Ernährung im Alter: 50 bis 70 Prozent der Senioren essen zu wenig Eiweiß
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 05:36 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine ausgewogene Ernährung bildet in jeder Phase des Lebens die Grundlage für Gesundheit und Wohlbefinden, doch verändern sich die Anforderungen des Körpers im Laufe der Zeit erheblich.
Wie aktuelle Veröffentlichungen und Richtlinien zeigen, rücken Fachorganisationen dabei zunehmend spezifische Lebensabschnitte in den Fokus. Einen Orientierungsrahmen vor und während der Schwangerschaft bietet das Netzwerk Gesund ins Leben gemeinsam mit der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).
Die Organisationen stellen mit dem Flyer „Schwangerschaft – Gesund und aktiv“ kompakte Empfehlungen zu Ernährung und Bewegung zur Verfügung. Die barrierefreie Publikation ist als PDF-Datei mit einer Dateigröße von 3,88 Megabyte kostenfrei abrufbar.
Nährstoffbedarf und Alltag in der Schwangerschaft
Die fachliche Begleitung werdender Mütter umfasst neben allgemeinen Lebensstilfragen auch den gezielten Umgang mit dem veränderten Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen. In der 38:39 Minuten langen Podcast-Episode „Ernährung in der Schwangerschaft: Was Mama & Baby wirklich brauchen“ von Epifood erläutert Dr. med.
Constanze Lohse die Relevanz von Mikronährstoffen und Nahrungsergänzungsmitteln. Zudem thematisiert der Beitrag Aspekte wie den Umgang mit Heißhunger, ernährungsbezogene Einflüsse auf das Wohlbefinden sowie die mentale Belastung werdender Mütter.
Herausforderungen bei der Ernährung im höheren Alter
Während zu Beginn des Lebenszyklus das Heranwachsen im Zentrum steht, erfordert auch das fortgeschrittene Alter angepasste Ernährungsmuster. Stéphanie Bieler von der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE) hebt hervor, dass für ältere Menschen eine tägliche Flüssigkeitsaufnahme von 1 bis 2 Litern ratsam ist, sofern keine medizinischen Gründe für eine Abweichung vorliegen.
Als einfacher Kontrollhinweis für eine ausreichende Versorgung dient eine hellgelbe Färbung des Urins. Zu jeder Hauptmahlzeit sollte zudem ein proteinreiches Lebensmittel verzehrt werden.
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Mangelernährung kann laut Bieler sowohl bei Unter- als auch bei Normal- oder Übergewicht auftreten, weshalb jedem ungewollten Gewichtsverlust nachgegangen werden sollte. Da ältere Haut weniger Vitamin D bildet, sei eine entsprechende Supplementierung sinnvoll.
Treten Kau- oder Schluckbeschwerden auf, empfiehlt sich eine angepasste Konsistenz der Speisen. Mahlzeitendienste oder Mittagstische können Bieler zufolge einen wichtigen Beitrag leisten, um einer Mangelversorgung vorzubeugen.
Die allgemeine Lebensmittelpyramide der SGE veranschaulicht diesen Bedarf: Die Basis bilden ungesüßte Getränke, während süße und salzige Snacks sowie Alkohol die Spitze darstellen. Beim empfohlenen Tellermodell entfällt die Hälfte auf Gemüse oder Salat, jeweils ein Viertel entfällt auf stärkehaltige Beilagen und eine Proteinquelle.
Pro Tag empfiehlt die SGE 1 bis 2 Liter Wasser oder ungesüßten Tee. Dass der gezielten Proteinzufuhr eine hohe Bedeutung zukommt, verdeutlichen weitere Daten der Fachgesellschaft: Ab einem Alter von etwa 50 Jahren beginnt der Muskelabbau, und zwischen 50 und 70 Prozent der Senioren in der Schweiz nehmen zu wenig Eiweiß zu sich.
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Multidisziplinäre Leitlinien gegen Sarkopenie
Um dem Verlust von Muskelmasse und Mangelzuständen systematisch zu begegnen, hat die niederländische Fachgesellschaft für klinische Geriatrie (NVKG) zusammen mit weiteren Organisationen wie NVD, NIV, Verenso und KNGF die Richtlinie zur Mangelernährung und Sarkopenie bei gesundheitlich geschwächten älteren Menschen vollständig überarbeitet.
Die ersten fünf Module erschienen im Januar 2026, das letzte Modul wurde am 2. September 2026 veröffentlicht. Die Diätistin und Richtlinienberaterin Emmelyne Vasse vertrat dabei die Vereinigung NVD in der Arbeitsgruppe.
Das Regelwerk setzt auf Früherkennung und fachübergreifende Zusammenarbeit. Bei Sarkopenie sieht der Standard eine strukturierte Kombination aus Ernährung und progressivem Widerstandstraining unter physiotherapeutischer oder übungstherapeutischer Leitung vor, ergänzt durch hochwertige Proteine, die über die Hauptmahlzeiten verteilt werden. Liegt eine Mangelernährung vor, erfolgt die Behandlung stufenweise mit einer schrittweisen Optimierung von Energie- und Eiweißzufuhr.
