Diabetes und Infektionen: 337% höheres Risiko bei Typ-1-Diabetikern
12.06.2026 - 10:55:35 | boerse-global.de
Bereits im Vorstadium steigt die Gefahr.
Eine Untersuchung der City University St George’s London zeigt drastische Unterschiede. Die im Fachjournal „Diabetes“ veröffentlichte Studie wertete Daten von über 33.900 Typ-1- und 527.100 Typ-2-Diabetikern aus – im Vergleich zu einer gesunden Kontrollgruppe.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Typ-1-Diabetiker haben eine um 337 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für krankenhauspflichtige Infektionen. Bei Typ-2-Diabetes liegt die Steigerung bei 91 Prozent. Besonders alarmierend: Selbst Menschen mit Prädiabetes tragen ein um 33 Prozent erhöhtes Risiko.
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Lungenentzündung als Hauptrisiko
Als häufigste Ursache für Krankenhausaufenthalte identifizierten die Forscher Infektionen der unteren Atemwege – vor allem Lungenentzündungen. Studienleiterin Professor Julia Critchley fordert daher, das Infektionsrisiko als festen Bestandteil der Diabetesbehandlung zu verankern.
Sepsis: Die Gefahr aus dem Mund
Doch die Risiken beschränken sich nicht auf die Atemwege. Die Sepsis-Stiftung warnte in einer Mitteilung vor den lebensbedrohlichen Folgen von Infektionen im Mundraum. In Deutschland sterben jährlich rund 140.000 Menschen an einer Blutvergiftung.
Diabetes gehört neben Herzklappenerkrankungen zu den Faktoren, die das Risiko einer Bakteriämie erhöhen – der Einschwemmung von Bakterien in die Blutbahn. Experten empfehlen Diabetikern vor zahnärztlichen Eingriffen antiseptische Mundspülungen zur Vorbeugung.
Spezialisierte Kliniken als Lösung
Das Vinzenz Pallotti Hospital in Bensberg zeigt, wie strukturierte Betreuung funktioniert. Die Klinik wurde von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) erneut zertifiziert. Rund 20 Prozent der stationären Patienten weisen Diabetes-bezogene Komplikationen auf.
Fachübergreifende Teams aus Ärzten, Diabetesberatern und Wundassistenten senken nachweislich die Sterblichkeit und verkürzen die Liegedauer. Entscheidend ist ein frühzeitiges Eingreifen bei Blutzuckerwerten über 200 mg/dl – das verbessert die Wundheilung und vermeidet Infektionskomplikationen.
Neue Therapien: Metformin gegen Long-COVID
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) gab den Off-Label-Use von Metformin zur Prophylaxe bei Long- und Post-COVID frei – für Patienten mit einem BMI über 25. Das unterstreicht die wachsende Bedeutung von Diabetes-Medikamenten bei Infektionsfolgen.
Genetische Hürden bei Ozempic & Co.
Doch nicht jeder profitiert gleichermaßen von modernen GLP-1-Präparaten wie Ozempic oder Wegovy. Daten der Stanford University zeigen: Rund zehn Prozent der Bevölkerung tragen eine Variante des Enzyms PAM, die zu einer GLP-1-Resistenz führt. Diese Patienten erreichen seltener ihre Blutzuckerziele – ein instabiler Stoffwechsel schwächt die Immunabwehr.
Forscher der Washington University gehen sogar unkonventionelle Wege: Sie präsentierten Ergebnisse zu genetisch veränderten Hakenwürmern, die als Proteinlieferanten bei chronischen Entzündungen und Diabetes dienen könnten.
Spitzenleistung trotz Diabetes
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Dass die Erkrankung keine Grenzen setzen muss, bewies Tennisprofi Alexander Zverev. Mit seinem Sieg bei den French Open wurde er zum ersten Diabetiker mit einem Grand-Slam-Titel. Zverev lebt seit seinem vierten Lebensjahr mit Typ-1-Diabetes, injizierte während des Turniers auf dem Platz Insulin und kämpfte mit Dehydrierung – eine besondere Herausforderung für Diabetiker.
Forschung unter Druck
Trotz solcher Erfolge bleibt die systemische Herausforderung gewaltig. Der Jahreskongress der American Diabetes Association (ADA) in New Orleans wurde von Protesten und Rücktritten überschattet. Wissenschaftler kritisierten die Kürzung von Forschungsgeldern in den USA. Die zurückgetretene designierte ADA-Präsidentin Jennifer Green betonte: Eine kontinuierliche Finanzierung sei essenziell, um die komplexen Zusammenhänge zwischen Diabetes und Infektionskrankheiten weiter zu entschlüsseln.
