Digitales Banking: Google und Sparkasse starten ID Pass in Europa
14.06.2026 - 05:33:58 | boerse-global.de
Neue Hürden für den Online-Banking-Zugang
Die Zeiten, in denen ein Benutzername und ein Passwort fürs Online-Banking reichten, sind endgültig vorbei. Immer mehr Institute verlangen von Neukunden umfangreiche Identitätsnachweise. Die Peoples Bank in Wisconsin etwa fordert bei der Registrierung die Kontonummer, den letzten Kontoauszug sowie die Sozialversicherungsnummer. Auch die First National Bank Texas setzt auf mehrstufige Verifikation mit Geburtsdatum und Mobilfunknummer.
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KS StateBank geht noch einen Schritt weiter: Neben einer 128-Bit-SSL-Verschlüsselung müssen Kunden ihr Passwort alle sechs Monate ändern. Optional gibt es einen virtuellen Sicherheitstoken, der alle 30 Sekunden einen neuen sechsstelligen Code generiert. Die LINKBANK hat die Zwei-Faktor-Authentifizierung zum Standard für ihr rund um die Uhr verfügbares Mobile-Banking gemacht.
Banking per WhatsApp und digitaler Personalausweis
Die Grenzen zwischen Banking, Kommunikation und Identitätsmanagement verschwimmen zunehmend. Die State Bank of India (SBI) bietet seit Mitte Juni 2026 Banking per WhatsApp an – Kunden können Kontostände abfragen und Kontoauszüge über den Messenger erhalten.
Ein echter Meilenstein steht in Europa bevor: Google kündigte auf der Finanzkonferenz Money20/20 an, dass der ID Pass für Google Wallet in Italien, Frankreich, Irland und Spanien eingeführt wird. Die Sparkasse ist die erste Bank in Europa, die diese Technologie übernimmt. Mittels NFC und biometrischer Verfahren – etwa per Video-Selfie – entsteht ein digitaler Identitätsnachweis, der sicher auf dem Gerät verschlüsselt bleibt.
Modernisierung statt Schließung: Der Weg der Sparkassen
Während reine Online-Banken mit höheren Zinsen und niedrigeren Gebühren locken, setzen traditionelle Institute auf einen Mix aus digitaler Effizienz und persönlicher Beratung. Die Sparkasse Hannover hat erst diese Woche ihre Hauptfiliale in Langenhagen modernisiert: Neue Automaten, barrierefreier Zugang und offene Beratungszonen statt enger Schalterhallen.
Auch der Staat zieht nach. Die Bundesregierung plant eine „digital-only"-Verwaltung mit einem verpflichtenden Bürgerkonto als Weiterentwicklung der BundID. Frühestens 2028 soll es starten und automatische Leistungen wie Kindergeld ermöglichen. Thüringen prescht vor: Ein neuer Verwaltungsvertrag vom Juni 2026 sieht vor, dass fünf zentrale Online-Dienste – darunter Wohngeld und Meldebescheinigung – bis zum 31. März 2027 landesweit verfügbar sein müssen.
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Deepfakes und geknackte Tresore: Die Schattenseiten der Digitalisierung
Die zunehmende Digitalisierung lockt auch Kriminelle an. Das indische Cyber Crime Coordination Centre (I4C) warnte am 12. Juni 2026 vor KI-gesteuertem Identitätsdiebstahl. Deepfakes, Sprachklone und synthetische Identitäten würden genutzt, um Video-Ident-Verfahren zu umgehen. Die Zahlen sind alarmierend: Allein im ersten Quartal 2024 stiegen Deepfake-Vorfälle in Indien um 280 Prozent.
Doch nicht nur digitale Sicherheitslücken bereiten Sorgen. Das Landgericht Essen verhandelt seit Mitte Juni 2026 Zivilklagen nach einem spektakulären Einbruch bei einer Sparkassen-Filiale in Gelsenkirchen-Buer im Dezember 2025. Tausende Schließfächer wurden geplündert, die Kläger fordern Schadenersatz in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro. Die Sparkasse verteidigt ihre Sicherheitsvorkehrungen als branchenüblich – die Anwälte der Opfer stellen genau das infrage.
