Ernährungs-Jetlag, Stunde

Ernährungs-Jetlag: Jede Stunde Verschiebung erhöht bei Männern das Herzrisiko

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 00:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bei Männern war eine stärkere Verschiebung der Mahlzeiten mit höheren Herzrisiken verbunden; bei Frauen zeigte sich kein signifikanter Zusammenhang.

Essenszeiten am Wochenende: Studie findet bei Männern höhere Herzrisiken
Ein minimalistischer, ruhiger Essbereich in einem modernen Zuhause während der Dämmerung mit natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Unregelmäßige Mahlzeiten zwischen Arbeitswoche und Wochenende können mit messbaren Risiken für das Herz-Kreislauf-System einhergehen. Eine im Fachjournal Communications Medicine erschienene Untersuchung spanischer und französischer Forscher zeigt, dass zeitliche Verschiebungen bei der Nahrungsaufnahme – in der Fachwelt als „Eating Jet Lag“ oder Ernährungs-Jetlag bezeichnet – bei Männern mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen verbunden sind.

Jede zusätzliche Stunde Verschiebung der Essenszeiten zwischen Wochentagen und Wochenende ging demnach mit einem um 14 Prozent höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie einem um 21 Prozent höheren Risiko für koronare Herzkrankheiten einher.

Deutliche Geschlechterunterschiede bei den Beobachtungsdaten

Die Untersuchung stützt sich auf die Datenbasis von 104.806 Erwachsenen aus Frankreich und Spanien bei einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 8,1 Jahren, basierend auf Teilnehmern der französischen NutriNet-Santé-Kohorte.

Auch eine vom französischen Forschungsinstitut INSERM publizierte Auswertung über einen langen Zeitraum bestätigte dieses Muster: Bei Männern erhöhte jede Stunde Abweichung im Essensrhythmus das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 14 Prozent und für koronare Herzkrankheit um 21 Prozent, während sich bei Frauen keine statistisch signifikanten Zusammenhänge zeigten.

Bei der Betrachtung der konkreten Essgewohnheiten aßen 71 Prozent der Probanden innerhalb einer Stunde ihrer üblichen Zeiten. Mehr als 24 Prozent nahmen ihre Mahlzeiten am Wochenende jedoch mehr als eine Stunde später zu sich, während fast 5 Prozent mehr als eine Stunde früher aßen.

Bei Männern, die am Wochenende früher aßen, ermittelte die Studie ein um 44 Prozent höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei jenen, die ihre Mahlzeiten nach hinten verschoben, lag das Risiko für eine koronare Herzkrankheit um 36 Prozent höher. Der Zusammenhang blieb auch nach statistischer Berücksichtigung von Ernährungsqualität, Schlafdauer und sozialem Jetlag signifikant.

Einordnung der Kausalität und physiologische Faktoren

Die Autoren der Studie in Communications Medicine weisen darauf hin, dass es sich um eine reine Beobachtungsstudie handelt, die keinen direkten Kausalitätsnachweis liefert.

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Weitere Einflussfaktoren wie sozioökonomischer Status, körperliche Bewegung, Stress, Vorerkrankungen sowie Alkohol- und Tabakkonsum wurden in diesem Modell nicht vollständig berücksichtigt. Eine starre Empfehlung für exakt gleiche Essenszeiten an jedem Tag leitet das Forschungsteam aus den Daten nicht ab.

Fachleute mahnen zur differenzierten Betrachtung der Ergebnisse. Eine Ernährungswissenschaftlerin betonte in einer Einordnung, dass unter anderem ein Anstieg des Stresshormons Cortisol infolge von Schlafmangel für die Effekte mitverantwortlich sein könne.

Zudem könne die Freude am Essen gewisse Belastungen teilweise kompensieren. Als allgemeine Maßnahmen bieten sich eine proteinhaltige Mahlzeit nach der Arbeit sowie regelmäßige Bewegung im Freien an.

Forschungsstand zum Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme

Die Verteilung der Mahlzeiten über den Tag steht seit Längerem im Fokus ernährungsmedizinischer Analysen. Eine im European Journal of Clinical Nutrition publizierte Untersuchung von über 31.000 Personen ab einem Alter von 40 Jahren – erhoben zwischen 1999 und 2018 mit einer durchschnittlichen Nachbeobachtung von 8,6 Jahren – dokumentierte 7.129 Todesfälle, davon 2.259 durch Herzkrankheiten.

Teilnehmer, die regelmäßig nach 7 bis 8 Uhr frühstückten, wiesen im Schnitt eine um 2,46 Jahre kürzere Lebenserwartung und ein um 29 Prozent höheres Risiko für einen Tod aus jeglicher Ursache auf.

Lag das Frühstück zwischen 8 und 10 Uhr, stieg das Sterberisiko um 19 Prozent; bei einer Verschiebung näher an den Mittag lag es um 29 Prozent höher. Fand die erste Mahlzeit erst nach Mittag statt, lag das Risiko für einen tödlichen Verlauf durch Herzkrankheiten um 46 Prozent höher. Auch hier handelte es sich um selbstberichtete Ernährungsdaten.

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Weitere physiologische Studien beleuchten die zugrunde liegenden Mechanismen. Eine randomisierte Crossover-Studie mit 845 Teilnehmern verdeutlichte den Einfluss der zirkadianen Rhythmik: Wurde eine Mahlzeit eine Stunde vor dem Schlafengehen statt vier Stunden vorher eingenommen, lag der Melatoninspiegel etwa 3,5-mal höher, während die Insulinexposition um rund 6,7 Prozent niedriger und die Glukoseexposition um rund 8,3 Prozent höher ausfielen.

Gleichzeitig bleibt die wissenschaftliche Bewertung komplex. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hält fest, dass es bislang keine wissenschaftlich gesicherte Aussage zur Mahlzeitenfrequenz und der Regulierung des Körpergewichts bei gesunden Erwachsenen gibt.

Britische Erhebungen wie die ZOE-PREDICT-Studie aus dem Jahr 2023 mit 854 Menschen kamen zu dem Schluss, dass für kardiovaskuläre Risikofaktoren vor allem Qualität und Timing ausschlaggebend sind, wobei spätes Essen nach 21:00 Uhr mit ungünstigeren Werten korrelierte.

Die Gesamtheit der Daten verdeutlicht, dass neben den Inhaltsstoffen einer Ernährungsweise auch zeitliche Regelmäßigkeiten für Stoffwechsel und Gefäßgesundheit eine Rolle spielen.

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de | wissenschaft | 70228759 |