Ernährung, Altern

Ernährung und Altern: DZNE-Studie mit 7.500 Erwachsenen findet keinen Diät-Sieger

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 16:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Investitionen wachsen, während Studien Ernährung und soziale Faktoren mit gesundem Altern verbinden; der Nutzen von Semaglutid für Menschen bleibt offen.

Longevity-Boom: Milliarden fließen in Forschung, Biotech und Gesundheit
Modernes, minimalistisches Forschungslabor mit hochwertigen Laborgeräten vor einem hellen, naturnahen Hintergrund. Illustration mit AI erstellt.

Die Erforschung eines längeren und gesünderen Lebens hat sich zu einem eigenen Investitionssektor entwickelt. Kapital, wissenschaftliche Studien und politische Förderprogramme verdichten sich derzeit zu einem Bild, in dem Biotech-Start-ups, etablierte Pharmakonzerne und Technologieunternehmen um Anteile an einem wachsenden Markt konkurrieren – während Forschende gleichzeitig grundlegende Fragen zu Ernährung, sozialem Umfeld und medikamentösen Effekten neu untersuchen.

Rekordinvestitionen in Longevity-Biotech

Laut Longevity.Technology erreichten die weltweiten Investitionen in Longevity-Biotech im Jahr 2025 mit 18,4 Milliarden US-Dollar einen Rekordwert, nach 4,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024. Im ersten Halbjahr 2026 flossen bereits über 12 Milliarden US-Dollar in den Sektor, wie CNBC berichtete.

Zu den bekannten Unterstützern zählen demnach Jeff Bezos, der Altos Labs fördert, Sam Altman, der hinter Retro Biosciences steht, sowie Peter Thiel, der mehrere Longevity-Start-ups finanziert.

Eine Bank-of-America-Umfrage aus diesem Jahr zeigt zudem, dass 94 Prozent der befragten vermögenden Anleger ihre Gesundheit aktiv optimieren und 92 Prozent Langlebigkeit als wichtigen Faktor der Vermögensplanung betrachten.

Der Sektor selbst ist dabei breit gefächert: Er reicht laut einer Einordnung von Capwolf von klassischer Biotech-Forschung über spezialisierte Kliniken und Diagnostik bis zu Wellness-Angeboten, wobei sich wissenschaftliche Wirksamkeit und Anlagechancen deutlich unterscheiden können.

Neue regulatorische Wege und Forschungslabore

Ein bemerkenswertes Beispiel für alternative Zulassungswege liefert der US-Bundesstaat Montana, der den Markt für experimentelle Therapien geöffnet hat: Über deren Zulassung entscheidet dort künftig ein privates Prüfgremium anstelle einer Behörde, an dem auch ein deutscher Investor beteiligt ist. Das Modell wird als Zugang zu einem Milliardenmarkt beschrieben.

Auch aus der Technologiebranche kommen Impulse: Anthropic hat die Eröffnung eines Biologie-Labors nahe San Francisco bestätigt. Laut Reuters-Insidern soll dort unter anderem an Medikamenten für seltene Erkrankungen geforscht werden, während ein Unternehmenssprecher gegenüber Reuters betonte, das Labor sei nicht speziell für Medikamentenentwicklung gedacht und klinische Studien seien nicht geplant.

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Zuvor hatte Anthropic gemeldet, dass Claude-Agenten ein bislang unbekanntes, Crispr-ähnliches Enzymsystem entdeckt hätten – sogenannte array-assoziierte Reverse Transkriptasen.

Rund 950 Agenten durchsuchten dafür 21 Stunden lang eine DNA-Datenbank und verbrauchten 210 Millionen Tokens, während das menschliche Forschungsteam Prompt-Erstellung und Laborarbeit übernahm. Die praktische Anwendung bleibt unklar, weitere Experimente laufen. Der an Crispr beteiligte Forscher Feng Zhang erklärte laut Anthropic, die Entdeckung verdiene weitere Untersuchung.

Was Studien über Ernährung, Medikamente und soziales Umfeld zeigen

Auf wissenschaftlicher Seite mehren sich Befunde zu den Stellschrauben des Alterns. Eine 2026 in Nature Communications veröffentlichte DZNE-Studie mit rund 7.500 Erwachsenen verknüpfte alle zehn untersuchten gesunden Ernährungsstile mit langsamerem biologischem Altern – es gebe demnach nicht die eine beste Diät.

Analysiert wurden 6.470 Teilnehmende der Rheinland-Studie sowie rund 1.000 Teilnehmende der EPIC-Potsdam-Studie, wobei die DNA-Methylierung an etwa 850.000 Stellen erfasst wurde. Mehr als 70 Prozent der beeinflussten Signalwege waren allen Diäten gemeinsam, der Zusammenhang war bei Rauchenden am stärksten – die Ursache dafür bleibt unklar.

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Auch soziale Faktoren rücken in den Fokus: Eine Meta-Analyse mit mehr als 300.000 Personen verknüpfte gute soziale Einbindung mit einer rund 50 Prozent höheren Überlebenswahrscheinlichkeit.

Eine US-Langzeitstudie ergab bei positivem Altersbild im Schnitt gut sieben Jahre längere Lebenszeit als bei negativem Altersbild – Daten stammen aus der seit 1938 laufenden Harvard Study of Adult Development. Eine klinische Gesundheitspsychologin empfahl dazu, Beziehungen zu pflegen, Erholung einzuplanen und psychische Belastungen früh ernst zu nehmen.

Auf dem gemeinsamen Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie und der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie in Frankfurt stellte der Philosoph Otfried Höffe den Begriff „Unterjüngung“ statt „Überalterung“ in den Vordergrund: Lebenserwartung und krankheitsfreie Lebensspanne seien gestiegen, zusätzliche Lebensjahre sollten nicht automatisch als Krankheitsjahre gelten. Der Kongress betierte entsprechend Selbstständigkeit, Teilhabe und eine längere Gesundheitsspanne als Ziele.

Auf medikamentöser Ebene sorgte eine dreimonatige Studie der University of California, Berkeley für Aufmerksamkeit: 20 Monate alte, nicht übergewichtige und nicht diabetische Mäuseweibchen erhielten Semaglutid oder Kochsalzlösung.

Die Semaglutid-Gruppe lebte im Schnitt 834 Tage, die Placebogruppe 742 Tage; physiologische, metabolische und kognitive Funktionen verbesserten sich, auch die Bildung neuer Neuronen nahm zu. Laut der in Nature veröffentlichten Studie ist daraus jedoch kein Nutzen für Menschen ableitbar, klinische Langzeitstudien seien nötig.

Zur Einordnung verweisen Fachmedien auf die SELECT-Studie mit 17.604 Erwachsenen mit Übergewicht beziehungsweise Adipositas und bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung, in der Semaglutid das Risiko schwerer kardiovaskulärer Ereignisse um 20 Prozent senkte.

Die Übertragbarkeit des Mausbefunds auf Menschen sei aber offen, zusätzlicher Gewichtsverlust könnte bei gebrechlichen älteren Menschen sogar schaden.

Förderpolitik als Standortfrage

Auch die Politik positioniert sich. Für die laufende Legislaturperiode bis 2029 nannte Forschungsministerin Dorothee Bär rund 2,9 Milliarden Euro Biotech-Förderung ihres Ministeriums.

Deutschland zählt demnach rund 1.020 Biotech-Unternehmen mit etwa 56.000 Beschäftigten und rund 12 Milliarden Euro Jahresumsatz, wovon etwa 40 Prozent in Forschung und Entwicklung fließen. Für die Initiative GO-Bio next sind bis 2032 mehr als 100 Millionen Euro vorgesehen, die ersten zehn Projekte haben bereits begonnen.

Eine EU-Kommissionsstudie zeigt zugleich ein strukturelles Gefälle: US-Biopharma-Start-ups erhalten demnach rund neunmal mehr Spätphasenfinanzierung als ihre EU-Pendants. Das Weltwirtschaftsforum wiederum bezifferte das wirtschaftliche Potenzial, die Gender Health Gap zu schließen, auf einen möglichen Beitrag von 1 Billion US-Dollar jährlich zur Weltwirtschaft.

Insgesamt zeichnet sich ein Feld ab, das zwischen milliardenschweren Wetten auf zukünftige Therapien und nüchternen wissenschaftlichen Befunden zu Ernährung, sozialem Leben und Medikamentenwirkung changiert – mit offenen Fragen zur tatsächlichen Übertragbarkeit vieler Ergebnisse auf den Menschen.

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