Eco-Anxiety, Jugendlichen

Eco-Anxiety: 70% der Jugendlichen pessimistisch zur Zukunft

Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 19:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Klimasorgen und Entscheidungsflut setzen der Psyche zu. Junge Menschen zeigen sich besonders betroffen, während Netzwerke neue Hilfsangebote entwickeln.

Eco-Anxiety und Choice Overload: Wie Polykrisen die mentale Gesundheit belasten
Eine nachdenklich wirkende junge Person sitzt auf einer Parkbank und blickt in die Ferne. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In der psychologischen Forschung und der öffentlichen Debatte rücken zwei Phänomene verstärkt in den Fokus, welche die mentale Gesundheit der Bevölkerung prägen: die Überforderung durch eine immense Auswahl an Lebensoptionen sowie die wachsende Sorge um die ökologische Zukunft.

Aktuelle Erhebungen und Expertenanalysen verdeutlichen, dass insbesondere junge Menschen von dieser doppelten Belastung betroffen sind. Während die Entscheidungsvielfalt den Alltag verkompliziert, führt der Klimawandel zu einer tiefgreifenden Verunsicherung.

Die psychischen Folgen der Klimakrise

Der Klimawandel wird zunehmend als signifikanter Belastungsfaktor für die Psyche wahrgenommen. Laut Daten des Bundesumweltministeriums gibt inzwischen die Hälfte der Deutschen an, sich durch die ökologischen Veränderungen mental belastet zu fühlen. Besonders deutlich tritt dieser Pessimismus bei der jüngeren Generation hervor.

Eine Umfrage des Umweltbundesamtes unter 14- bis 22-Jährigen zeigt, dass zwar 75 Prozent der Befragten den Umwelt- und Klimaschutz für ein wichtiges Thema halten, jedoch gleichzeitig 70 Prozent mit Blick auf die Zukunft pessimistisch eingestellt sind.

Die Definition dieses Zustands wird oft als „Eco-Anxiety“ zusammengefasst, was als chronische Angst vor einem Umweltuntergang beschrieben wird. Diese Sorge wird durch konkrete Wetterereignisse untermauert, wie etwa die Ende Juni 2026 in Waghäusel-Kirrlach gemessene Rekordtemperatur von 41,4 Grad, der höchste jemals in Baden-Württemberg verzeichnete Wert.

Internationale Studien bestätigen das globale Ausmaß dieser Entwicklung. Bereits in einer Lancet-Studie aus dem Jahr 2021 gaben 56 Prozent von 10.000 befragten Kindern und Jugendlichen aus zehn Ländern an, der Aussage zuzustimmen, dass die Menschheit dem Untergang geweiht sei. Eine weitere Untersuchung aus dem Jahr 2025 verdeutlichte zudem, dass über 60 Prozent der jungen Erwachsenen von psychischen Problemen berichteten.

Choice Overload: Stress durch Entscheidungsvielfalt

Parallel zur globalen Krisenwahrnehmung belastet die Fülle an alltäglichen Wahlmöglichkeiten die psychische Resilienz. Fachleute wie Dr. Jennifer Musial von der Universität Duisburg-Essen untersuchen in diesem Zusammenhang das Phänomen des sogenannten „Choice Overload“. Dabei wird zwischen zwei Entscheidungstypen unterschieden: den „Maximizern“ und den „Satisficern“.

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Laut Dr. Musial streben Maximizer stets nach der objektiv besten Option. Da dies bei einer nahezu unbegrenzten Auswahl unmöglich zu erreichen ist, leiden diese Personen verstärkt unter Entscheidungsstress und sind häufiger unzufrieden mit welchen gewählten Lösungen.

Satisficer hingegen geben sich mit einer Option zufrieden, die ihre grundlegenden Kriterien erfüllt, was zu einer geringeren psychischen Belastung führt. Um diesem Stress entgegenzuwirken, wird in Fachpublikationen dazu geraten, Filter zu setzen, Empfehlungen Dritter zu nutzen und bewusste Distanz zu den Entscheidungsprozessen zu schaffen.

Strategien gegen die Polykrisen-Angst

Gegen die Kombination aus individueller Überforderung und der Angst vor globalen Krisen haben sich verschiedene Unterstützungsnetzwerke etabliert. Das Online-Netzwerk „Force of Nature“ aus Großbritannien unterstützt beispielsweise rund 2.000 Studierende aus 50 Ländern dabei, mit der Angst vor sogenannten Polykrisen umzugehen.

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Auch das in Michigan ansässige „Good Grief Network“ hat seine Angebote erweitert und mit dem „GGN-Z“-Programm ein spezielles Format für Teenager geschaffen.

Experten wie die Psychologin Kip betonen in diesem Zusammenhang die Bedeutung von Austausch und gesellschaftlichem Engagement. Aktive Teilhabe und das Gespräch mit Gleichgesinnten könnten helfen, das Gefühl der Ohnmacht gegenüber dem Klimawandel zu verringern und die psychische Widerstandskraft zu stärken. Ziel dieser Ansätze ist es, die individuelle Handlungsfähigkeit trotz der komplexen globalen und persönlichen Herausforderungen wiederherzustellen.

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