Europa, Regeln

Europa verschärft Regeln gegen KI-generierte Deepfakes

16.06.2026 - 19:15:42 | boerse-global.de

Das EU-Parlament beschließt ein Verbot von KI-Systemen zur Erstellung sexualisierter Deepfakes. Auch die Schweiz und die USA gehen gegen Anbieter vor.

EU-Parlament verbietet KI-Nudifier und verschärft Regeln
Europa - A digital human face made of data, with legal gavels and EU flag elements, symbolizing AI regulation against deepfakes. 16.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das Europäische Parlament hat am Dienstag weitreichende Beschränkungen für KI-Systeme beschlossen, die missbräuchlich zur Erstellung sexualisierter Deepfakes genutzt werden. Parallel dazu geht die Schweiz gegen die Anbieter solcher Technologien vor.

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EU-Parlament verbietet „Nudifier" und setzt neue Fristen

Mit 423 Stimmen bei 57 Gegenstimmen und 174 Enthaltungen verabschiedete das Parlament das sogenannte Digital-Omnibus-Paket. Kernstück ist ein Verbot von KI-Systemen, die zur Erstellung von Material über sexuellen Kindesmissbrauch (CSAM) und nicht-einvernehmlichen intimen Bildern entwickelt wurden – umgangssprachlich oft als „Nudifier" bezeichnet.

Die Regelung tritt bereits am 2. Dezember 2026 in Kraft. Unternehmen müssen ihre Systeme bis dahin anpassen. Während dieses Verbot vorgezogen wird, verschiebt das Parlament andere Fristen des EU AI Acts:

  • Stand-alone-Hochrisikosysteme (Anhang III): 2. Dezember 2027
  • Eingebettete Systeme (Anhang I): 2. August 2028
  • Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte: 2. Dezember 2026

Unverändert bleiben dagegen die Verbote nach Artikel 5 und die KI-Kompetenzpflicht nach Artikel 4 – beide gelten seit Anfang 2025. Die Transparenzpflichten für allgemeine KI und die Offenlegung nach Artikel 50 folgen am 2. August 2025 beziehungsweise 2. August 2026.

Schweiz macht KI-Anbieter verantwortlich

Parallel zum EU-Vorstoß verabschiedete der Schweizer Nationalrat einen Vorstoß von Grün-Politiker Raphaël Mahaim – einstimmig und ohne Gegenstimmen. Ziel: KI-Anbieter sollen künftig verhindern, dass ihre Plattformen zur Erstellung sexualisierter Deepfakes missbraucht werden.

Eine Aufsichtsbehörde soll dafür Sanktionen verhängen können. Justizminister Beat Jans erklärte während der Debatte, dass bislang nur die Ersteller von Deepfakes belangt werden könnten – und das erst nach einer Straftat. Der neue Ansatz verlagere die Verantwortung auf die Technologieanbieter. Der Vorstoß geht nun an den Ständerat.

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US-Behörden schreiten ein – erste Beschlagnahmung

Nur wenige Tage zuvor, am 12. Juni, hatte das US-Justizministerium zwei Websites beschlagnahmt: CFAKE.com und SOCFAKE.com. Die Domains sollen nicht-einvernehmliche KI-generierte Nacktbilder von Politikern, Prominenten und Mitgliedern königlicher Familien gehostet haben.

Es handelt sich um die erste bekannte Beschlagnahmung nach dem TAKE IT DOWN Act, der seit Mai 2025 in Kraft ist. Die Ermittlungen begannen Ende 2025 in Zusammenarbeit mit italienischen Behörden und führten am 10. Juni zu einer Festnahme in Nizza. Das Gesetz verpflichtet Plattformen, nicht-einvernehmliche intime Deepfakes innerhalb von 48 Stunden nach Benachrichtigung zu entfernen.

EU-Kommission legt Verhaltenskodex für KI-Kennzeichnung vor

Bereits am 10. Juni veröffentlichte die EU-Kommission einen finalen Verhaltenskodex zur Kennzeichnung von KI-Inhalten. Obwohl freiwillig, soll er Unternehmen helfen, die ab August 2026 verpflichtenden Vorgaben nach Artikel 50 des AI Acts zu erfüllen.

Der Kodex definiert klare Rollen:

  • Anbieter: Müssen KI-Ausgaben maschinenlesbar kennzeichnen – etwa durch digitale Signaturen oder Wasserzeichen.
  • Betreiber: Müssen Deepfakes und KI-generierte Texte zu öffentlichen Interessen sichtbar labeln, und zwar mit einem standardisierten EU-Symbol.
  • Interaktive Systeme: Chatbots und ähnliche KI-Interaktionen müssen für Nutzer eindeutig als nicht-menschlich erkennbar sein.

Weltweite Gesetzesinitiativen gegen KI-Missbrauch

Auch andere Länder verschärfen ihre Datenschutzgesetze. Die kanadische Regierung brachte Bill C-36 ein, das Gesetz zum Schutz der Privatsphäre und Verbraucherdaten. Es würde Bürgern das Recht geben, von Unternehmen die Löschung personenbezogener Daten – einschließlich KI-Deepfakes – zu verlangen.

Eine neue Digital Safety Commission soll Bußgelder von bis zu 25 Millionen Kanadischen Dollar oder fünf Prozent des globalen Umsatzes verhängen können.

In Südkorea meldete die Polizei seit November 2025 insgesamt 1.446 Fälle von Cyber-Sexualstraftaten mit KI-Bezug. Die Behörden nahmen 1.506 Verdächtige fest – ein Großteil davon Jugendliche und junge Erwachsene.

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