Einsamkeit, Senioren

Einsamkeit bei Senioren: App wird jetzt Kassenleistung für 60 Millionen

17.06.2026 - 15:12:14 | boerse-global.de

Fast jeder Fünfte in Deutschland fühlt sich einsam. Neue Projekte und eine zertifizierte App gegen Einsamkeit sollen Abhilfe schaffen.

Einsamkeit in Deutschland: Alarmierende Zahlen und neue Hilfsangebote
Einsamkeit - Eine Gruppe lachender Senioren nimmt an einer gemeinschaftlichen Aktivität in einem hellen Gemeindezentrum teil. 17.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Besonders betroffen: Junge Erwachsene und Senioren.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) schlägt Alarm. Vor Corona lag der Anteil der Einsamen noch bei 14 Prozent. Bei den 16- bis 23-Jährigen gibt sogar über die Hälfte an, zeitweise oder ständig unter Einsamkeit zu leiden. Bei den Über-65-Jährigen ist es mehr als ein Fünftel.

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Kommunen werden aktiv

Berlin-Reinickendorf machte 2024 den Anfang: Mit Katharina Schulz gibt es dort eine der ersten hauptamtlichen Einsamkeitsbeauftragten Deutschlands. Ihr Fokus 2026: die Mitte der Gesellschaft. Im Vorjahr standen noch junge Menschen im Mittelpunkt. Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner fordert mehr Engagement von Senat und Bund.

Andere setzen auf Aufklärung. In Viernheim läuft seit Herbst 2025 das Projekt „halloALTER“. Es bündelt Beratung und Vernetzung fürs Alter – mit Vorträgen zu Vorsorgevollmacht oder gesundem Altern, unterstützt von der Uni Heidelberg. Geplant sind „Walking Football“ und Smartphone-Cafés.

Digitale Hilfe wird Kassenleistung

Ein Startup aus Berlin macht den nächsten Schritt: platoniq hat eine App gegen Einsamkeit und Stress entwickelt – und sie als Präventionskurs nach § 20 SGB V zertifizieren lassen. Rund 60 Millionen GKV-Versicherte können jetzt bis zu 100 Prozent der Kosten erstattet bekommen.

Die App basiert auf kognitiver Verhaltenstherapie. Grundlage ist eine Meta-Analyse von über 200 Studien aus dem Jahr 2025. In einer Pilotstudie berichteten 75 Prozent der Nutzer nach vier Wochen von weniger Einsamkeitsgefühl. Das ist der Wandel vom Sozialangebot zur evidenzbasierten Medizin.

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Aktionswoche im Juni

Ende Juni 2026 startet die bundesweite Aktionswoche „Gemeinsam aus der Einsamkeit“. Städte wie Köln, Dresden, Landau und Troisdorf machen mit. Die Kölner Seniorennetzwerke fokussieren sich auf pflegende Angehörige – eine Hochrisikogruppe für Isolation. Dresden organisiert ein „Frühstück für alle“ und Diskussionsrunden im Deutschen Hygiene-Museum.

Auch Kirchen und Ehrenamtliche sind aktiv. Der Seniorentreff in Bingen-Büdesheim feierte Mitte Juni sein 60-jähriges Bestehen. Das Erzbistum Köln lud Hunderte pensionierte Mitarbeiter zu einer Schiffswallfahrt ein – gezielte Gemeinschaftsangebote für die, die sonst oft allein bleiben.

Digitale Kompetenz als Schlüssel

Viele Ältere scheitern an der Technik. Der Seniorenbeirat in Pfungstadt arbeitet deshalb mit den „Di@Lotsen“ zusammen. Ziel: älteren Bürgern den Zugang zu digitaler Kommunikation erleichtern. Gleichzeitig gründen Senioren vermehrt lokale Nachbarschaftshilfevereine. Der Trend zur aktiven Selbsthilfe wächst – und das ist vielleicht die beste Nachricht.

de | wissenschaft | 69562884 |