Digitaltag 26. Juni: Kommunen und Mittelstand treiben Transformation
26.05.2026 - 04:26:12 | boerse-global.deAm 26. Juni ist es wieder soweit: Der bundesweite Digitaltag bringt Kommunen, Bildungseinrichtungen und Unternehmen zusammen, um die digitale Kompetenz der Bürger zu stärken. Koordiniert von der Organisation DFA Digital für alle gGmbH, beteiligen sich Stadtverwaltungen, Bibliotheken und Volkshochschulen mit einem breiten Programm – von Künstlicher Intelligenz im Einzelhandel bis hin zu Robotik für Jugendliche.
Kommunen und Bildungseinrichtungen treiben digitale Teilhabe
In Neubiberg hat die VHS Südost eine Vortragsreihe rund um die praktischen Seiten des vernetzten Alltags organisiert. Thomas Gräf, Leiter des Bereichs digitale Teilhabe, betont die Bedeutung sicherer Internetnutzung. Die Themen reichen von Datenschutz über digitales Finanzmanagement bis hin zum digitalen Nachlass – ein Thema, das viele bislang vernachlässigen.
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In der Hauptstadt plant das Seniorennetz Berlin einen Informationsstand im Bitkom-Hof. Der Fokus liegt auf den Bedürfnissen älterer Bürger: Wie können digitale Werkzeuge Freizeit, Kultur und lebenslanges Lernen bereichern? Ähnliche Angebote gibt es in Köln, wo das Silvergaming-Projekt im Stadtteilzentrum Köln-Nippes wöchentlich generationenübergreifende Spieletreffs anbietet. Unterstützt von der Deutschen Fernsehlotterie und der Sparkasse KölnBonn, treffen sich hier Teilnehmer ab zehn Jahren mit Senioren, um spielerisch technisches Selbstvertrauen aufzubauen.
Auch die Hochschulbildung steht im Fokus: Am 22. Juni findet in Essen das University Future Festival statt. Eine hybride Podiumsdiskussion widmet sich innovativen Lernformen und Kooperationen in Nordrhein-Westfalen. Veranstalter sind das Hochschulforum Digitalisierung, die Stiftung für Innovation in der Hochschullehre und der Stifterverband.
Mittelstand setzt auf KI für die Transformation
Der Mittelstand zeigt, wie spezialisierte digitale Lösungen traditionelle Branchen verändern. Die Bergisch Gladbacher Firma WindSoftTech verzeichnet mit ihrer KI-gestützten Kassensoftware ISS-Pos beachtliches Wachstum. Entwickelt für kleine Supermärkte mit Fokus auf Migranten-Communities, erkennt das System Produkte per Kamera und beschleunigt so den Bezahlvorgang.
Die Zahlen sprechen für sich: Über 1.000 Installationen deutschlandweit verarbeiten täglich rund 250.000 Belege. Nach einem Umsatz von etwa 2 Millionen Euro im Jahr 2024 erwartet WindSoftTech für 2026 rund 3 Millionen Euro – bei nur 15 Mitarbeitern. Ein Paradebeispiel für die Effizienz KI-gestützter Geschäftsmodelle im Mittelstand.
Im Raum Aachen wurden am 19. Mai zehn Kandidaten für den digitalPIONEER 2026 ausgewählt. Die Liste umfasst Unternehmen wie aiXbrain, Autoscan, braindinx, DIRKRA, HappyNest, helpwave, IQstruct, meteoviva, Rodriguez und die ZUKE Green Community. Mitte Juni pitchen sie vor einer Jury, fünf Sieger werden beim digitalSUMMIT am 22. September geehrt.
Die Wirtschaftsförderung ist ebenfalls aktiv: Am 24. Mai veranstaltete die WIGOS im Landkreis Osnabrück eine KI-Safari in Melle. Rund 100 Teilnehmer besuchten Workshops zum EU AI Act, zu Automatisierung und digitaler Transformation – organisiert mit dem Zukunftszentrum Nord und Niedersachsen.next.
Der EU AI Act stellt neue Regeln für KI-Systeme auf, die viele Unternehmen noch nicht kennen – insbesondere bei Risiko-Einstufungen. Dieser kostenlose Report klärt auf, was Firmen jetzt konkret tun müssen, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt
Jugendförderung und Gemeinschaftsprojekte
Junge Menschen lernen digitale Konzepte durch praktische Angebote kennen. In Dresden beteiligt sich die Bibliothek Prohlis am Welttag des Spiels am 28. Mai. Ein mobiles Angebot mit Robotik, Programmieren und Gaming macht zwischen Palitzschhof und einer nahegelegenen Schule Station. Die Maker-Spaces sollen Kinder und Jugendliche niedrigschwellig an Technologien wie die Nintendo Switch und programmierbare Roboter heranführen.
Auch Kulturinstitutionen integrieren digitale Themen. Das Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen-Schalke startete das Projekt „The Firm“ mit Nähworkshops unter Leitung von Somaya Alferdawi. Die Termine im Mai und Juni führen hin zur Theaterpremiere am 20. Juni. Das Projekt zeigt: Traditionelles Handwerk und digitale Vernetzung müssen kein Widerspruch sein.
Zwischen Tradition und Moderne: Regionale Meilensteine
Die Digitalisierungswelle trifft auf bedeutende regionale Ereignisse, die das Spannungsfeld zwischen Tradition und Fortschritt verdeutlichen. In Hamburg bereiten sich die Bürger auf ein Referendum am 31. Mai vor: Soll sich die Stadt um die Olympischen Spiele bewerben? Der Senat hat 18 Millionen Euro für Konzept und Werbekampagne bereitgestellt. Befürworter versprechen einen Digital- und Infrastrukturschub, Kritiker warnen vor Milliardenverlusten.
Parallel dazu feiert Hamburg sein Handwerkserbe: Am 3. Juni wird D.H.W. Schultz & Sohn 300 Jahre alt. Gegründet 1726, spezialisiert auf Dachdeckerei, Klempnerei und Brandschutz, gilt der Betrieb mit 50 Mitarbeitern und vier Auszubildenden als ältestes Handwerksunternehmen der Hansestadt. Ein Gegenpol zur Schnelllebigkeit der Digitalbranche – auch wenn solche Traditionsbetriebe längst digitale Werkzeuge für Projektmanagement und Sicherheit nutzen.
Der „Lange Tag der Stadtnatur“ in der Metropolregion Hamburg am 13. und 14. Juni bietet über 250 Veranstaltungen unter dem Motto „Alles fließt“. Anmeldungen starten am 27. Mai. In Tegernsee feiert das E-Werk Tegernsee am 25. Juli sein 130-jähriges Bestehen mit einem inklusiven Sportfest – mit 19 Organisationen und barrierefreien Angeboten für Menschen mit und ohne Behinderung.
Ausblick: Die digitale Landschaft 2026
Die Aktivitäten rund um den Digitaltag 2026 zeigen: Deutschland hat die Phase der reinen Grundversorgung hinter sich gelassen. Der Fokus liegt nun auf sophistizierter Anwendung und inklusivem Zugang. Die Jury-Pitches für die digitalPIONEER-Kandidaten Mitte Juni werden ein Gradmesser für die Gesundheit des Tech-Ökosystems im Rheinland sein.
Die Bandbreite der Themen – von der Automatisierung kleiner Einzelhändler in Bergisch Gladbach bis zu hochkarätigen Bildungsdiskussionen in Essen – macht deutlich: Digitale Transformation ist keine zentrale Industriepolitik mehr, sondern eine dezentrale soziale Bewegung. Der Erfolg dieser Programme wird sich an den Teilnehmerzahlen lokaler Workshops und der langfristigen Nutzung der vermittelten digitalen Kompetenzen messen lassen.
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