EU-Parlament: Qwant ersetzt Google ab 4. Juni – Datenschutz statt Tracking
03.06.2026 - 15:55:59 | boerse-global.de
Das EU-Parlament tauscht Google gegen Qwant aus – ein Signal für digitale Souveränität.
Ab dem 4. Juni 2026 wird die französische Suchmaschine Qwant zum Standard auf den internen Computern des Europäischen Parlaments. Die Umstellung betrifft die Browser Microsoft Edge und Mozilla Firefox der 720 Abgeordneten und ihrer Mitarbeiter. Suchanfragen aus der Adressleiste werden dann automatisch über Qwant geleitet – ein klarer Bruch mit der bisherigen Google-Dominanz.
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Datenschutz als treibende Kraft
Parlamentsvertreter begründen den Schritt vor allem mit dem Schutz personenbezogener Daten. Qwant gilt als datenschutzfreundlicher Dienst, der weder Nutzer trackt noch persönliche Informationen sammelt. Der Druck auf die Institution war zuletzt gewachsen: Bereits im November 2025 hatten Abgeordnete formell gefordert, die Abhängigkeit von außereuropäischen Technologieanbietern zu reduzieren.
Die Abgeordneten und ihre Mitarbeiter können die Einstellungen jederzeit manuell ändern und weiterhin andere Suchmaschinen nutzen. Der neue Standard ist also kein Zwang, sondern eine Richtungsentscheidung.
Tech-Souveränität: Die große Strategie
Die Umstellung fällt nicht zufällig mit der Vorstellung eines umfassenden Tech-Souveränitätspakets der EU-Kommission zusammen. Dieses Paket, das am 3. Juni 2026 präsentiert wird, zielt darauf ab, Europas Abhängigkeit von ausländischen Technologieanbietern zu verringern. Die Zahlen sind alarmierend: Mehr als 80 Prozent der in der EU genutzten digitalen Produkte stammen von nicht-europäischen Unternehmen. Allein US-Firmen halten rund 70 Prozent des europäischen Cloud-Marktes.
Die Kommission will gegensteuern – mit Maßnahmen für Halbleiter, Cloud-Computing und Künstliche Intelligenz. Geplant sind neue Gesetze, die die Nachfrage nach europäischen Chips ankurbeln sollen, sowie Regelungen, die den Aufbau von mehr Rechenzentren in der EU fördern.
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Europäische Alternativen im Aufwind
Der Wechsel weg von ausländischen Diensten ist kein Einzelfall. Frankreich plant derzeit, die Arbeitsplätze seiner Regierungsbehörden von Windows auf Linux umzustellen und internationale Kommunikationsplattformen durch europäische Alternativen zu ersetzen.
Die europäischen Suchmaschinenbetreiber rüsten ebenfalls auf: Qwant hat sich mit Ecosia zusammengetan, um einen eigenen europäischen Suchindex namens „Staan“ zu entwickeln. Ziel ist es, die Suchinfrastruktur vollständig von nicht-europäischen Anbietern zu entkoppeln. Der Markt ist in Bewegung – andere datenschutzorientierte Suchmaschinen wie DuckDuckGo meldeten erst am 1. Juni 2026 Rekordzahlen bei den Suchanfragen.
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