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Digitaler Euro: EZB startet Test mit 36 Zahlungsanbietern

Veröffentlicht: 15.07.2026 um 04:21 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die EZB hat 36 Zahlungsdienstleister für die Pilotphase des digitalen Euro benannt. Der Test startet 2027 und soll die europäische Souveränität stärken.

EZB startet Testphase: 36 Dienstleister für digitalen Euro ausgewählt
Tablet mit sicherer Digitalwährungs-Oberfläche, unscharfe Finanzprofis in modernem Büro. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Aus über 50 Bewerbern wählte die EZB 36 Zahlungsdienstleister aus 16 Euro-Ländern aus. Darunter finden sich bekannte Namen wie die Deutsche Bank, Revolut, UniCredit und Stripe. Auch die niederländische Adyen, der Kartenleser-Spezialist SumUp sowie Worldline und Satispay sind mit dabei. Italien stellt mit sieben Teilnehmern die größte Gruppe, gefolgt von Deutschland mit fünf.

Zwölf Monate Testphase

Der zwölfmonatige Pilot startet in der zweiten Jahreshälfte 2027. Getestet wird eine Beta-Version des digitalen Euro – noch ohne offiziellen Status als gesetzliches Zahlungsmittel. Die Erprobung läuft sowohl bei der EZB als auch in 19 nationalen Zentralbanken. Bulgarien und Malta sind vorerst nicht beteiligt.

Im Fokus stehen vier Anwendungsbereiche: Zahlungen von Person zu Person, Transaktionen zwischen Privatpersonen und Unternehmen, E-Commerce sowie das kontaktlose Bezahlen per Tap-to-Pay. Entscheidend ist der Test beider Modi: online und offline. Die EZB will prüfen, ob Zahlungen auch ohne aktive Internetverbindung funktionieren.

EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone zeigte sich zufrieden mit dem großen Interesse: Es belege, dass die Privatwirtschaft für die nächsten Schritte bereit sei. Die teilnehmenden Firmen tragen ihre Kosten übrigens selbst – die EZB zahlt nichts.

Strategische Ziele: Souveränität und Schutz vor Stablecoins

EZB-Präsidentin Christine Lagarde betont immer wieder: Der digitale Euro soll Bargeld ergänzen, nicht ersetzen. Für die Währungshüter geht es vor allem um europäische Souveränität – weg von US-amerikanischen oder chinesischen Zahlungsnetzwerken.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Private digitale Vermögenswerte boomen. Im Januar 2026 erreichte die Marktkapitalisierung von auf Euro lautenden Stablecoins rund 450 Millionen Euro – ein Anstieg um das Neunfache innerhalb von zwei Jahren.

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Während Europa vorprescht, bremst die USA: Dort ist der Federal Reserve eine digitale Version des Dollars per Gesetz bis mindestens Ende 2030 untersagt.

Kritik: Überwachung und programmierbares Geld

Trotz technischer Fortschritte hagelt es Kritik. Organisationen wie Agenda Austria warnen vor einem „gläsernen Bürger": Die Infrastruktur könnte staatliche Überwachung ermöglichen – von der Nachverfolgung einzelner Transaktionen bis hin zur Kontensperrung. Besonders umstritten ist das Konzept des „programmierbaren Geldes", bei dem die Nutzung von Guthaben auf bestimmte Zwecke oder Zeiträume beschränkt werden könnte.

Um die traditionellen Banken zu schützen, denken die Währungshüter über eine Obergrenze von rund 3.000 Euro pro Person nach. Zudem soll der digitale Euro keine Zinsen abwerfen – sonst würde er direkt mit Girokonten konkurrieren.

Zeitplan: Gesetz bis Ende 2026?

Der politische Prozess läuft. Das Europaparlament billigte am 8. Juli seine Verhandlungsposition, nachdem der Wirtschaftsausschuss bereits im Juni zugestimmt hatte. Die Trilog-Verhandlungen zwischen Parlament, Rat und Kommission starteten am 13. Juli.

Die EZB hofft auf einen Gesetzesabschluss bis Ende 2026. Dann könnte die formelle Genehmigung am 1. Januar 2027 erfolgen. Ein möglicher Start für die breite Öffentlichkeit: 2029.

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Kosten: Milliardengrab oder Investition?

Die Kosten bleiben umstritten. Die EZB veranschlagt eigene Entwicklungskosten von 1,3 Milliarden Euro plus jährliche Betriebskosten von 320 Millionen Euro. Branchenschätzungen zufolge könnten die Gesamtkosten für den europäischen Bankensektor jedoch zwischen 18 und 30 Milliarden Euro liegen.

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