EU-Gesetzespaket: Neue Regeln gegen US-Cloud-Dominanz
08.06.2026 - 07:53:53 | boerse-global.de
Während die EU-Kommission mit einem neuen Gesetzespaket die Abhängigkeit von US-Cloud-Anbietern reduzieren will, vollziehen sich bei der Deutschen Telekom und anderen Konzernen tiefgreifende Führungswechsel. Ein milliardenschwerer Übernahmekampf in Frankreich zeigt zudem: Der Markt konsolidiert sich rasant.
Führungswechsel bei der Deutschen Telekom
Einen prominenten Abgang musste die Deutsche Telekom im Frühjahr verkraften. Abdu Mudesir, bis Ende März Vorstand für Produkt und Technologie, verließ das Unternehmen nach acht Jahren für eine neue internationale Aufgabe. Seitdem führt Finanzvorstand Christian Illek das Ressort kommissarisch.
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Doch nicht nur in Bonn gibt es personelle Veränderungen. In Malaysia legt Euan Smith seinen Posten als CEO von Astro Malaysia Holdings nieder – eine Position, die er seit Februar 2023 innehatte. Sein Nachfolger Henry Tan übernimmt ab dem 16. Juni 2026 zunächst kommissarisch. Auch im Weißen Haus steht ein Wechsel an: Sriram Krishnan, Senior Policy Advisor für Künstliche Intelligenz, verlässt die US-Regierung Ende Juni. Krishnan will sich künftig dem Aufbau neuer Institutionen widmen.
EU-Gesetzespaket zielt auf US-Cloud-Riesen
Am 3. Juni 2026 stellte die Europäische Kommission ihr Tech Sovereignty Package vor. Kernstück ist der Cloud and AI Development Act (CADA). Das Gesetz führt ein vierstufiges Souveränitätsmodell ein – mit dem Ziel, die Abhängigkeit von externen Anbietern zu verringern.
Der Handlungsdruck ist enorm: US-Hyperscaler kontrollieren rund 70 Prozent des europäischen Cloud-Marktes. Besonders sensible staatliche Daten in den Bereichen Verteidigung, Justiz und Gesundheit sollen künftig auf den höchsten Souveränitätsstufen vor nicht-europäischen Anbietern geschützt werden. Hintergrund ist der US-Cloud-Act, der US-Behörden den Zugriff auf Daten von amerikanischen Firmen erlaubt – selbst wenn die Server in Europa stehen. Bereits im Sommer 2025 hatten Vertreter großer US-Cloud-Anbieter eingeräumt, dass eine vollständige Datensouveränität unter den aktuellen Rechtsüberschneidungen kaum garantierbar sei.
Milliarden-Übernahme in Frankreich
Der französische Telekommunikationsmarkt steht vor einer Neuordnung. Ein Konsortium aus Orange, Bouygues Telecom und Iliad hat eine Absichtserklärung zur Übernahme von SFR von Altice France unterzeichnet. Der Kaufpreis: 20,35 Milliarden Euro.
Orange bringt 5,6 Milliarden Euro für einen Anteil von 27 Prozent auf und gewinnt damit rund 4 Millionen Mobilfunk- und 1 Million Festnetzkunden. Der Deal umfasst zudem 47 MHz Spektrum. Die erwarteten jährlichen Synergien liegen bei über 0,5 Milliarden Euro. Allerdings: Mit einem Abschluss wird frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2027 gerechnet.
KI-Infrastruktur und globale Gesundheitsdienste
Auch außerhalb Europas wird massiv investiert. Der südkoreanische Anbieter SK Telecom hat eine Partnerschaft mit NVIDIA geschlossen. Gemeinsam wollen sie eine KI-Cloud im Gigawatt-Maßstab aufbauen. Die erste Anlage soll 2027 in Betrieb gehen und auf souveräne sowie physische KI-Dienste spezialisiert sein – bei optimierter Energieeffizienz.
Die Deutsche Telekom ist über ihre Tochter T-Systems ebenfalls global aktiv. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat T-Systems als Technologiepartner für die Validierung digitaler Impfzertifikate ausgewählt. Das Projekt baut auf einer Infrastruktur auf, die bereits in über 60 Ländern im Einsatz ist.
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Wachstumsmarkt Telekom-APIs
Der Markt für Telekommunikations-APIs wächst rasant. Lag das globale Volumen 2025 noch bei rund 28 Milliarden US-Dollar, erwarten Analysten eine deutliche Expansion bis 2035. Communications Platform as a Service (CPaaS) macht dabei über 40 Prozent der API-Erlöse aus – Messaging-APIs bleiben das größte Segment.
Regional liegt der asiatisch-pazifische Raum mit 38 Prozent vorn, gefolgt von Nordamerika (28 Prozent) und Europa (22 Prozent). Über 70 Prozent aller APIs laufen inzwischen cloudbasiert – getrieben durch die steigende Nachfrage nach IoT-Konnektivität und modernisierten Messaging-Diensten.
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