Erythrit: 30 Gramm lassen den Blutspiegel um das 1.000-Fache steigen
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 01:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftliche Untersuchungen der Cleveland Clinic und der University of Colorado rücken den weit verbreiteten Zuckerersatzstoff Erythrit in den Fokus der kardiovaskulären Forschung. Erkenntnisse deuten darauf hin, dass der Konsum von zuckerfreien Getränken mit dem Süßungsmittel den Erythritspiegel im Blut signifikant ansteigen lässt.
In der Folge könnte das Risiko für die Entstehung von Blutgerinnseln sowie für Schlaganfälle steigen. Die Ergebnisse werfen neue Fragen zur Unbedenklichkeit des Stoffes auf, der häufig als kalorienfreie Alternative in Diätprodukten eingesetzt wird.
Starker Anstieg der Blutwerte und erhöhte Gerinnungsneigung
Messungen zeigen, dass bereits eine einzelne Dosis von 30 Gramm Erythrit ausreicht, um den Spiegel der Substanz im Blut etwa um das 1.000-Fache ansteigen zu lassen. Dieser sprunghafte Anstieg bleibt nicht ohne physiologische Begleiterscheinungen: Die Reaktivität der Blutplättchen nahm in den Untersuchungen spürbar zu. Diese gesteigerte Thrombozytenaktivität hielt über einen Zeitraum von 48 bis 72 Stunden an, was auf ein verändertes Gerinnungsverhalten über mehrere Tage hinweg schließen lässt.
Zusätzliche Zelltests ergaben veränderte Reaktionen der Gefäße sowie eine gehemmte Auflösung von entstandenen Blutgerinnseln. Frühere Studien hatten bereits Zusammenhänge zwischen erhöhten Erythritwerten und potenziellen Herzinfarkt- sowie Schlaganfallrisiken hergestellt.
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Laborbefunde an Gehirn-Endothelzellen
Mechanistische Details liefert eine Laborstudie der University of Colorado Boulder. Forschende exponierten dabei Gehirn-Endothelzellen über einen Zeitraum von 3 Stunden gegenüber Erythrit. Unter diesen Versuchsbedingungen sank die Produktion von Stickoxid, während die Werte von Endothelin-1 sowie die Konzentration freier Radikale anstiegen.
Zudem beeinträchtigte der Kontakt mit dem Süßstoff die Freisetzung von t-PA, einem körpereigenen Botenstoff, der für die Gerinnselauflösung zuständig ist. Aus diesen Beobachtungen leiten Fachleute Hinweise auf eine potenziell eingeschränkte Durchblutung und ein damit einhergehendes Risiko für ischämische Schlaganfälle ab.
Gleichzeitig betonen die Forschenden, dass die an isolierten Zellen erzielten Laborresultate für sich genommen noch keine direkte Wirkung im menschlichen Organismus belegen.
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Großangelegte Kohortenstudien und offene Kausalitätsfragen
Die Laborbefunde knüpfen an epidemiologische Daten an. Eine 2023 in der Fachzeitschrift Nature Medicine publizierte Kohortenstudie von Witkowski und Kollegen hatte über 4.000 Personen über einen Zeitraum von 3 Jahren begleitet. Bei denjenigen Probanden, deren Erythrit-Plasmaspiegel im obersten Quartil lagen, stellten die Autoren ein doppelt so hohes Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse fest wie bei Personen im untersten Quartil.
Trotz dieser deutlichen statistischen Assoziationen ist ein ursächlicher Zusammenhang bislang nicht abschließend geklärt. Eine Kausalität für das Auftreten von Herzinfarkten oder Schlaganfällen gilt anhand der vorliegenden Daten nicht als bewiesen.
Die Forschenden weisen darauf hin, dass weitere Studien notwendig sind, um festzustellen, ob Erythrit selbst Gefäßschäden verursacht oder ob erhöhte Blutwerte mit anderen vorbestehenden Stoffwechsel- und Gefäßrisiken einhergehen.
