ESMO-Kongress, Madrid

ESMO-Kongress in Madrid: Zwölf Phase-III-Studien prüfen Krebsstandards

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 12:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Programm bündelt späte Studiendaten zu Krebsimpfstoffen, zielgerichteten Therapien und digitaler Onkologie.
Ein minimalistisches, modernes klinisches Labor mit wissenschaftlichen Glaswaren auf einem Edelstahltisch. Illustration mit AI erstellt.

Die Onkologie steht vor wegweisenden klinischen Überprüfungen bestehender Behandlungsstandards. Der Kongress der Europäischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie (ESMO), der vom 23. bis 27. Oktober 2026 auf dem Messegelände IFEMA in Madrid angesetzt ist, umfasst mehr als 296 Sitzungen.

Unter der Leitung von Kongresspräsident Fabrice André sowie den wissenschaftlichen Co-Vorsitzenden Yelena Janjigian und James Larkin stehen insbesondere zwölf Phase-III-Studien im Mittelpunkt, die in drei Präsidentensymposien am 24., 25. und 26. Oktober jeweils um 16:30 Uhr vorgestellt werden.

Im Vergleich zum Vorjahreskongress 2025 in Berlin mit rund 37.000 Teilnehmenden und knapp 3.000 Abstracts zeichnet sich eine Fokussierung auf späte klinische Daten ab, bei denen neue Ansätze gegen etablierte Therapien antreten.

Phase-III-Ergebnisse zu Krebsvakzinen und zielgerichteten Therapien

Zu den Schwerpunkten des wissenschaftlichen Programms zählen individualisierte Krebsimpfstoffe und Konzepte gegen molekulare Resistenzmechanismen. Vorgestellt werden die vollständigen Ergebnisse der Phase-III-Studie INTerpath-001 mit 1.137 Melanompatienten zur individualisierten mRNA-Therapie Intismeran autogene von Moderna und Merck in Kombination mit Pembrolizumab.

Da viele späte Phase-III-Prüfungen in vorläufigen Meldungen bereits als positiv eingestuft wurden, richtet sich das Augenmerk der Fachwelt auf Kennzahlen wie Hazard Ratios, die Dauerhaftigkeit der Effekte und die Beobachtungsdauer.

Beim kleinzelligen Lungenkrebs werden Ergebnisse der DeLLphi-305-Studie mit 563 Patienten zu Tarlatamab in Kombination mit Immuntherapie erwartet. Weitere Analysen untersuchen Resistenzen bei KRAS-G12C-, EGFR- und MET-Alterationen, darunter Daten zum Wirkstoff Divarasib sowie zur Erstlinienbehandlung ohne Chemotherapie bei dMMR-Endometriumkarzinomen aus der KEYNOTE-C93-Studie.

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Datenprogramme forschender Pharmaunternehmen

Mehrere Pharmaunternehmen legen umfangreiche Studienpakete vor. AstraZeneca präsentiert mehr als 100 Studienabstracts, darunter Daten aus fünf Phase-III-Studien, von denen vier für Plenarsitzungen ausgewählt wurden.

Im Fokus steht die Phase-III-Studie zum Claudin-18.2-Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Sonesitatug Vedotin, die einen statistisch signifikanten und klinisch relevanten Gesamtüberlebensvorteil ab der Zweitlinie bei fortgeschrittenem Magen- und gastroösophagealem Übergangskrebs zeigt. Zudem werden Kombinationen von Tagrisso mit Orpathys bei Lungenkrebs sowie perioperatives Imfinzi mit Enfortumab Vedotin bei Blasenkrebs behandelt.

Merck KGaA ist mit 25 akzeptierten Abstracts vertreten. Dazu zählen ein Zweijahres-Update der Phase-III-Studie MANEUVER zu Pimicotinib bei tenosynovialen Riesenzelltumoren sowie erste mediane Gesamtüberlebensdaten zu Precemtabart Tocentecan bei metastasiertem Kolorektalkarzinom, bei dem das Zielantigen CEACAM5 in rund 90 Prozent der Tumoren überexprimiert ist.

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Diagnostik, Genomik und digitale Onkologie

Neben pharmakologischen Ansätzen gewinnen digitale Methoden an Bedeutung. Die spanische Gesellschaft für medizinische Onkologie (SEOM) mahnt vor dem Hintergrund geplanter Sitzungen zu generativer künstlicher Intelligenz an, dass die Zuverlässigkeit entsprechender Systeme vor dem Einsatz in der Klinik eindeutig belegt sein muss.

Das Spektrum umfasst unter anderem fünf Abstracts zu KI-gestützten Pathologie- und Gewebebewertungen bei Brust-, Lungen- und Bauchspeicheldrüsentumoren.

Ergänzt werden die Auswertungen durch molekulare Profile: BostonGene stellt sechs Abstracts zu Mutationssignaturen und RNA-Sequenzierungen vor, während das US-Zentrum UT MD Anderson fünf Studien präsentiert, unter anderem zur Steigerung von Testraten bei erblichen Krebsrisiken und zum Nachweis zirkulierender Tumor-DNA bei frühem Brustkrebs.

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