Diabetes-Prävention: 560 Minuten Bewegung senken Herzrisiko um 30%
28.05.2026 - 05:00:50 | boerse-global.deDas belegt eine neue Studie im British Journal of Sports Medicine, die auf dem 60. Deutschen Diabetes-Kongress in Berlin vorgestellt wurde.
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Deutlich mehr Bewegung nötig als bisher empfohlen
Die Beobachtungsstudie wertete Daten von über 17.000 Teilnehmern der britischen Biobank aus. Ergebnis: 560 bis 610 Minuten moderate bis intensive Bewegung pro Woche senken das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und Herzversagen um mehr als 30 Prozent.
Das übertrifft die bisherigen WHO-Empfehlungen deutlich. Die Organisation rät zu mindestens 150 Minuten Bewegung pro Woche. Laut Studie erreicht dieses Pensum aber nur eine Risikoreduktion von 8 bis 9 Prozent.
Das Problem: Derzeit erreichen nur rund 12 Prozent der Erwachsenen das neu vorgeschlagene Aktivitätsniveau. Für Menschen mit geringerer Grundfitness könnte das benötigte Pensum sogar noch 30 bis 50 Minuten höher liegen.
Lebensstil schlägt Gene
Auf dem Kongress präsentierten Experten zudem eine Langzeitstudie mit 332.000 Teilnehmern über 14 Jahre. Die Erkenntnis: Ein ungesunder Lebensstil erhöht das Diabetes-Risiko um das Siebenfache. Genetische Veranlagungen steigern es dagegen nur um das 2,6-Fache.
Stärkster Einzelfaktor ist der Body-Mass-Index (BMI). Er kann das Risiko um das 8,84-Fache erhöhen. Fachleute gehen davon aus, dass über 50 Prozent der Neuerkrankungen durch Verhaltensänderungen vermeidbar wären.
Neben der Bewegung spielt die Ernährung eine zentrale Rolle. Die PREDIMED-Plus-Studie belegte: Eine kalorienreduzierte Mittelmeerdiät in Kombination mit Bewegung senkt das Diabetes-Risiko um 31 Prozent. Daten der NutriNet-Santé-Studie zeigen zudem, dass bestimmte Konservierungsstoffe wie E202, E224 und E250 das Risiko für Bluthochdruck um 29 Prozent steigern.
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Fortschritte in der Therapie
Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) empfahl kürzlich die Zulassung von Semaglutid in Tablettenform zur Adipositas-Behandlung. Eine Phase-III-Studie mit über 300 Patienten über 64 Wochen erzielte einen Gewichtsverlust von rund 13,6 Prozent.
Gleichzeitig warnen Wissenschaftler der Yale-Universität vor älteren Präparaten. Eine Analyse von über 130 klinischen Studien zu Rosiglitazon ergab ein um 33 Prozent erhöhtes Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse. Das Medikament ist in Europa bereits suspendiert.
Bessere Versorgung durch strukturierte Programme
Eine Untersuchung der Technischen Universität München zu einem Diabetes-Programm der Krankenkasse DAK liefert positive Ergebnisse. Die Analyse von 16.500 Datensätzen aus den Jahren 2015 bis 2018 belegte: Teilnehmer hatten eine um 12 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit für Krankenhausaufenthalte. Das Programm mit rund 90.000 eingeschriebenen Versicherten erwies sich innerhalb eines Jahres als kostenneutral.
Neue Ansätze: Essenszeiten und Zellalterung
Die ChronoFast-Studie beobachtete bei einem frühen Essensfenster zwischen 8 und 16 Uhr eine signifikante Abnahme von Lipidarten, die als kardiovaskuläre Risikomarker gelten. In der Grundlagenforschung am Leibniz-Institut für Alternsforschung in Jena entdeckten Wissenschaftler zudem einen Zusammenhang zwischen alternden Mitochondrien und niedrigen Phosphatidylcholin-Werten bei Diabetes-Patienten – was die Energieverteilung im Körper beeinträchtigen kann.
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