Einsamkeit bei Jugendlichen: Fast jeder Zweite zwischen 16 und 29 betroffen
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 10:01 Uhr | Redaktion boerse-global.deEinsamkeit betrifft längst nicht mehr nur ältere Generationen, sondern belastet zunehmend Jugendliche und junge Erwachsene. Berufsschüler aus Chemnitz wie die 21-jährige Elsa, der 22-jährige Pierre, die 17-jährige Ella sowie der 19-jährige Lennox schildern, dass sich das Gefühl des Alleinseins selbst dann einstellen kann, wenn man von Gruppen umgeben ist.
Wie ein Stimmungsbild des Formats MDRfragt zeigt, gibt fast jeder zweite Befragte im Alter zwischen 16 und 29 Jahren an, immer oder oft einsam zu sein.
Auch bundesweite Daten spiegeln diese Entwicklung wider: Nach dem Einsamkeitsbarometer 2024 des Bundesfamilienministeriums weist die Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen in Deutschland die höchste Belastung durch Einsamkeit auf. Laut dem Sozialbericht 2024 fühlt sich unter den 18- bis 29-Jährigen hierzulande jeder Vierte einsam.
Soziale Isolation trotz ständiger digitaler Vernetzung
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In einem Beitrag des Mitteldeutschen Rundfunks thematisieren betroffene Berufsschüler aus Chemnitz die Hintergründe der Entwicklung. Demnach schützt eine ständige digitale Vernetzung über soziale Medien nicht vor Einsamkeit.
Wissenschaftliche Untersuchungen stützen diese Beobachtung: Eine schwedische Studie der Universität Stockholm unter Leitung der Studienautorin Viviane Straatmann stellte fest, dass das Wohlbefinden bei Jugendlichen geringer ausfällt, wenn Kontakte ausschließlich digital stattfinden.
Dagegen könne ein digitaler Austausch mit Freunden aus dem realen Leben mit einem höheren Wohlbefinden einhergehen; direkte Ursachen liefert die Untersuchung jedoch nicht.
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Fachkräfte aus der Praxis sehen zudem strukturelle Nachwirkungen früherer Einschränkungen. Der Chemnitzer Schulsozialarbeiter Robert Hoffmann führt die seit vier bis fünf Jahren verstärkt auftretende soziale Isolation auf die Corona-Pandemie und den damaligen Online-Unterricht zurück.
Theres Lungkwitz, Schulsozialarbeiterin an der Oberschule Großenhain und beim Jugendclub Sprungbrett e.V. tätig, beobachtet, dass viele Heranwachsende verlernt hätten oder nicht mehr dazu in der Lage seien, direkt miteinander zu kommunizieren.
Niedrigschwellige Hilfsangebote und neue Gemeinschaftsformen
Um betroffenen Jugendlichen Wege aus der Isolation zu eröffnen, entstehen verschiedene Beratungs- und Begegnungsformate. Ein niedrigschwelliges Hilfsangebot stellt der DRK-RealTalk-Chat dar, bei dem Ehrenamtliche im Alter von 16 bis 20 Jahren eine anonyme Online-Beratung für Gleichaltrige anbieten.
Gleichzeitig suchen junge Erwachsene nach neuen Wegen für reale Kontakte. Der 27-jährige Johannes Wittig, der seit 2019 in Chemnitz lebt, fand beispielsweise über die Plattform Groopia vier bis fünf enge Freunde.
In Städten wie Leipzig und Dresden etablieren sich unterdessen Gruppen wie der Spazierclub Dresden oder der Leipziger Spazierclub, bei denen sich junge Menschen zum gemeinsamen Gehen verabreden.
Parallel dazu widmet sich die Wissenschaft den Hintergründen: Anne Neuber von der Universität Witten/Herdecke untersucht in Forschungsarbeiten die tiefer liegenden Ursachen der Einsamkeit über verschiedene Altersgruppen hinweg.
