E-Bike-Training für Senioren: Polizei übt Bremsen und Schulterblick
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 20:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deMit zunehmendem Alter verändern sich Reaktionszeiten und die körperliche Beweglichkeit, während zugleich der Verkehr auf Straßen und Radwegen dichter wird. Um die Sicherheit im Alltag zu gewährleisten, rücken praktische Trainingsangebote verstärkt in den Fokus.
So absolvierten etwa Mitglieder der ZWAR-Gruppe Werne gemeinsam mit der Polizei ein gezieltes E-Bike-Training. Dabei standen vor allem das kontrollierte Bremsen sowie der Schulterblick im Mittelpunkt, um kritische Situationen im Fahrverkehr frühzeitig zu beherrschen.
Spezifische Herausforderungen für Rad- und E-Bike-Fahrer
Dass eine sichere Fahrpraxis den Unterschied ausmachen kann, verdeutlichen auch frühere Unfallerhebungen. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Recklinghausen und der VHS Dülmen-Haltern-Havixbeck stieg die Zahl der verunglückten Pedelec- und E-Bike-Nutzer von 47 im Jahr 2017 auf 79 im Jahr 2018. Die dort angebotenen Kurse kombinieren Theorie zu Geschwindigkeitsrisiken mit Fahrübungen auf einem Parcours. Wie Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen hervorhob, lässt sich das Unfallrisiko durch eine sichere Handhabung des Rads senken.
Besondere Vorsicht ist in der feuchten Jahreszeit geboten. Einem Fachmedium zufolge kann nasses und verrottendes Laub auf Fahrbahnen rutschiger wirken als loser Schotter. Das Blattwerk bildet eine glitschige Schicht und verdeckt Hindernisse wie Schlaglöcher, Steine oder Wurzeln.
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Zu den Empfehlungen für E-Bike-Nutzer zählen das Bremsen vor Kurven, sanftes Verzögern, das aufrechte Passieren rutschiger Passagen sowie eine verringerte Motorunterstützung auf glattem Grund. Zudem sollten Bremsen, Reifendruck und Profil regelmäßig kontrolliert werden.
Ergänzend rät die Polizeidirektion Trier dazu, Geschwindigkeit anzupassen, funktionierende Beleuchtung sowie Reflektoren zu nutzen und helle Kleidung zu tragen. Bei Glätte solle das Rad besser geschoben werden. Da Kälte die Reichweite von E-Bike-Akkus verringern kann, empfiehlt sich deren Schutz vor niedrigen Temperaturen.
Verkehrsschulungen für Kraftfahrer
Neben dem Zweiradverkehr thematisieren Bildungsträger auch das Führen von Kraftfahrzeugen. Die DRK-Ortsgruppe Ferdinandshof kündigte zwei Verkehrsschulungen für ältere Kraftfahrer an: eine Veranstaltung im Seniorentreff Ferdinandshof sowie einen Termin am 19. November im Begegnungszentrum Liepgarten.
Unter der Leitung des pensionierten Fahrlehrers Alfons Bärwald stehen Gefahren wie Straßenglätte durch Laub, Bucheckern, Kastanien oder Eicheln, Sturmschäden sowie Wildwechsel in der Dämmerung nach der Zeitumstellung auf der Agenda.
Für den 9. November 2026 kündigte zudem die ZWAR-Gruppe Hochdahl ein Basistreffen im AWO-Seniorentreff zum sicheren Fahren im Alter an, bei dem der Kraftfahrsachverständige Hans-Ulrich Sander Aspekte der Selbsteinschätzung und Reaktionsfähigkeit erläutert.
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Internationale Erfahrungen bestätigen den Bedarf: Die norwegische Verkehrsbehörde Statens vegvesen verzeichnet eine hohe Nachfrage nach Auffrischungskursen für über 65-Jährige. Laut norwegischer Polizei zählt Unaufmerksamkeit bei Fahrern ab 75 Jahren zu den wesentlichen Unfallursachen, besonders beim Linksabbiegen infolge fehlerhafter Einschätzungen von Entfernung und Tempo des Gegenverkehrs.
Diskussion über Fahrtauglichkeit und Freiwilligkeit
Die Debatte über die Überprüfung der Fahrtüchtigkeit bleibt dabei präsent. ADAC-Sprecher Christof Tietgen sprach sich gegen pauschale, verpflichtende Führerscheinkontrollen für Senioren aus. Wie Jonas Bohl vom Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern darlegte, erfolgen standardisierte Fahrtüchtigkeitstests anlassbezogen und altersunabhängig; zudem führe die bloße Führerscheinabgabe nicht zum Erlöschen der Fahrerlaubnis.
Die Bereitschaft, auf das Auto zu verzichten, variiert regional stark: Im Landkreis Vorpommern-Rügen gaben im Jahr 2025 insgesamt 69 Personen ihren Führerschein freiwillig ab. Aus Vorpommern-Greifswald wurden rund 15 Fälle geschätzt, in Neubrandenburg gaben 15 vor 1951 Geborene das Dokument ab, und in Wismar verzeichnete die Verwaltung acht Fälle.
Eine Umfrage in Rostock ergab hingegen praktisch keinen altersbedingten Verzicht. Gezielte Schulungen setzen daher vorrangig darauf, das Bewusstsein für die eigenen Fähigkeiten zu schärfen.
