Digitale, Gesundheit

Digitale Gesundheit: Studie zeigt nur 10% ePA-Nutzung in Deutschland

Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 15:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der GKV-Spitzenverband verabschiedete ein Digitalpapier, während Studien geringe ePA-Nutzung und begrenzte Effekte einzelner Gesundheits-Apps zeigen.

GKV-Spitzenverband fordert mehr Evidenz für digitale Pflege
Ein steriler, leerer Krankenhausraum mit moderner Medizintechnik und dunklen Bildschirmen bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Im Rahmen einer strategischen Neuausrichtung hat der GKV-Spitzenverband Ende August 2026 ein Positionspapier unter dem Titel „Mehr Digitalisierung für eine zukunftsfeste Pflege“ verabschiedet. Das Papier definiert zentrale Handlungsfelder, um die pflegerische Versorgung durch technologische Innovationen zu sichern.

Zu den Kernpunkten gehören der Ausbau der Telepflege, die Integration der elektronischen Patientenakte (ePA) in Pflegeprozesse sowie die Forderung nach evidenzbasierten Nutzennachweisen für digitale Anwendungen. Die Finanzierung dieser Transformation soll nach Vorstellungen des Verbandes in geteilter Verantwortung erfolgen.

Herausforderungen bei der Implementierung digitaler Gesundheitsanwendungen

Trotz der politischen Bestrebungen zeigen aktuelle Daten aus dem Sommer 2026, dass die klinische Wirksamkeit und die tatsächliche Nutzung digitaler Anwendungen oft hinter den Erwartungen zurückbleiben. Ein Beispiel hierfür ist die Paro-ComPas-App, für die der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) im Juli 2026 keine Empfehlung für die Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aussprach.

Eine Multicenterstudie an sieben Universitätskliniken mit 194 Teilnehmenden kam zu dem Ergebnis, dass die parodontaltherapeutische App keinen zusätzlichen Therapieeffekt erzielte. Die Nutzungsrate war signifikant niedrig: Im Median wurden lediglich 5 von 59 verfügbaren Artikeln (8,5 Prozent) aufgerufen.

Das Projekt war zuvor mit einer Summe von 891.000 Euro gefördert worden. Diese Befunde unterstreichen die Forderung des GKV-Spitzenverbandes nach strengeren, evidenzbasierten Kriterien für die Zulassung digitaler Tools.

Akzeptanzbarrieren und sozioökonomische Faktoren der ePA

Die flächendeckende Einführung digitaler Instrumente wie der elektronischen Patientenakte (ePA) ist zudem von erheblichen Akzeptanzhürden geprägt. Eine im August 2026 veröffentlichte Studie der Universität Jena, basierend auf 1.297 Interviews, beziffert die aktuelle ePA-Nutzung auf lediglich 10 Prozent. Bei der digitalen Rentenübersicht liegt die Quote mit 6 Prozent noch niedriger.

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Die Untersuchung macht eine deutliche Abhängigkeit vom Bildungsgrad und Einkommen sichtbar. Während bei Personen mit Hauptschulabschluss nur 5 Prozent mindestens ein digitales Angebot nutzen, sind es bei Hochschulabsolventen 14 Prozent.

Statistisch steigt die Nutzungswahrscheinlichkeit pro 1.000 Euro zusätzlichem Einkommen um 20 bis 30 Prozent. Ein wesentliches Hindernis bleibt die Technik: Rund 50 Prozent der Befragten scheitern bereits im Registrierungsprozess.

Digitale Patientensteuerung und Erwartungsmanagement

Parallel zur Pflege-Digitalisierung rückt die Effizienz der ambulanten Steuerung in den Fokus. Eine YouGov-Umfrage von Ende Juli 2026 mit 2.032 Befragten zeigt, dass 71 Prozent der Versicherten Schwierigkeiten bei der Suche nach freien Arztterminen haben. 58 Prozent empfinden den Prozess als zu zeitaufwendig.

Die Erwartungen an digitale Lösungen sind hoch: 73 Prozent der Befragten würden ein zentrales Online-Portal nutzen, 74 Prozent wünschen sich einen besseren Überblick über verfügbare Termine. Erste Krankenkassen reagieren auf diesen Bedarf. Die SBK integrierte beispielsweise im Juli 2026 den 116117-Terminservice direkt in ihre eigene App, um den Zugang zur Versorgung zu vereinfachen.

Produktivitätssteigerung und psychologische Aspekte digitaler Arbeit

Neben dem Gesundheitssektor wirkt sich die Digitalisierung massiv auf die Arbeitswelt aus. Eine gemeinsame Studie unter Beteiligung der Techniker Krankenkasse belegt, dass ein Homeoffice-Anteil von bis zu 60 Prozent die Produktivität um 20 Prozent steigern kann.

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Führungsexperten weisen jedoch darauf hin, dass die Akzeptanz flexibler Arbeitsmodelle auch von der Persönlichkeitsstruktur der Entscheider abhängt. Eine Langzeitstudie der Wharton School über sechs Jahre deutet darauf hin, dass narzisstische Führungsmuster die Ablehnung von Homeoffice-Lösungen begünstigen können, da hier ein höheres Bedürfnis nach Macht und direkter Kontrolle bestehe.

Im Bereich der psychischen Gesundheit wird die Rolle der Künstlichen Intelligenz (KI) kritisch diskutiert. Daten der Stiftung Deutsche Depressionshilfe zeigen, dass 69 Prozent der Menschen mit diagnostizierter Depression bereits Chatbots für psychische Probleme genutzt haben. In akuten Phasen liegt dieser Wert sogar bei 76 Prozent.

Obwohl 85 Prozent der Betroffenen diese Gespräche als hilfreich empfanden, warnen Mediziner wie die Chefärztin Carolin Göhre vor der Gefahr, KI als vollwertigen Ersatz für eine professionelle Psychotherapie zu betrachten. Die Technologie könne allenfalls eine Ergänzung sein, da die menschliche Interaktion in der Therapie essenziell bleibe.

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