Erbrecht: Fast 60 Prozent fühlen sich über ihre Rechte kaum informiert
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 21:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deFragen rund um das eigene Erbe, die Patientenverfügung und die Gestaltung der letzten Ruhe gewinnen im gesellschaftlichen Diskurs zunehmend an Gewicht. Zahlreiche Informationsveranstaltungen in Deutschland und Österreich widmen sich dieser Entwicklung, um bestehende Wissenslücken in der Bevölkerung zu schließen und frühzeitige Entscheidungen zu erleichtern.
Wissensdefizite und steigendes Interesse an gemeinnützigen Zwecken
Erhebungen verdeutlichen einen erheblichen Aufklärungsbedarf in Nachlassfragen. Nach Angaben der Testamentsinitiative „Vergissmeinnicht“, der rund 110 gemeinnützige Mitgliedsorganisationen angehören, fühlen sich laut einer Umfrage fast 60 Prozent der Bevölkerung wenig bis gar nicht über das geltende Erbrecht informiert. Zugleich hat weniger als ein Drittel der Menschen über 40 Jahren mit einem Testament vorgesorgt.
Gleichzeitig verzeichnet die Initiative ein wachsendes Engagement für gesellschaftliche Anliegen: Eine Untersuchung unter 2.000 Personen in Österreich ergab, dass sich fast jede fünfte Person über 40 Jahren für gemeinnützige Zwecke im Testament interessiert. Dieser Anteil hat sich innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt.
Jährlich kommen in Österreich rund 2.000 Testamente wohltätigen Zwecken zugute. Im Vorjahr belief sich der Gesamtwert dieser Vermächtnisse auf 122 Millionen Euro, wobei die vererbten Vermögen häufig zwischen 50.000 und 100.000 Euro liegen. Mehr als 90 Prozent dieser Zuwendungen stammen von alleinstehenden und kinderlosen Personen.
Große Resonanz auf regionale Vorsorgeforen
Dass das Informationsbedürfnis hoch ist, belegen jüngste Fachveranstaltungen. Am 15. Oktober 2026 versammelte der Erste Vorarlberger Vorsorgetag bei Russmedia in Schwarzach rund 100 Gäste.
Auf dem Programm standen Beiträge zur Pensions- und Ablebensabsicherung der Vorarlberger Landes-Versicherung, zur Vorsorgemappe der HYPO Vorarlberg, zu Nachlassräumungen sowie zum Erbrecht durch Notar Matthias Längle. Auch Bestattungswünsche wurden von Vertretern des Krematoriums und des Waldes des Friedens erörtert.
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Ebenfalls am 15. Oktober 2026 richtete die Rotkreuz-Bezirksstelle Waidhofen an der Thaya einen Informationsabend mit fast 70 Teilnehmenden aus, bei dem Notar Michael Müllner die Abgrenzung zwischen Erbschaft und Vermächtnis sowie den gesetzlichen Pflichtteil erläuterte.
In Bonn behandelte ein Fachvortrag der Johanniter am selben Tag praxisnahe Aspekte zu Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten. Der VdK-Ortsverband Großen-Buseck verzeichnete bei seinem zweiten Informationstag fast 300 Besuchende, die sich über Betreuungsverfügungen, Senioren-Hilfsangebote und Nachlassregelungen informierten.
Angebote wie jene der Caritas Wien informieren zudem über Erbrecht und Vorsorgevollmachten, begleitet von Berichten aus der Praxis durch Caritasdirektor Klaus Schwertner.
Vielfalt moderner Bestattungsformen und kommende Termine
Neben rein juristischen Regelungen rückt die organisatorische Vorsorge für das Lebensende in den Fokus. So beleuchtete ein Informationsabend im Landkreis Lüchow-Dannenberg neben der Rechtslage auch palliative Angebote und Vorsorgemöglichkeiten.
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Weitere Fachvorträge sind für die kommenden Wochen angesetzt:
- Am 22. Oktober 2026 lädt der Hospiz- und Palliativverein Landsberg am Lech zu einem Orientierungsvortrag über Vollmachten und Patientenverfügungen ein.
- Die Verbraucherberatung Dieburg thematisiert am 28. Oktober 2026 neben traditionellen Erd- und Feuerbestattungen auch alternative Formen wie Diamant- oder Seebestattungen.
Am selben Tag veranstaltet die Hospizgemeinschaft Arche Noah in Königstein einen Vortrag zu Vorsorgerechten.
- Am 5. November 2026 veranstaltet der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge mit Unterstützung der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge (DVEV) einen Vortrag im Kreishaus Gummersbach.
Der Verbandsbeauftragte Wolfgang Gorzalka betonte in diesem Zusammenhang, dass ein Testament die einzige Option darstelle, das Vermögen nach den eigenen Wünschen aufzuteilen.
- Am 9. November 2026 referiert der ehemalige Notar Günter Borcherding in Maschen über gesetzliche Erbfolgen, gefolgt von einem Vortrag des Kreisseniorenrats Enzkreis in Pforzheim am 20. November 2026 zu Bestattungsarten und Vorsorgewegen.
