Eiweißzufuhr, Studie

Eiweißzufuhr: Studie mit 350 Publikationen kippt Fitness-Mythos

Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 05:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien und Verbrauchertests zeigen Risiken übermäßiger Eiweißzufuhr, problematische Supplemente sowie irreführende Gesundheitswerbung.

Proteinprodukte im Check: Risiken, Werbeärger und schwache Testergebnisse
Eine Auswahl an proteinhaltigen Lebensmitteln wie Linsen und Mandeln auf einer Küchentheke bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Nachfrage nach proteinreichen Lebensmitteln und Supplementen ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen, doch Mediziner und Verbraucherschützer mahnen zunehmend zur Vorsicht.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen und Markttests verdeutlichen, dass eine unkontrollierte Zufuhr von Eiweiß sowie die Einnahme bestimmter Nahrungsergänzungsmittel nicht nur physiologische Risiken birgt, sondern häufig auch mit irreführenden Werbeversprechen einhergeht.

Physiologische Folgen einer übermäßigen Proteinzufuhr

Ein zentraler Kritikpunkt von Medizinern betrifft die weitverbreitete Annahme, dass eine unbegrenzte Eiweißzufuhr automatisch dem Muskelaufbau diene. Professor Patrick Michl, Gastroenterologe an der Heidelberger Uniklinik, warnte in einer aktuellen Stellungnahme Ende August 2026 vor den Folgen eines übermäßigen Konsums. Er betonte, dass der menschliche Körper überschüssiges Eiweiß nicht speichert, sondern dieses in Fett umwandeln kann.

Diese Einschätzung wird durch Forschungsergebnisse der University of Wisconsin-Madison gestützt. Eine Überblicksstudie, die mehr als 350 Publikationen auswertete, zeigt auf, dass eine hohe Proteinzufuhr nicht für alle Personengruppen gesundheitsfördernd ist.

Die Forscher beobachteten, dass bei einer moderaten Reduktion der Zufuhr das Hormon FGF21 ansteige, was positive Auswirkungen auf den Energieverbrauch und den Blutzuckerspiegel haben könne.

Auch ein Review der RMIT University sowie Daten des European Food Information Council (EUFIC) deuten darauf hin, dass eine gezielte Restriktion bestimmter Aminosäuren wie Methionin, Isoleucin und Valin in Tierversuchen die Lebensspanne verlängern konnte.

Für ältere Menschen hingegen wird zur Vermeidung von Muskelverlust eine Zufuhr von 1,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht empfohlen, gegenüber 0,8 Gramm bei jüngeren Erwachsenen.

Kritik an Marketingpraktiken und Werbeversprechen

Neben den physiologischen Aspekten stehen die Vermarktungsstrategien der Industrie im Fokus der Kritik. Die Organisation Foodwatch mahnte Ende August 2026 mehrere Unternehmen ab, darunter More Nutrition, Naturally You und ESN.

Den Herstellern wird rechtswidrige Gesundheitswerbung für Ashwagandha-Produkte vorgeworfen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt vor der Einnahme solcher Präparate, insbesondere bei Kindern, Schwangeren, Stillenden sowie Personen mit Lebererkrankungen.

Ebenfalls in die Kritik geriet das Produkt „Bill Pills“ von Bill Kaulitz. Die Verbraucherzentrale beanstandete den Slogan „Party hard, recover smart“ als unzulässige gesundheitsbezogene Aussage.

Zudem wird das Preis-Leistungs-Verhältnis kritisiert: Ein Glas mit 48 Kapseln wird für 14,95 Euro angeboten, während der reine Warenwert lediglich auf 30 bis 70 Cent geschätzt wird. Bereits im Jahr 2024 hatte das Oberlandesgericht Frankfurt am Main entschieden, dass Werbung für Produkte, die eine Heilung oder Vorbeugung eines Katers versprechen, unzulässig ist.

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Testergebnisse bei Lebensmitteln und Supplementen

Untersuchungen des österreichischen Vereins für Konsumenteninformation (VKI) zeigen zudem, dass die Bewerbung von Produkten als „High Protein“ oft keinen signifikanten Mehrwert bietet.

In einem Test von 25 Hüttenkäse-Produkten wiesen alle Proben einen Eiweißgehalt zwischen 9,9 und 12 Gramm pro 100 Gramm auf – unabhängig davon, ob sie explizit mit Protein-Werbung vermarktet wurden. Das beste Produkt im Test kostete 5,96 Euro pro Kilogramm, wobei ein 200-Gramm-Becher rund 1,4 Gramm Salz enthielt.

Auch bei spezialisierten Nahrungsergänzungsmitteln fallen die Ergebnisse oft negativ aus. Öko-Test bewertete 15 von 19 Präparaten für Schwangere als „mangelhaft“ oder „ungenügend“, primär aufgrund von Überdosierungen oder Abweichungen bei Jod und Folsäure.

Bei Diätpulvern erhielten lediglich zwei Produkte („Doppelherz aktiv Abnehm Shake“ für 14,99 Euro und „Multaben Figur“ für 10,99 Euro) die Note „gut“. Elf weitere Produkte wurden als „mangelhaft“ oder „ungenügend“ eingestuft, darunter das Präparat „Almased Original“ (19,49 Euro), während „Yokebe“ (13,49 Euro) als „befriedigend“ bewertet wurde.

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Langfristige Gesundheitsrisiken durch Supplementierung

Die Deutsche Krebsgesellschaft warnt unterdessen vor den Langzeitfolgen hochdosierter Vitaminpräparate. Basierend auf Studien aus den Jahren 2019 und 2023 wird darauf hingewiesen, dass hohe Dosen von Vitamin B12 das Wachstum vorhandener Krebszellen verstärken können. Auch Antioxidantien wie die Vitamine A, C und E könnten das Tumorwachstum fördern.

Zudem zeigt eine Studie der Stanford University mit 431 Teilnehmern, dass Personen mit einer genetischen Veranlagung zu hohen LDL-Werten bei einer kohlenhydratarmen Diät mit hohem Anteil an gesättigten Fettsäuren einen signifikanten Anstieg der Cholesterinwerte erleben.

Experten raten daher dazu, gesättigte Fette durch ungesättigte Quellen wie Nüsse oder Olivenöl zu ersetzen und die tägliche Zufuhr gesättigter Fettsäuren auf maximal 30 Gramm für Männer beziehungsweise 20 Gramm für Frauen zu begrenzen.

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