ePA-Update: AOK Bayern senkt Zugangsbarriere ab Juli 2026
01.07.2026 - 02:21:43 | boerse-global.de
Von vereinfachten Zugängen zu elektronischen Patientenakten in Deutschland bis hin zu neuen Gesundheitsplattformen in Indien – mehrere Länder treiben den digitalen Wandel voran.
AOK Bayern erleichtert Zugang zur elektronischen Patientenakte
Seit dem 30. Juni 2026 können Versicherte der AOK Bayern ihre elektronische Patientenakte (ePA) deutlich einfacher nutzen. Statt einer PIN oder eines persönlichen Identitätsnachweises auf der Post reicht nun ein Smartphone zusammen mit einem elektronischen Personalausweis oder Reisepass. Die Nect Wallet-App macht's möglich.
Die ePA-Plattform „AOK Mein Leben" ist seit Anfang 2025 verfügbar und wird zunehmend genutzt. Aktuelle Zahlen zeigen: Über 120 Millionen Dokumente wurden bereits hochgeladen, mehr als 22 Millionen Medikationspläne werden wöchentlich abgerufen. Seit Oktober 2025 sind deutsche Arztpraxen verpflichtet, die digitalen Akten zu befüllen.
Doch der einfachere Zugang hat seinen Preis: Ab Juli 2026 benötigen ePA-Apps Smartphones mit mindestens Android 14 oder iOS 18. Grund ist die Umstellung auf modernere Elliptic Curve Cryptography (ECC) -Sicherheitsstandards. Für Patienten mit älteren Geräten gibt es Hilfe: Ab dem 1. Juli 2026 starten in Apotheken betreute Telemedizin-Angebote. Dort können Versicherte per Video-Sprechstunde ihre Gesundheitsdaten einsehen – allein mit ihrer Versichertenkarte.
Indien startet umfassende digitale Gesundheitsplattform
Noch einen Schritt weiter geht Indien. Am 30. Juni 2026 launchte die Regierung Aarogya Setu 2.0 – aus der ursprünglichen Kontaktverfolgungs-App wird ein persönliches Gesundheitsdaten-System. Die Plattform ist mit der nationalen Digitalgesundheitsmission (ABDM) verknüpft und ermöglicht die Erstellung von Ayushman Bharat Health Accounts (ABHA) . Offizielle Zahlen sprechen von über 800 Millionen ABHA-IDs und mehr als einer Milliarde verknüpfter Gesundheitsdokumente.
Parallel dazu führte der Gesundheitsminister am 29. und 30. Juni die Unified Health Interface (UHI) ein. Dieses offene, interoperable Netzwerk erlaubt es Bürgern, Gesundheitsdienstleistungen plattformübergreifend zu finden und zu buchen. Die erste Phase umfasst vier Dienste für Patienten; Labore, Apotheken und Impfzentren sollen später folgen. Ebenfalls am 29. Juni startete eSushrut@Clinic – ein cloudbasiertes System für kleine Praxen und Ambulanzen, das digitale Anmeldung und Abrechnung ermöglicht.
Seit dem 30. Juni 2026 können AOK-Bayern-Versicherte ihre ePA ohne PIN-Post freischalten – einfach mit Smartphone und Ausweis über die Nect Wallet-App. Die kostenlose Anleitung zeigt, wie es geht. Kostenlose Anleitung anfordern
Neue Sicherheitsstandards in den USA
Auch die USA modernisieren ihre digitalen Gesundheitsstrukturen. Am 30. Juni 2026 verkündete das nationale Koordinierungsbüro für Gesundheitstechnologie (ONC) neue Standards im Rahmen des Standards Version Advancement Process (SVAP) . Dazu gehören die aktualisierte Datenversion USCDI Version 6 sowie neue FHIR-Standards für elektronische Vorabgenehmigungen. Die Regeln treten am 29. August 2026 in Kraft und erlauben die freiwillige Nutzung neuerer technischer Protokolle im Gesundheitsdatenaustausch.
Eine Studie vom 29. Juni zeigt jedoch: Wirtschaftliche und politische Hürden bleiben. Die Forscher empfehlen eine flexible Durchsetzung der Regeln sowie dauerhafte finanzielle Unterstützung, um die bestehenden Barrieren beim Datenaustausch zu überwinden.
Deutschland: Wer darf auf die Patientenakte zugreifen?
In Deutschland sorgt der geplante Gesetzesentwurf für Daten- und Digitalinnovationen im Gesundheitswesen (GeDIG) für Diskussionen. Ein Entwurf vom Mai 2026 sieht ein Opt-out-Modell für Betriebsärzte vor: Sie dürfen auf die ePA zugreifen, es sei denn, der Patient widerspricht ausdrücklich.
Der Deutsche Verband der Betriebsärzte (DGAUM) forderte am 30. Juni gleiche Zugriffsrechte wie für andere medizinische Berufsgruppen. Psychologenverbände hingegen äußerten Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes. Eine Kabinettsentscheidung zum GeDIG-Entwurf wird für Mitte Juli 2026 erwartet.
Ihr Smartphone ist zu alt? Ab Juli 2026 brauchen Sie Android 14 oder iOS 18 für die ePA-App. Die kostenlose Checkliste zeigt Alternativen – z. B. Zugang über die Apotheke. Checkliste per E-Mail sichern
Großbritannien warnt vor Sicherheitslücken bei Online-Rezepten
Ein Bericht der britischen Gesundheitsbehörde HSSIB vom 25. Juni 2026 schlägt Alarm: Der mangelnde Informationsaustausch zwischen dem staatlichen NHS und privaten Online-Verschreibern gefährdet die Patientensicherheit. Die Behörde warnt, dass Online-Anbieter oft keinen Zugriff auf umfassende NHS-Patientenakten haben – das Risiko gefährlicher Wechselwirkungen steige dadurch erheblich.
