Digitale, Souveränität

Digitale Souveränität: Merz und Macron einigen sich auf KI-Standards

Veröffentlicht: 18.07.2026 um 03:05 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Berlin und Paris vereinbaren gemeinsame KI-Sicherheitsstandards und den Ausbau digitaler Infrastruktur als europäische Alternative.

Deutschland und Frankreich: Offensive für Europas digitale Souveränität
Ein leuchtendes digitales Netzwerk, kunstvoll über ein dezentes, elegantes architektonisches Detail eines europäischen Schlosses gelegt, symbolisiert digitale Souveränität. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Deutsch-Französischen Ministerrat in Brühl haben sich Kanzler Friedrich Merz und Präsident Emmanuel Macron auf eine breite Offensive für Europas digitale Souveränität geeinigt.

Künstliche Intelligenz: Gemeinsame Sicherheitsstandards

Ein Kernstück der Vereinbarungen ist die gemeinsame Erklärung zur KI-Sicherheit. Das deutsche KI-Sicherheitsinstitut und das französische INESIA werden künftig eng zusammenarbeiten. Ziel ist es, einheitliche Sicherheitsstandards für Künstliche Intelligenz zu schaffen, die als europäische Alternative zu den dominierenden US-amerikanischen und chinesischen Ökosystemen dienen sollen.

Die Minister Dr. Wildberger, Dobrindt und Anne Le Hénanff betonten, dass die Kooperation die Arbeit des bestehenden EU-KI-Büros ergänzt und die europäische „Frontier AI"-Initiative unterstützt. Dahinter steckt die Vision eines „europäischen souveränen digitalen Rückgrats" – einer digitalen Infrastruktur aus europäischer Hand.

Satelliten und Rechenzentren: Die physische Basis

Im Bereich der Raumfahrt verständigten sich beide Länder auf die Leitlinien für IRIS², Europas geplantes Satellitennetzwerk in mehreren Umlaufbahnen. Eine hochrangige Arbeitsgruppe soll die Zusammenarbeit im Weltraumsektor koordinieren, insbesondere beim Management des MSS-2-GHz-Frequenzspektrums.

Doch der Gipfel beschränkte sich nicht auf den Himmel. Auch auf der Erde wollen Deutschland und Frankreich enger kooperieren – beim Bau von Rechenzentren und Hochleistungsrechnern. Gemeinsam wollen sie das kommende EU-Paket zur Technologiesouveränität vorantreiben, das unter anderem die Initiativen GAIA-X und lokale Chip-Produktion stärken soll.

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Quanten und Kernfusion: Forschung für die Zukunft

Die Minister einigten sich zudem auf gemeinsame Positionspapiere zum Europäischen Quantengesetz und einer gemeinsamen Erklärung zur Kernfusion. Diese Dokumente sollen die nationalen Forschungsagenden aufeinander abstimmen und die Finanzierung für die nächste Generation von Energie- und Computertechnologien im EU-Haushalt 2028-2034 sichern.

Digitales Schlachtfeld: Verteidigung neu gedacht

Parallel zum Ministerrat tagte der Deutsch-Französische Verteidigungs- und Sicherheitsrat. Im Fokus stand die Digitalisierung des Gefechtsfelds. Beide Nationen wollen eine „Gefechtswolke" (Combat Cloud) entwickeln und die Weltraum-Interoperabilität für gemeinsame Einsätze verbessern.

Großprojekte wie das Main Ground Combat System (MGCS) und eine neue Langstreckenwaffe mit einer Reichweite von 2.500 Kilometern – entwickelt gemeinsam mit Großbritannien – werden künftig nach diesen neuen digitalen Standards gebaut.

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China: Gemeinsame Strategie gegen Handelsdefizit

Auch die wirtschaftlichen Dimensionen der digitalen Souveränität standen auf der Agenda. Merz und Macron kündigten an, bis September eine gemeinsame Roadmap zu chinesischen Handelspraktiken vorzulegen. Macron plädierte für ein stärkeres EU-Mandat zur Durchführung von Marktuntersuchungen. Merz bezeichnete das wachsende Handelsdefizit mit China als zentrale Sorge für die industrielle Zukunft Europas.

Um die Kontinuität der Projekte auch bei politischen Wechseln zu sichern, sagte Merz eine enge Zusammenarbeit mit künftigen französischen Regierungen zu. Der Rat endete mit der Bekräftigung, die europäische Wettbewerbsfähigkeit durch die Vertiefung der Kapitalmarktunion und einen schlankeren, auf technologische Innovation fokussierten EU-Haushalt voranzutreiben.

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