Diabetes-Tests: Zwei einfache Verfahren erreichen 87 Prozent Sensitivität
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 23:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie diabetische sensomotorische Polyneuropathie stellt eine der häufigsten und schwerwiegendsten Folgeerkrankungen von Stoffwechselstörungen dar. Dennoch bleibt die Nervenschädigung im klinischen Alltag oft lange unbemerkt.
In der Fachzeitschrift Diabetes Therapy formulierten elf malaysische Endokrinologen einen umfassenden Expertenkonsens, wie ein Bericht vom 25. Oktober 2026 darlegt. Das Papier umfasst 61 Statements und liefert detaillierte Vorgaben für das systematische Screening, die Diagnostik sowie therapeutische Maßnahmen.
Diskrepanz zwischen Symptomen und Diagnosen
Schätzungen zufolge betrifft die diabetische sensomotorische Polyneuropathie weltweit 30 bis 50 Prozent aller Diabetespatienten. Für Malaysia belegen Untersuchungen ein vergleichbares Ausmaß der Erkrankungshäufigkeit. Trotz dieser hohen Prävalenz offenbaren regionale Daten eine erhebliche diagnostische Lücke.
So wiesen Erhebungen aus zwei urbanen Kliniken in Malaysia nach, dass 49,9 Prozent der dortigen Diabetespatienten einen positiven Wert im Neuropathy Symptoms Score aufwiesen. Eine formelle Diagnose für diabetische sensomotorische Polyneuropathie hatten in diesem Patientenkollektiv jedoch lediglich 0,2 Prozent erhalten. Dieses Missverhältnis verdeutlicht den dringenden Bedarf an verbindlichen Leitlinien für die Primärversorgung.
Klare Vorgaben für Screening und Diagnostik
Um Betroffene früher zu erfassen, sprachen sich die elf Fachmediziner für ein jährliches Screening aller Diabetiker aus. Dieses Verfahren solle ausdrücklich auch bereits bei Personen mit Prädiabetes zur Anwendung kommen.
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Für die praktische Untersuchung am Krankenbett raten die Endokrinologen zum kombinierten Einsatz von mindestens zwei einfachen Tests. Zur Auswahl stehen dabei das Monofilament, eine 128-Hz-Stimmgabel, der Nadelstichtest, Temperaturprüfungen sowie die Überprüfung des Achillessehnenreflexes.
Bei der Kombination dieser Verfahren erreichen die klinischen Tests gemeinsam eine Sensitivität von etwa 87 Prozent. Dagegen erteilte die Expertengruppe für spezialisierte apparative Verfahren wie DPNCheck oder Sudoscan keine Empfehlung für die Routineversorgung.
Glykämische Kontrolle und Grenzen der Schmerztherapie
Im Zentrum der kausalen Behandlung steht nach Einschätzung der Fachleute die konsequente Optimierung des Blutzuckerspiegels. Die therapeutische Wirkung unterscheidet sich dabei je nach Diabetesform erheblich: Bei Typ-1-Diabetes lässt sich unter Verweis auf die DCCT/EDIC-Daten eine Risikoreduktion für diabetische sensomotorische Polyneuropathie von bis zu 78 Prozent erzielen. Bei Typ-2-Diabetes liegt die relative Risikoreduktion durch Blutzuckereinstellung hingegen im Bereich von 5 bis 9 Prozent.
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Treten neuropathische Schmerzen auf, stützt sich die empfohlene medikamentöse Therapie primär auf Gabapentinoide, Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) sowie trizyklische Antidepressiva. Den Einsatz von Opioiden einschließlich Tramadol lehnten die elf Endokrinologen hingegen stark ab.
Deren Anwendung solle strikt auf Fälle mit schwerem akutem Schmerz begrenzt bleiben und eine Dauer von weniger als drei Monaten nicht überschreiten. Zusätzliche Substanzen wie Alpha-Liponsäure in einer Dosis von 600 mg pro Tag sowie Benfotiamin stuften die Verfasser des Konsenses ausschließlich als adjunktive Behandlungsoptionen ein.
