Essstörungen bei Jugendlichen: 12.400 Fälle 2024 registriert
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 01:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Vorbereitung auf öffentliche Auftritte ist für viele Personen des öffentlichen Lebens oft mit einer drastischen Umstellung der Lebensgewohnheiten verbunden.
Aktuelle Berichte über die ehemalige Sportgymnastin Magdalena Brzeska verdeutlichen die gesundheitlichen und psychischen Herausforderungen, die mit einem extremen Fokus auf das Körpergewicht einhergehen können. Die 48-Jährige bereitet sich derzeit auf eine Gymnastikgala in Frankfurt vor, für die sie ihr Gewicht innerhalb weniger Monate um 8 kg reduzierte.
Prominente Beispiele zeigen physische und mentale Grenzen
Der Fall von Magdalena Brzeska, die gemeinsam mit dem Tanzprofi Erich Klann auftritt, zeigt die strengen Regeln einer solchen Vorbereitung. Sie nehme derzeit lediglich eine Mahlzeit am Tag zu sich und verzichte abends vollständig auf Essen sowie auf Lebensmittel wie Reis oder Nudeln.
Brzeska berichtete in diesem Zusammenhang von ihrer Vergangenheit im Leistungssport, in der sie bis zu viermal täglich gewogen worden sei. Für die Zeit nach ihrem Auftritt plane sie jedoch wieder eine normale Nahrungsaufnahme.
Die Risiken einer extremen Kalorienreduktion oder unregulierter Abnehmversuche werden auch durch andere Fälle aus der Unterhaltungsbranche deutlich. So sprach die Sängerin Courtney Love über eine schwere Gesundheitskrise im Jahr 2019, bei der ihr Gewicht auf 45 kg fiel und sie unter Haarausfall litt, woraufhin Mediziner eine kritische Prognose stellten.
Auch bei dem chinesischen Komiker Xiao Shenyang kam es im Rahmen einer Konzertvorbereitung im Mai zu medizinischen Notfällen. Durch das sogenannte 16+8-Fasten erlitt er innerhalb von zehn Tagen zwei Zusammenbrüche aufgrund von Hypoglykämie und Elektrolytstörungen.
Noch gravierender sind die Folgen bei der Nutzung nicht zugelassener Substanzen. Das Model Joana Purin musste aufgrund von Unterernährung, Anorexia nervosa und Hypoglykämie 20 Tage im Krankenhaus behandelt werden, nachdem sie ein illegales Präparat eingenommen hatte. Ihr Gewicht war bereits in einem früheren Zeitraum auf 38 kg gesunken, was Behandlungen mit Sonden und Kathetern sowie eine Thrombose im Arm zur Folge hatte.
Statistische Zunahme bei Essstörungen
Die individuelle Belastung spiegelt sich in einer breiteren gesellschaftlichen Entwicklung wider. Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) belegen eine deutliche Zunahme von Krankenhausbehandlungen wegen Essstörungen.
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Bei Mädchen im Alter von 10 bis 17 Jahren hat sich die Zahl der Behandlungen von 2.800 im Jahr 2004 auf fast 6.000 im Jahr 2024 nahezu verdoppelt. Der Anteil dieser Altersgruppe an allen Behandelten stieg in diesem Zeitraum von 24,9 % auf 48,1 %.
Insgesamt wurden im Jahr 2024 rund 12.400 Fälle von Essstörungen stationär behandelt, was einer Steigerung von 2,2 % gegenüber dem Vorjahr und 8 % gegenüber dem Jahr 2004 entspricht.
Die am häufigsten diagnostizierte Störung ist die Anorexie mit 9.000 Fällen, gefolgt von Bulimie mit 1.300 Fällen. Der Frauenanteil an diesen Diagnosen liegt bei 92,9 %.
Mediale Einflüsse und die Rolle sozialer Netzwerke
Die Ursachen für diese Entwicklung werden zunehmend in der medialen Repräsentation gesucht. Eine Auswertung der Medizinischen Universität Wien, die 50 Studien aus 17 Ländern umfasst, sieht einen Zusammenhang zwischen der Social-Media-Nutzung bei 10- bis 24-Jährigen und Körperunzufriedenheit sowie psychischer Belastung. Essstörungen werden dort als die häufigste chronische Erkrankung im Jugendalter eingestuft.
Historische Vergleiche stützen diese Beobachtungen. Eine Studie aus dem Jahr 2006 untersuchte den Einfluss von Barbie-Puppen auf das Körperbild junger Mädchen und stellte fest, dass die Konfrontation mit diesen Idealen mit einem geringeren Selbstwertgefühl und dem Wunsch nach extremer Schlankheit korreliere.
Aktuelle Dokumentationen, wie ein für den 23. August 2026 angekündigter Beitrag im ARD-Programm, thematisieren zudem das Phänomen des „Pretty Privilege“ und die damit verbundene Diskriminierung aufgrund des Aussehens.
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Kritik am Optimierungszwang und neue Lösungsansätze
Während Methoden wie das Scheinfasten (FMD) nach Valter Longo in kontrollierten Studien positive Effekte auf Marker des biologischen Alters oder bei chronischen Erkrankungen wie Morbus Crohn zeigen, warnen Experten vor der Anwendung bei Untergewicht oder bestehenden Essstörungen.
Parallel dazu wächst die Kritik an einer zunehmenden „Stress Reduction Industry“. Kathrin Fischer analysiert in einer aktuellen Publikation den Achtsamkeits-Boom seit den 1990er Jahren kritisch und sieht darin eine Tendenz zur Entpolitisierung, während psychische Erkrankungen in Europa trotz des Milliardenumsatzes dieser Branche weiter steigen.
Einige Persönlichkeiten setzen dem Schlankheitsideal bereits bewusste Gegenentwürfe entgegen. Die chinesische Regisseurin Jia Ling betonte nach einer Phase extremer Diäten, dass Gesundheit nun Vorrang vor Schlankheit habe.
Auch die Schwimmerin Maya Tobehn, die nach einem Burnout im Jahr 2021 eine dreijährige Pause einlegte, rät jungen Talenten heute dazu, frühzeitig Hilfe zu suchen und Warnsignale wie den Rückzug aus dem sozialen Umfeld ernst zu nehmen.
