EASE-Studie, Wohlbefinden

EASE-Studie ab August: Wohlbefinden statt Kalorienzählen

Veröffentlicht am: 14.07.2026 um 15:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Adipositas-Behandlung setzt zunehmend auf psychologische Faktoren statt reine Gewichtsreduktion. Neue Medikamente und Verfahren erweitern die Optionen.

Adipositas-Therapie im Wandel: Neue Studien und Medikamente
Hände halten sanft einen jungen grünen Pflanzenspross, im unscharfen Hintergrund eine Küche. Symbolisiert intuitives Essen und Wachstum. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Statt Kalorienzählen und schneller Gewichtsreduktion rücken psychologische Faktoren und die biologischen Grenzen des Abnehmens in den Fokus.

EASE-Studie: Wohlbefinden statt Waage

Ein Beispiel für diesen neuen Ansatz ist die EASE-Studie der Justus-Liebig-Universität Gießen. Ab August 2026 startet das Modellprojekt unter Leitung von Prof. Ulrike Gisch mit 40 Teilnehmenden.

Das Programm setzt auf Achtsamkeit und Wohlbefinden – nicht auf reine Gewichtsreduktion. Der gewichtsneutrale Ansatz zielt vor allem darauf ab, Stigmatisierung zu verringern. Zum Vergleich dient der etablierte DGE-Kurs „Ich nehm ab“. Aktuelle Fachbeiträge stützen die These: Intuitives Essen kann eine wirksame Alternative zum klassischen Kalorienzählen sein.

Wenn die Abnehmspritze nicht wirkt

Die Debatte gewinnt an Bedeutung, weil Medikamente wie Semaglutid oder Tirzepatid nicht bei allen Patienten anschlagen. Aktuelle Analysen zeigen: 10 bis 30 Prozent der Behandelten gelten als Non-Responder. Nach sechs Monaten verlieren sie weniger als fünf Prozent Gewicht.

Die Ursachen sind vielfältig:

  • Genetische Veranlagung: Rund 10 Prozent der Betroffenen haben eine PAM-Mutation, die die Wirkung beeinflusst
  • Stoffwechselstörungen: Insulinresistenz und Schlafprobleme mindern den Erfolg
  • Psychologische Faktoren: Emotionaler Hunger bleibt oft bestehen

Zudem reagieren Frauen tendenziell stärker auf die Medikamente als Männer.

Muskelverlust als Nebenwirkung

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Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin warnte im Juli 2026 vor einem weiteren Problem: Sarkopenie – also Muskelverlust – durch die Behandlung mit Ozempic oder Mounjaro. Zwar liegt die Gewichtsreduktion bei 17 bis 20,9 Prozent, doch ohne begleitende Maßnahmen geht ein Teil davon auf Kosten der Muskulatur. Fachleute empfehlen daher Krafttraining und erhöhte Eiweißzufuhr.

Die „Set-Point-Theorie“ untermauert die Komplexität: Der Körper verteidigt ein biologisch verankertes Sollgewicht. Biologische Gegenregulationen führen oft zur Stagnation – ein Argument gegen Radikaldiäten.

Neue Verfahren und rechtliche Fortschritte

Trotz des Fokus auf Verhaltenstherapie schreitet die medizinische Forschung voran. Bei hypothalamischer Adipositas zeigte die Phase-III-Studie TRANSCEND: Der Wirkstoff Setmelanotid senkte den BMI innerhalb von 52 Wochen um 16,5 Prozent. Die Placebo-Gruppe verzeichnete einen Anstieg.

Auch die Medizintechnik macht Fortschritte. Am Universitätsklinikum Mannheim kam im Juli 2026 erstmals in Deutschland das vollautomatisierte Nahtsystem NitiNotes für Endo-Sleeve-Eingriffe zum Einsatz. Das minimalinvasive Verfahren soll Komplikationen bei Magenverkleinerungen reduzieren.

Ein Urteil des Bundessozialgerichts vom 11. Juni 2026 (Az. B 9 SB 1/25 R) erleichtert Betroffenen den Zugang zu Nachteilsausgleichen. Bei Adipositas permagna in Kombination mit Begleiterkrankungen wie Herzrhythmusstörungen oder Kniearthrose können sie nun eher Anspruch auf Vergünstigungen im Nahverkehr und Steuererleichterungen geltend machen.

Neue Diagnostik und Marktentwicklungen

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Für Patientinnen mit dem Syndrom, das bisher als PCOS bekannt war, gibt es ebenfalls Neuigkeiten. Im Frühjahr 2026 benannten 56 Fachgesellschaften das Krankheitsbild in PMOS (Polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom) um. Mitte August 2026 wird die Marktzulassung einer oralen Semaglutid-Tablette erwartet. Die EMA hatte bereits im Mai 2026 eine positive Empfehlung ausgesprochen. Weltweit sind rund 170 Millionen Frauen betroffen.

Die Adipositas-Therapie wird komplexer: Neue Medikamente und Technologien erweitern die Möglichkeiten, doch die psychologische Begleitung bleibt zentral. Eine norwegische Studie, vorgestellt im Mai 2026 in Istanbul, zeigte zwar: Ein schneller initialer Gewichtsverlust führt nicht zwangsläufig zum Jo-Jo-Effekt. Dennoch bleibt die dauerhafte Lebensstiländerung die Grundvoraussetzung für langfristigen Erfolg.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

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