Exilby, Cannabis-Medikament

Exilby: Cannabis-Medikament gegen Rückenschmerzen zugelassen

17.06.2026 - 08:07:03 | boerse-global.de

Mesoblast schließt Phase-III-Studie ab, Vertanical erhält BfArM-Zulassung für Cannabis-Medikament gegen Kreuzschmerzen.

Neue Therapien gegen chronische Rückenschmerzen: Zellen und Cannabis
Exilby - Hände eines Wissenschaftlers in einem Labor, der eine Petrischale mit Zellkulturen hält, mit verschwommenem medizinischem Hintergrund. 17.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Jetzt drängen neue Behandlungsansätze auf den Markt.

Zelltherapie soll Schmerzen zwölf Monate lindern

Das australische Unternehmen Mesoblast hat die Rekrutierung für eine Phase-III-Studie mit 300 Patienten abgeschlossen. Die Zelltherapie rexlemestrocel-L zielt direkt auf chronische Rückenschmerzen ab. Die FDA hat den RMAT-Status erteilt – eine beschleunigte Zulassung ist damit möglich. Als primären Endpunkt akzeptierte die Behörde eine Schmerzreduktion über zwölf Monate.

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Für den Vertrieb in Europa und Lateinamerika kooperiert Mesoblast mit Grünenthal. Erfahrung mit vermarktungsfähigen Zelltherapien hat das Unternehmen bereits: Das zugelassene Produkt Ryoncil spülte seit seiner Einführung über 100 Millionen US-Dollar in die Kassen. Allein im März-Quartal 2026 lag der Nettoumsatz bei mehr als 30 Millionen US-Dollar. Neben Rückenschmerzen forscht Mesoblast an Programmen gegen Herzinsuffizienz und entzündliche Erkrankungen.

Cannabis-Medikament erhält Zulassung

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ließ am 9. Juni 2026 das Cannabis-Fertigarzneimittel Exilby zu. Entwickelt hat es das Münchner Unternehmen Vertanical. Das Medikament ist für chronische Kreuzschmerzen mit neuropathischer Komponente vorgesehen. Die Markteinführung in Deutschland und Österreich startet im September 2026.

Die Zulassung basiert auf einem klinischen Programm mit über 1.200 Patienten. In einer zentralen Studie mit 820 Teilnehmern senkte das Präparat die Schmerzintensität um 1,9 Punkte auf einer Skala – die Placebogruppe erreichte eine Reduktion um 1,4 Punkte. Ein nachweisbares Abhängigkeitspotenzial stellten die Studienautoren nicht fest. Allerdings brachen 17 Prozent der Probanden die Behandlung wegen Nebenwirkungen ab. Vertanical will das Medikament als Alternative zu Opioiden etablieren.

Orthopädie setzt auf Blut- und Zelltherapien

Orthobiologische Konzepte wie blut- und zellbasierte Therapien kommen vermehrt zum Einsatz. Bei Kniegelenksarthrose ist die Evidenzlage stabil, bei Sehnen- und Muskelschäden bewertet die Fachwelt die Datenbasis noch als uneinheitlich. Experten beobachten Non-Responder-Raten zwischen 20 und 30 Prozent. Orthobiologika empfehlen sie in der Regel nicht als Ersttherapie, sondern bei Arthrosegraden zwischen 2 und 4 nach der Kellgren/Lawrence-Klassifikation.

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Technische Innovationen zeigen ebenfalls Erfolge. Eine im Juni 2026 veröffentlichte Studie untersuchte das NeuroCuple-Device. Bei Patienten nach Knieoperationen senkte das Gerät den Opioidkonsum um 26 Prozent, der Krankenhausaufenthalt verkürzte sich um durchschnittlich 19 Prozent.

Forscher der Charité Berlin testeten die Genicular-Artery-Embolisation (GAE). Dabei werden resorbierbare Mikrosphären zur Embolisation bei Knie-Arthrose eingesetzt. Bei 194 Patienten sanken die Schmerzwerte innerhalb von zwölf Monaten signifikant von durchschnittlich 7 auf 3 Punkte.

Neue Angriffspunkte für die Schmerzforschung

Wissenschaftler veröffentlichten im Juni 2026 Erkenntnisse zum Protein LANCL1. Es reguliert neuronale Schutzwege und gilt als potenzielles Ziel für die Behandlung neuropathischer Schmerzen.

Parallel dazu startet das Unternehmen Istesso eine Phase-2-Studie mit dem Wirkstoff Leramistat. Zielgruppe sind Patienten mit Muskelschwund (Sarkopenie) infolge rheumatoider Arthritis. Der mitochondrialer Modulator soll die Muskelqualität und -funktion verbessern. Das beteiligte Unternehmen IP Group hält eine Mehrheitsbeteiligung von 56,5 Prozent an Istesso.

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