Digitale Gesundheit: DiGA-Preise seit 2020 um 50 Prozent gestiegen
07.06.2026 - 06:05:53 | boerse-global.de
Gesetzliche und private Krankenkassen setzen verstärkt auf Angebote für die mentale Gesundheit – und stehen vor Herausforderungen.
Systemische Therapie: Erstes neues Verfahren seit 30 Jahren
Seit dem 1. Juli 2020 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für Systemische Therapie bei Erwachsenen. Voraussetzung: Die medizinische Notwendigkeit muss festgestellt sein.
Es ist das erste neue Therapieverfahren in der Regelversorgung seit mehr als drei Jahrzehnten. Grundlage waren Untersuchungen des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) und des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Sie belegten die Wirksamkeit unter anderem bei Depressionen, Suchterkrankungen und Angststörungen.
Digitale Helfer: Apps auf Rezept boomen
Parallel zur klassischen Therapie gewinnen digitale Angebote an Bedeutung. Seit August 2021 können Kassen die Anti-Stress-App „Pocketcoach“ als Präventionsmaßnahme bezuschussen. Die Zentrale Prüfstelle Prävention (ZPP) hat entsprechende Kurse zertifiziert. Bis zu 100 Euro jährlich sind drin.
Die App richtet sich an Versicherte mit Einschlafstörungen oder Panikattacken – ist aber kein Ersatz für eine klassische Therapie.
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Auch private Versicherer ziehen mit. Die HanseMerkur hat die Schmerztherapie-App „HELP“ im Angebot. Sie richtet sich an Vollversicherte mit chronischen Schmerzen ohne klaren körperlichen Befund. Das Programm basiert auf der Pain Reprocessing Therapy (PRT) – einer verhaltenstherapeutischen Methode. 24 Module über 90 Tage.
Spezielle Angebote für bestimmte Lebensphasen
Die Mobil Krankenkasse übernimmt seit September 2025 die Kosten für ein digitales Programm gegen Wechseljahresbeschwerden. Das sechsmonatige Angebot kombiniert Video-Lektionen, Tele-Coachings und Online-Masterclasses. Ziel: eine frühzeitige Versorgung sicherstellen.
Kritik an den Preisen: Apps werden immer teurer
Die Techniker Krankenkasse (TK) schlägt Alarm: Die Preise für digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) sind seit 2020 um fast 50 Prozent gestiegen. Lag der Durchschnittspreis damals bei 418 Euro, waren es 2023 bereits 628 Euro. Spitzenreiter: Apps gegen Multiple Sklerose für bis zu 2.077 Euro.
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TK-Vorstandschef Jens Baas fordert eine wirksamere Regulierung der Preisbildung. Die TK rechnete bis Ende 2023 über 100.000 DiGA ab. Zwei Drittel der Nutzer sind weiblich, das Durchschnittsalter liegt bei 45 Jahren.
Neue Budgets für digitale Pflegeanwendungen
Seit dem 1. Januar 2026 haben Pflegebedürftige mit anerkanntem Pflegegrad Anspruch auf finanzielle Unterstützung für digitale Pflegeanwendungen (DiPA). Das monatliche Budget: bis zu 70 Euro. Davon entfallen bis zu 40 Euro auf die Anwendung selbst, bis zu 30 Euro auf ergänzende Unterstützungsleistungen.
Voraussetzung: Die App muss im offiziellen Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gelistet sein. Problem: Bisher ist dort noch keine einzige App eingetragen. Hardware wie Tablets ist nicht im Budget enthalten.
Klassische Therapie unter Druck: Honorare sinken
Während die digitalen Angebote wachsen, steht die Finanzierung der klassischen Psychotherapie unter Druck. Das Bundesgesundheitsministerium hat eine Absenkung der Honorare um 4,5 Prozent nicht beanstandet.
Die Präsidentin der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), Dr. Andrea Benecke, kritisierte die Entscheidung scharf. Sie warnt vor einer Schwächung der Versorgungsstrukturen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat Klage vor dem Landessozialgericht Berlin-Brandenburg eingereicht.
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