E-Zigaretten: Studie warnt vor Blutdruck und Entzündungsrisiken
Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 03:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftliche Untersuchungen und gesundheitspolitische Debatten rücken zunehmend die systemischen Risiken des E-Zigarettenkonsums in den Fokus. Aktuelle Erkenntnisse weisen darauf hin, dass Vaping nicht nur lokal, sondern auch systemisch wirkt und dabei den Blutdruck sowie allgemeine Entzündungsrisiken steigern kann. Parallel dazu verschärfen sich die rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen für Nikotinprodukte in Europa.
Forschung zu Herz-Kreislauf-Risiken und Entzündungsprozessen
Die medizinische Forschung liefert neue Daten zu den Auswirkungen des Konsums von E-Zigaretten auf das Herz-Kreislauf-System. Während eine Studie des Joint Research Centre (JRC) der EU-Kommission zu dem Ergebnis kam, dass E-Zigaretten im Vergleich zu herkömmlichem Tabak als weniger schädlich einzustufen seien, warnen andere wissenschaftliche Arbeiten vor den langfristigen Folgen. Insbesondere entzündliche Prozesse stehen dabei im Zentrum.
Eine in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Studie des Mount Sinai Krankenhauses mit fast 91.000 Teilnehmenden untersuchte die sogenannte klonale Hämatopoese. Diese tritt bei 25 Prozent der über 70-Jährigen und der Hälfte der über 80-Jährigen auf und begünstigt die Entstehung von Arteriosklerose.
Die Forscher betonten in diesem Zusammenhang, dass ein gesunder Lebensstil, bestehend aus ausreichendem Schlaf und 150 Minuten Bewegung pro Woche, entzündliche Prozesse und damit das Herz-Kreislauf-Risiko senken könne.
Ergänzend dazu veröffentlichte die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) eine neue S3-Leitlinie zu kardiovaskulären Begleiterkrankungen bei entzündlich-rheumatischen Leiden.
Die Daten verdeutlichen die Gefahr chronischer Entzündungen: Bei rheumatoider Arthritis (RA) steigt das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse (MACE) um 55 Prozent, während sich das Risiko bei systemischem Lupus erythematodes (SLE) verdoppelt und bei ANCA-Vaskulitiden sogar mehr als verdreifacht.
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Steuerpolitische Initiativen und Forderungen der Industrie
Auf politischer Ebene plant EU-Gesundheitskommissar Várhelyi eine umfassende Reform der Tabak- und Nikotinsteuer im Rahmen des Mehrjährigen Finanzrahmens (MFR). Ein zentrales Element ist der sogenannte TEDOR-Mechanismus. Dieser sieht vor, 15 Prozent der Tabaksteuereinnahmen der Mitgliedstaaten – was jährlich etwa 11,2 Milliarden Euro entspräche – direkt in den EU-Haushalt abzuführen.
Innerhalb der Branche werden diese Pläne differenziert bewertet. Özlem Dikmen, Deutschlandchefin von Philip Morris, sprach sich in einem Hintergrundgespräch für eine risikobasierte Besteuerung aus. Da in Deutschland etwa 20 Millionen Menschen Tabakzigaretten konsumieren, hänge der Übergang zu rauchfreien Alternativen maßgeblich von der Regulierung und der steuerlichen Einstufung ab.
Der Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE) mahnte ebenfalls eine Steuerpolitik mit Augenmaß an. BVTE-Hauptgeschäftsführer Jan Mücke verwies auf die Problematik des illegalen Marktes.
Laut einer Entsorgungsstudie von Ipsos aus dem Jahr 2025 ist bereits jede fünfte in Deutschland konsumierte Zigarettenpackung nicht im Inland versteuert. Aktuell meldete der Verband zudem den Fund gefälschter Packungen mit deutlichen Kennzeichnungsfehlern.
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Rechtliche Auseinandersetzungen um den öffentlichen Raum
Die Debatte um den Schutz von Nichtrauchern erreicht auch traditionelle Großveranstaltungen. Helmut Feihl führt gemeinsam mit zehn weiteren Personen eine Klage vor dem Verfassungsgerichtshof Baden-Württemberg. Ziel ist ein Rauchverbot in den acht Festzelten des Cannstatter Wasen, der jährlich rund 4 Millionen Besucher anzieht. Als Vorbild dient das Münchner Oktoberfest, auf dem bereits seit 16 Jahren ein striktes Rauchverbot gilt.
Marktentwicklungen und neue Produktsegmente
Trotz der regulatorischen Diskussionen bringen Hersteller neue technische Lösungen auf den Markt. Das Unternehmen Zippo stellte einen mit DMX Labs entwickelten Verdampfer-Einsatz für seine klassischen Gehäuse vor. Der Einsatz verfügt über einen 300-mAh-Akku, wird per USB-C geladen und ist für bis zu 600 Züge ausgelegt. Die Kosten für den Akku-Einsatz sowie für ein Set der zugehörigen Pods liegen bei jeweils 11,90 Euro.
Gleichzeitig wächst der Markt für medizinische Anwendungen. Das BfArM verzeichnete für das erste Quartal 2026 Cannabisblüten-Importe von knapp 68 Tonnen. Während die Zahl der Kassenrezepte leicht um 2,2 Prozent stieg, nehmen Privatrezepte über Online-Portale deutlich zu.
Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann plant hierzu schärfere Regeln, da Experten wie Jakob Manthey von EKOCAN die teils unzureichenden Alterskontrollen bei Online-Bezugsquellen kritisieren. Eine Kostenübernahme für hochdosierte Cannabisextrakte lehnt der GKV-Spitzenverband unterdessen mit Verweis auf offene Rechtsfragen ab.
