Energydrinks: Konsum bei Kindern und Jugendlichen steigt deutlich
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSImmer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland konsumieren Energydrinks; besonders der regelmäßige Konsum nahm in den vergangenen Jahren zu.
Fast jedes zweite Kind hat Erfahrung
Nach einer im „Deutschen Ärzteblatt International“ vorgestellten Auswertung haben 46 Prozent der 9- bis 12-Jährigen und 72 Prozent der 13- bis 15-Jährigen bereits Energydrinks getrunken. Die Daten stammen aus dem Präventionsradar des IFT-Nord und umfassen die Schuljahre 2020/21 bis 2025/26. Ausgewertet wurden Angaben von mehr als 107.000 Schülerinnen und Schülern unter 16 Jahren aus 15 Bundesländern.
Bei den 9- bis 12-Jährigen stieg der Anteil derjenigen, die mindestens einmal im Monat Energydrinks konsumieren, von knapp zehn auf 13 Prozent. Bei den 13- bis 15-Jährigen erhöhte er sich von 25 auf 33 Prozent.
Wöchentlicher Konsum bei Jugendlichen gestiegen
Mindestens einmal pro Woche tranken zuletzt sechs Prozent der Kinder Energydrinks; dieser Wert blieb nahezu unverändert. Bei den Jugendlichen stieg der Anteil von knapp 16 auf 19 Prozent. Täglich konsumierten rund zwei Prozent der Kinder und etwa sechs Prozent der Jugendlichen entsprechende Getränke.
Energydrinks enthalten Koffein, Zucker sowie weitere Stoffe wie Taurin und Glucuronolacton. Eine marktübliche 500-Milliliter-Dose enthält den Autoren zufolge häufig 160 Milligramm Koffein und etwa 55 Gramm Zucker.
Zusammenhang mit weiterem Risikoverhalten
Täglicher Energydrink-Konsum stand in der Befragung eng mit Nikotin- und anderem Substanzkonsum, höherer Risikobereitschaft, mehr Bildschirmzeit sowie Aufmerksamkeits- und emotionalen Problemen in Verbindung. Jugendliche, die im vergangenen Monat geraucht oder E-Zigaretten genutzt hatten, konsumierten 2,4-mal häufiger täglich Energydrinks als Jugendliche ohne Nikotinkonsum.
Die Forschenden betonen, dass diese Zusammenhänge keine Aussage über eine Ursache erlauben. Auch die tatsächlich konsumierte Menge wurde nicht erfasst; Fragebogendaten können zudem durch sozial erwünschte Antworten beeinflusst sein.
Experten fordern strengere Regeln
Felix Oberhoffer vom Klinikum der Universität München warnt vor möglichen Belastungen des Herz-Kreislauf-Systems sowie langfristig vor Bluthochdruck, Übergewicht und Störungen des Zuckerstoffwechsels. Katharina Rathmann von der Hochschule Fulda bezeichnet den Mischkonsum mit Alkohol als besonders riskant, weil Koffein Müdigkeit überdecken könne, ohne die Beeinträchtigung durch Alkohol zu verringern.
Die Autoren empfehlen neben Präventionsmaßnahmen strengere Regeln für Verkauf und Werbung. In Litauen, Lettland und Polen dürfen Energydrinks nur an Erwachsene verkauft werden; Norwegen untersagt den Verkauf an unter 16-Jährige. In Deutschland gilt für Energydrinks weiterhin eine gesetzliche Höchstgrenze von 320 Milligramm Koffein pro Liter.
Gesundheitsrisiko durch Koffein und Zucker
Die Auswertung macht sichtbar, dass Energydrinks für einen großen Teil der Schülerinnen und Schüler zum regelmäßigen Konsum gehören. Eine 500-Milliliter-Dose kann den Angaben zufolge 160 Milligramm Koffein und etwa 55 Gramm Zucker enthalten. Für ein Kind mit 50 Kilogramm Körpergewicht liegt die von der EFSA als wahrscheinlich unbedenklich eingestufte Tagesmenge bei 150 Milligramm Koffein.
Damit kann bereits eine einzelne große Dose die Orientierungsgröße nahezu ausschöpfen oder überschreiten. Kurzfristig können hohe Koffeinmengen Schlafprobleme, Unruhe und eine Belastung des Herz-Kreislauf-Systems begünstigen. Der Zucker erhöht zudem die Risiken für Übergewicht und Zahnschäden. Besonders relevant ist, dass der regelmäßige Konsum in der Untersuchung mit weiteren riskanten Verhaltensweisen verbunden war.
Regulierung bleibt politischer Streitpunkt
Die Daten verschieben die Debatte von gelegentlichem Konsum hin zu einer Frage des Jugend- und Gesundheitsschutzes. Deutschland erlaubt derzeit Energydrinks mit bis zu 320 Milligramm Koffein pro Liter; andere europäische Staaten haben Altersgrenzen eingeführt. Die von den Studienautoren geforderten Verkaufs- und Werbebeschränkungen würden deshalb stärker in Vertrieb und Marketing eingreifen als die bisherige Kennzeichnung.
Für Familien und Schulen folgt daraus vor allem ein Informationsproblem: Aufmerksamkeitsstarke Werbung und Influencer-Marketing können den Eindruck eines normalen Alltagsgetränks vermitteln, obwohl die Produkte hohe Koffein- und Zuckermengen bündeln. Die Befragung erfasst allerdings weder die tatsächlich getrunkene Menge noch beweist der Zusammenhang mit Nikotin-, Alkohol- oder Cannabiskonsum eine Ursache. Politisch entscheidend dürfte daher sein, ob Prävention, Werberegeln oder Altersgrenzen die steigenden Monats- und Wochenraten wirksamer bremsen.
