Depressionen, Jugendlichen

Depressionen bei Jugendlichen: 30 Prozent Anstieg in fünf Jahren

17.06.2026 - 09:30:18 | boerse-global.de

Depressionen gelten als eigenständiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Aktuelle Forschung zeigt genetische Parallelen und hohe gesellschaftliche Kosten.

Depression als Herzrisiko: Neue Studien belegen Zusammenhang
Depressionen - Eine nachdenkliche Person hält sich die Brust, mit einer subtilen Überlagerung eines Herz- oder neuronalen Musters, das die Verbindung zwischen Geist und Herz symbolisiert. 17.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Sie gelten inzwischen als eigenständiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – vergleichbar mit Rauchen oder Bluthochdruck. Das belegen aktuelle Studien und Datenanalysen.

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Die Psyche schlägt aufs Herz – und umgekehrt

Die Wechselwirkung zwischen Psyche und Herz verläuft in beide Richtungen. Depressive Störungen erhöhen das Risiko für Herzerkrankungen. Gleichzeitig entwickeln 20 bis 30 Prozent der Menschen nach einem Herzinfarkt depressive Verstimmungen.

Ein extremes Beispiel ist das Broken-Heart-Syndrom. Stresshormone lähmen dabei vorübergehend Teile des Herzmuskels. Das zeigt: Emotionale Belastung und Herzfunktion sind physiologisch eng gekoppelt.

Auch genetisch gibt es Überschneidungen. Eine internationale Großstudie unter Federführung der Universitätsmedizin Würzburg vom Juni 2026 identifizierte 74 genetische Marker für Angstsymptome. Die Forscher fanden starke genetische Parallelen zu Depressionen und zur koronaren Herzkrankheit.

Hohe Kosten – und sinkende Lebenserwartung

Die gesellschaftlichen Folgen sind enorm. Laut einer OECD-Studie mit Daten von 2023 war fast jede fünfte Person in der EU von einer psychischen Erkrankung betroffen. Die drei häufigsten Diagnosen – Angststörungen, Depressionen und Alkoholabhängigkeit – führen EU-weit zu rund 28.000 vorzeitigen Todesfällen pro Jahr.

In Deutschland verkürzt sich die Lebenserwartung der Betroffenen um durchschnittlich 3,2 Jahre. Die Kosten für das Gesundheitssystem sind immens: Für 2020 wurden Ausgaben für psychische Störungen in Höhe von rund 56,4 Milliarden Euro beziffert.

Hinzu kommen indirekte Effekte. Die geringere Erwerbsbeteiligung aufgrund psychischer Leiden könnte bis 2050 zu einem jährlichen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 1,7 Prozent führen.

Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei jungen Menschen. Zwischen 2018 und 2023 stieg die Zahl diagnostizierter Depressionen bei den 5- bis 24-Jährigen in Deutschland um 30 Prozent – auf über 400.000 Fälle. Eine Studie der Universität Leipzig vom Mai 2026 zeigt zudem: Depressionen sind bereits im Alter zwischen 20 und 39 Jahren ein Risikofaktor für spätere kognitive Beeinträchtigungen und Demenz.

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Medikamente: Fortschritt und Risiko

Die Behandlung von Depressionen erfordert eine sorgfältige Abwägung. Eine dänische Langzeitstudie der Universitäten Kopenhagen und Aarhus untersuchte den Zusammenhang zwischen Antidepressiva und dem Risiko eines plötzlichen Herztodes. Die Analyse von über 4,3 Millionen Personen ergab: Das Risiko ist bei psychiatrischen Patienten unter Medikation signifikant erhöht – besonders bei einer Einnahmedauer von mehr als sechs Jahren und bei Patienten unter 60 Jahren.

Gleichzeitig entstehen neue Therapieansätze. Mitte Juni 2026 startete die Charité Berlin eine multizentrische Studie. Mit 2,3 Millionen Euro gefördert, untersucht sie den Einsatz des Hormons DHEA als Zusatztherapie bei therapieresistenten Depressionen.

Weitere Forschungsansätze prüfen Wirkstoffe aus der Rheumatherapie oder GLP-1-Agonisten. In Pilotstudien erzielten diese bereits höhere Remissionsraten als Placebo-Präparate.

Bewegung als natürliches Antidepressivum

Trotz pharmakologischer Fortschritte bleibt die Prävention zentral. Körperliche Aktivität wird von Medizinern als natürliches Antidepressivum empfohlen. Eine Untersuchung vom Frühjahr 2025 deutet darauf hin: Bereits 7.500 Schritte täglich können das Depressionsrisiko um bis zu 42 Prozent senken.

Da sich rund 70 Prozent aller psychischen Erkrankungen vor dem 25. Lebensjahr entwickeln, fordern Experten verstärkt niedrigschwellige Angebote zur Früherkennung. Als Vorbild dienen internationale Modelle wie die australischen „Headspace“-Zentren. Sie ermöglichen Jugendlichen einen einfachen Zugang zu psychologischer Unterstützung – und minimieren so langfristige Schäden für Herz und Geist.

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