Deutsche Bahn: 23 Milliarden Euro für Digitalisierung 2026
17.06.2026 - 19:19:43 | boerse-global.de
Berlin – Das milliardenschwere Digitalisierungsprojekt der Deutschen Bahn könnte neue Unterstützung bekommen. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder lässt prüfen, ob die Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft (MIG) künftig den 5G-Ausbau entlang der Schienen vorantreiben soll.
Die Prüfung, über die am heutigen Mittwoch berichtet wurde, ist Teil eines ehrgeizigen nationalen Vorhabens: Bis 2035 müssen auf rund 33.000 Kilometern Gleis sowohl 5G als auch das neue digitale Bahnfunk-System FRMCS (Future Railway Mobile Communication System) installiert sein. Eine gewaltige Aufgabe – und eine teure.
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MIG vor neuer Aufgabe
Die in Naumburg ansässige MIG war eigentlich für die Abwicklung zum Ende des Jahres 2025 vorgesehen. Doch der Koalitionsvertrag von Union und SPD sicherte den Fortbestand der Behörde. Nun könnte sie eine deutlich größere Rolle spielen als ursprünglich geplant.
Konkret geht es darum, die Lücken in der 5G-Versorgung entlang der Gleise zu schließen und den Umstieg auf das neue Bahnfunk-System zu koordinieren. Das Ministerium setzt offenbar auf eine Bündelung der technischen Expertise – ein klarer Kurswechsel hin zu mehr Zentralisierung.
Rekordinvestitionen für 2026 angekündigt
Die Digitalisierungsoffensive fällt in eine Zeit massiver finanzieller Anstrengungen. Die Deutsche Bahn hat für 2026 Rekordinvestitionen von über 23 Milliarden Euro angekündigt. Zum Vergleich: 2025 waren es rund 19 Milliarden Euro – damals wurden 2.300 Kilometer Gleis erneuert und 60 neue Stellwerke in Betrieb genommen.
Für das kommende Jahr rechnen die Verantwortlichen mit rund 28.000 Baustellen im gesamten Netz. Der Bund drängt auf zusätzliche Mittel für Neu- und Ausbauprojekte. Die endgültige Entscheidung über den Haushaltsentwurf 2027 fällt voraussichtlich am 6. Juli im Bundeskabinett.
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Wo die Netzbetreiber stehen
Die Mobilfunkanbieter kommen beim Ausbau entlang der Schienen unterschiedlich schnell voran:
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Telekom: Stolze 96,1 Prozent der deutschen Bahnstrecken sind demnach bereits mit 5G versorgt. Für die kommenden vier Jahre plant das Unternehmen, die Flächenabdeckung um vier Prozentpunkte zu steigern. Allein 2026 sind 384 neue Stationen und über 2.200 Modernisierungen vorgesehen.
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Vodafone: Auf der prestigeträchtigen Strecke Hamburg–Berlin erreichen 92 Prozent der Abschnitte nominell Geschwindigkeiten von 225 Mbit/s oder mehr. Klingt gut – doch die Praxis sieht oft anders aus.
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O2 Telefónica: Der Anbieter steckt noch in der Grundlagenforschung. Das Projekt „5G am Gleis" läuft mit Tests, die voraussichtlich bis Ende 2026 dauern. Erste Versuche unter realen Bedingungen sollen 2027 beginnen.
Berlin–Hamburg: Renoviert, aber nicht pünktlich
Trotz dieser Fortschritte: Die Fahrgäste auf der Strecke Berlin–Hamburg erleben gerade eine herbe Enttäuschung. Die Linie wurde nach zehnmonatiger Sanierung wiedereröffnet – doch nun kommt es zu Verspätungen von bis zu 30 Minuten. Grund ist ein neues Zugsicherungssystem, das noch nicht vollständig funktioniert. Die Tests sollen bis Ende Juni laufen. Kein Wunder also, dass die Geduld der Pendler auf eine harte Probe gestellt wird.
Blick über den Tellerrand
Während Deutschland an seinem 33.000-Kilometer-Ziel arbeitet, machen andere Länder vor, wie es geht. In Großbritannien haben O2 und Cellnex auf der Brighton Main Line einen Vertrag über 25 Jahre mit Network Rail geschlossen. Das Ziel: 99 Prozent Abdeckung auf dieser Strecke, die täglich über 300.000 Passagiere nutzt. 130 Kilometer Glasfaserkabel und 39 Antennensysteme werden dafür installiert. Ein Projekt, das zeigt: Der internationale Wettlauf um 5G am Gleis hat längst begonnen.
