EU-Abstimmung 30. Juni: Schweden blockiert Teslas FSD-Zulassung
21.06.2026 - 04:19:02 | boerse-global.de
Ein tödlicher Crash in Texas und ein Vorstoß schwedischer Behörden gegen die Fahrassistenz-Software in der EU setzen Tesla massiv unter Druck.
Tödlicher Unfall erschüttert Vertrauen
Am Abend des 20. Juni 2026 raste ein Tesla in Katy, Texas, in ein Wohnhaus. Eine 76-jährige Frau kam dabei ums Leben. Der 44-jährige Fahrer überlebte verletzt und gab gegenüber der Polizei an, das Autopilot-System sei zum Zeitpunkt des Unglücks aktiv gewesen.
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Ermittler des Harris County Sheriff's Office untersuchen nun die Geschwindigkeit des Fahrzeugs und die Rolle des automatisierten Systems. Zeugen berichten, der Wagen sei mit hohem Tempo unterwegs gewesen, bevor er gegen 20:30 Uhr Ortszeit in das Haus krachte. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA beobachtet Teslas Full Self-Driving (FSD) und Autopilot seit längerem – dieser Vorfall reiht sich in eine Serie folgenschwerer Unfälle ein.
Schweden blockiert FSD-Expansion in Europa
In Europa droht Tesla ein herber Rückschlag. Die schwedische Verkehrsverwaltung (TRV) hat am 30. April 2026 eine formelle Empfehlung an das Technische Komitee für Kraftfahrzeuge der EU (TCMV) geschickt. Ihr Ziel: Die EU-weite Zulassung des FSD-Systems verhindern.
Hauptstreitpunkt ist die sogenannte "Speed Offset"-Funktion. Sie erlaubt Teslas, programmierte Geschwindigkeitsüberschreitungen zu fahren. Die schwedischen Behörden fordern: Solange die Software nicht daran gehindert wird, Tempolimits zu ignorieren, darf sie nicht zugelassen werden. Am 4. Juni 2026 trafen sich Vertreter der schwedischen Transportbehörde (STA) mit Tesla und der niederländischen Zulassungsbehörde RDW, um die Bedenken zu erörtern.
Das TCMV tagt am 30. Juni 2026. Für eine EU-weite Zulassung ist eine qualifizierte Mehrheit nötig: 15 von 27 Mitgliedsstaaten, die 65 Prozent der Bevölkerung repräsentieren, müssen zustimmen. Estland, Dänemark, Litauen und Belgien haben das System bereits genehmigt. Doch andere nordische Länder wie Finnland und Norwegen teilen die schwedischen Bedenken – insbesondere mit Blick auf die Geschwindigkeitsfunktion und das Verhalten der Software auf vereisten Straßen.
NHTSA treibt Untersuchung auf letzte Stufe
In den USA hat die NHTSA die nächste Eskalationsstufe gezündet. Das Office of Defects Investigation (ODI) leitete im März 2026 eine technische Analyse von Teslas FSD-System ein – die letzte Phase vor einem möglichen Rückruf.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die "Degradationserkennung" des Systems. Konkret geht es um die Frage, ob FSD bei schlechten Sichtverhältnissen – etwa Blendung oder Nebel – ausreichend warnen kann. Hintergrund ist ein tödlicher Unfall aus dem Jahr 2023 sowie eine frühere Untersuchung von 2024. US-Senatoren fordern zudem eine bundesweite Untersuchung der Sicherheitsversprechen und Daten zu FSD. Der Vorwurf: Tesla könnte die Fähigkeiten des Systems irreführend dargestellt haben.
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Hardware 3: Niederländische Sammelklage und Compliance-Probleme
Auch in den Niederlanden brodelt es. Rund 7.000 Tesla-Besitzer haben sich einer Sammelklage angeschlossen. Sie werfen dem Unternehmen vor, Versprechen zu Fahrzeugen mit "Hardware 3" (HW3) nicht eingehalten zu haben. Die Kanzlei Kennedy Van der Laan vertritt die Kläger und fordert Entschädigung für gekaufte FSD-Pakete.
Die niederländische Zulassungsbehörde RDW bestätigte am 13. Mai 2026: Tesla hat HW3 nie für eine formelle FSD-Prüfung eingereicht. Und während einer Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen im ersten Quartal 2026 räumte das Tesla-Management ein, dass HW3 möglicherweise nicht in der Lage sei, unbeaufsichtigtes autonomes Fahren zu erreichen.
Die regulatorischen und rechtlichen Turbulenzen treffen Tesla in einer ohnehin schwierigen Phase. In Europa brachen die Verkaufszahlen 2025 um 27,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ein. Der Marktanteil halbierte sich von 16,6 auf 8,9 Prozent. Die Tesla-Aktie notierte am 19. Juni 2026 bei 400,49 US-Dollar – ein Plus von 24,3 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten, trotz des wachsenden Gegenwinds.
