Digitalisierungsgesetze, Kabinett

Digitalisierungsgesetze: Kabinett beschließt 445 Mio. Euro Einsparung

Veröffentlicht am: 17.07.2026 um 19:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Zwei Digitalgesetze sollen Bürokratie abbauen und Prozesse modernisieren. Die Reformen sind umstritten und stoßen auf Kritik.

Bundeskabinett verabschiedet GeDIG und Arbeitsförderung 4.0
Abstraktes Bild mit digitalen Datenströmen über einer Platine und schemenhaften menschlichen Silhouetten als Symbol für den Einfluss der Technologie. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Juli 2026 zwei zentrale Digitalisierungsgesetze verabschiedet. Das Gesundheitsdigitalisierungsgesetz (GeDIG) und das Gesetz „Arbeitsförderung 4.0" sollen Bürokratie abbauen und Prozesse modernisieren. Die Einsparungen sind enorm: 445 Millionen Euro jährlich allein im Gesundheitswesen.

GeDIG: Elektronische Patientenakte wird ausgebaut

Das Herzstück der Gesundheitsreform ist die elektronische Patientenakte (ePA). Bis 2027 sollen eine Volltextsuche und digitale Impfausweise kommen. Ab 2029 werden elektronische Überweisungen verpflichtend. Die Regierung verspricht sich davon deutliche Entlastungen für Ärzte und Praxen.

Doch der Vorstoß ist umstritten. Während Verbände wie Bitkom und TMF die Modernisierung begrüßen, schlagen die Bundesärztekammer (BÄK) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) Alarm. Ihre Sorge: Krankenkassen könnten auf zu viele Patientendaten zugreifen. Das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient stehe auf dem Spiel.

Arbeitsförderung 4.0: Schluss mit dem Behördengang

Das zweite Gesetz bringt die Jobcenter ins digitale Zeitalter. Künftig sind Video-Sprechstunden und digitale Anträge möglich. Der Briefkasten wird in vielen Verfahren überflüssig. Die erwarteten Einsparungen: rund 11 Millionen Euro Bürokratiekosten und fast eine Million Arbeitsstunden pro Jahr.

Beide Reformen sind Teil eines größeren Plans: Bis 2029 soll die Bürokratie um 25 Prozent abgebaut werden.

Schattenseiten der Digitalisierung: Überwachung macht krank

Doch die Kehrseite der digitalen Durchdringung wird immer sichtbarer. Gesundheitsexperten wie Dr. Naveen Chandra GS und Psychologin Neha Cadabam berichten von einer wachsenden „Health-App-Erschöpfung". Das ständige Tracken von Schlafdaten und Schritten erzeuge bei vielen Menschen eher Angst als echte Gesundheitsgewinne.

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Die Botschaft der Fachleute: Wearables sind nützlich für spezifische Diagnosen wie Vorhofflimmern oder Sturzerkennung. Doch als Herzinfarkt-Prädiktoren taugen sie nicht. Statt auf Geräte zu starren, sollten Nutzer wieder mehr auf ihr Körpergefühl achten.

Deutsche hinken bei digitalen Kompetenzen hinterher

Ein aktueller Bitkom-Bericht vom 15. Juli offenbart ein grundlegendes Problem: Nur 53 Prozent der Deutschen verfügen über grundlegende digitale Fähigkeiten. Der Verband fordert deshalb ein Bundeszentrum für Digitale Bildung und Informatik als Pflichtfach in den Schulen.

Dass Digitalkompetenz nicht am Alter festzumachen ist, zeigt eine britische Studie von Cognizant und der Digital Poverty Alliance: 40 Prozent der jungen Erwachsenen haben Schwierigkeiten mit Online-Diensten der Behörden. Insgesamt kämpfen 60 Prozent der Briten mit den Login-Prozessen.

KI gefährdet langfristig kritisches Denken

Noch tiefgreifender sind die möglichen kognitiven Folgen der Digitalisierung. Eine US-britische Studie mit über 1.200 Teilnehmern legt nahe: KI-Tools steigern zwar die kurzfristige Leistung, schwächen aber langfristig Ausdauer, kritisches Denken und Gedächtnis. Forscher von Carnegie Mellon und MIT warnen, dass das Delegieren an KI essentielle Lernprozesse blockiert. Einige Anbieter haben bereits Warnhinweise in ihre KI-Assistenten eingebaut.

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