Eltern mit Übergewicht: Studie zeigt Zweifel an ihrer Erziehungskompetenz
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 14:42 Uhr | Redaktion boerse-global.deEltern mit hohem Körpergewicht sehen sich im Alltag oft besonderen Vorurteilen ausgesetzt. Eine wissenschaftliche Untersuchung an der Frankfurt University of Applied Sciences beleuchtet nun die spezifischen Herausforderungen, mit denen betroffene Väter und Mütter im gesellschaftlichen Umfeld konfrontiert sind.
Die Wissenschaftlerin Judith Pape-Greif untersuchte im Rahmen ihrer Dissertation die Lebensrealität von mehrgewichtigen Erziehungsberechtigten und analysierte, wie sich gesellschaftliche Normen auf die Wahrnehmung elterlicher Kompetenzen auswirken.
Zweifel an Fürsorge und Erziehungskompetenzen
Im Zentrum der Forschungsarbeit von Judith Pape-Greif stehen die Erfahrungen von insgesamt sechs Müttern und vier Vätern mit hohem Körpergewicht. Wie aus Medienberichten hervorgeht, schilderten die Studienteilnehmer übereinstimmend wiederkehrende Formen sozialer Stigmatisierung. Zu den zentralen Belastungen zählte dabei das Gefühl, in der Öffentlichkeit und im sozialen Nahraum einer ständigen und kritischen Beobachtung unterworfen zu sein.
Die Befragten berichteten darüber hinaus von Ausgrenzungserfahrungen sowie von tief sitzenden Zweifeln an ihren Fürsorge- und Erziehungskompetenzen. Übergewicht werde im Alltag häufig fälschlicherweise mit Nachlässigkeit oder fehlender Disziplin gleichgesetzt, was sich in Vorbehalten gegenüber der Erziehungsfähigkeit der Betroffenen niederschlage.
Neben der allgemeinen gesellschaftlichen Benachteiligung durch Gewichtsdiskriminierung beschreiben die Eltern somit eine zusätzliche emotionale Belastung, die unmittelbar an ihre Rolle als Mutter oder Vater gekoppelt ist.
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Individuelle Gewichtsschwankungen und persönliche Erfahrungen
Dass das Thema Körpergewicht oft von langwierigen Verläufen und wechselnden Lebensphasen geprägt ist, verdeutlicht die Geschichte von Jolyn Muijsers, die ihre Erfahrungen öffentlich schilderte. Die 44-jährige Mutter zweier Söhne im Alter von 15 und 17 Jahren blickt auf deutliche körperliche Veränderungen zurück.
Zeitweise wog sie 140 Kilogramm, während ihr Gewicht in anderen Lebensphasen bei 85 Kilogramm lag. Kürzlich verzeichnete sie eine Gewichtsabnahme von 30 Kilogramm. Solche biografischen Entwicklungen verdeutlichen, dass das Körpergewicht von Individuen starken Schwankungen unterliegen kann, während die gesellschaftlichen Bewertungen oft starr bleiben.
Geplante Veröffentlichung im kommenden Jahr
Die qualitative Auseinandersetzung mit der Diskriminierung von Eltern stellt einen Beitrag zur Schließung von Forschungslücken im Bereich der Gewichtsbezogenen Stigmatisierung dar.
Übergewicht wird im Alltag oft fälschlich mit Nachlässigkeit gleichgesetzt — und plötzlich steht die ganze Erziehungsfähigkeit zur Debatte. Wer sich davon nicht länger klein machen lassen will, findet in diesem Leitfaden Wege, dem gesellschaftlichen Urteil gelassen zu begegnen. Leitfaden gegen Vorurteile jetzt sichern
Um die Ergebnisse und die Schilderungen der befragten Mütter und Väter einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, plant Judith Pape-Greif, ihre wissenschaftliche Arbeit im kommenden Jahr in Buchform zu veröffentlichen. Die Publikation soll die Mechanismen der Ausgrenzung weiter analysieren und das Bewusstsein für die Belastungen schärfen, denen mehrgewichtige Familien im Alltag begegnen.
