionelle Begleitung bei Abnehmprogrammen.
Risiken von Extremformen wie der OMAD-Methode
Besonders radikale Varianten wie OMAD – die Praxis, lediglich eine Mahlzeit am Tag zu sich zu nehmen – sehen Mediziner kritisch. Dr. Si Caijuan, Vize-Chefärztin der Ernährungsabteilung am Zhejiang-Krankenhaus, stuft dieses Vorgehen als strengste Form des Intervallfastens ein, die sich höchstens für eine kurzfristige Anpassung, keinesfalls aber als dauerhafter Lebensstil eigne.
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Zu den Risiken zählen die Reizung der Magenschleimhaut durch ungepufferte Magensäure sowie Gallenstau mit erhöhter Steinbildung. In Extremfällen drohen akute Magendilatationen, Blutungen oder Perforationen.
Insbesondere bei jungen jüngeren Frauen wurden unter OMAD Mangelernährung, Gastroparese und Elektrolytstörungen dokumentiert. Das Modell unterscheidet sich grundlegend von etablierten Intervallfasten-Formen wie der 16:8- oder 5:2-Methode.
Zwar praktizieren einzelne Personen wie der 56-jährige Schauspieler Zhou Jie seit zehn Jahren OMAD mit einer einzigen Mahlzeit mittags sowie Wasser, Obst und kalorienfreien Getränken in der restlichen Zeit, Mediziner raten der Allgemeinheit von derartigen Routinen jedoch ab.
Besondere Gefahren für Senioren und Risikogruppen
Für ältere Menschen birgt der Nahrungsverzicht spezifische Gefahren. Eine 15-jährige Studie des Karolinska-Instituts an fast 3.000 über 60-Jährigen zeigte, dass Personen, die täglich 14 bis 24 Stunden ohne Nahrung verbrachten, schneller chronische Krankheiten entwickelten – ein Effekt, der sich ab einem Alter von 78 Jahren besonders deutlich zeigte.
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Zwar belegen die Daten keine direkte Kausalität, verdeutlichen aber potenzielle Risiken wie Muskelverlust, Kraftabbau, erhöhte Sturzgefahr und Unterzuckerungen bei Diabetikern. Die Autoren raten älteren Menschen zu mehreren kleinen Mahlzeiten mit ausreichender Zufuhr von Protein, Energie und Flüssigkeit.
Ernährungsexperten betonen zudem, dass Intervallfasten im Alter andere Effekte hat als in jungen Jahren, da verringertes Geschmacksempfinden und ein veränderter Stoffwechsel die Nährstoffdeckung bei reduzierten Mahlzeiten erschweren.
Dr. Benjamin Cook vom Jefferson City Medical Group merkt an, dass Fasten zwar bei Hypertonie, frühem Diabetes, hohen Insulinwerten, dem metabolischen Syndrom und PCOS unterstützen könne, einer gewöhnlichen kalorienreduzierten diät jedoch nicht überlegen sei.
Unter Behandlung mit GLP-1-Medikamenten wie Wegovy oder Ozempic solle keinesfalls gefastet werden. Wer nur eine Mahlzeit am Tag verzehre, müsse zwingend Protein zuführen, um Muskelschwund vorzubeugen.
Generell ungeeignet ist Fasten für Schwangere, Stillende, Kinder, Jugendliche, stark untergewichtige Menschen, chronisch Nieren-, Leber- oder Herzkranke sowie Personen mit Essstörungen.
Auch die Annahme, dass 16:8-Fasten beim Menschen verlässlich heilsame Autophagie auslöst, ist wissenschaftlich nicht bewiesen; Studien wiesen vereinzelt gar auf kardiovaskuläre Risiken hin. Vor einschneidenden Ernährungsumstellungen raten Mediziner daher ausnahmslos zu einer fachlichen Beratung.
